„Mir wurde kurz schwarz vor Augen“

29. Februar 2024, 14:13 Uhr

Sedat Gören (rechts) wird sein Team am Sonntag nicht coachen, für ihn übernimmt Co-Trainer Yasin Kocatepe (links). © Charlie Rolff

Gegen Kickers Offenbach kommt auf Sedat Gören eine ganz neue Situation zu: Ausgerechnet im prestigeträchtigen Hessenderby darf der Cheftrainer der SG Barockstadt aufgrund einer Gelbsperre nicht an der Seitenlinie coachen.

„Für mich war alles dunkel in dem Moment, als mir der Schiedsrichter die Gelbe Karte gezeigt hat. Ich hatte einen Blackout, weil mir sofort klar war, dass ich gesperrt sein würde“, erklärt Gören im Rückblick auf seine vierte Gelbe Karte, die er im Spiel gegen den SGV Freiberg vor Wochenfrist kassiert hatte. Gören hatte unerlaubterweise seine Coachingzone verlassen: „Ich wollte eine Anweisung geben, weil es einen Standard gegen uns gab und hatte meine Zone vielleicht einen Meter verlassen. Das sieht der Schiedsrichter dann aus 50, 60 Metern Entfernung sehr genau. Den Elfmeter an Patrick Schaaf, als der gegnerische Torwart ihm voll gegen die Schläfe boxt, sieht er aus wenigen Metern hingegen nicht“, hadert Gören, dessen Team in dieser Saison nicht unbedingt wohlwollend von den Schiedsrichtern beurteilt wird. Noch gab es beispielsweise keinen Elfmeter für die SG Barockstadt . Den von Gören angesprochene gegen Schaaf hätte es beim 1:0-Sieg gegen Freiberg geben müssen.

SG Barockstadt: Trainer Gören darf gegen OFC nicht coachen

Gören spricht von „fünf, sechs Punkten“, die seinem Team aufgrund von zumindest fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen fehlen würden. Rechnete man diese „on top“, die SG Barockstadt kämpfte um den Aufstieg und Gören müsste sich nicht mehr mit der Drittligatabelle beschäftigen. In der sieht es nicht gut für Mannheim und ganz schlecht für Freiburg II aus. Steigen beide ab, gibt es auch in der Regionalliga Südwest fünf Absteiger: „Davon gehe ich auch aus, deswegen brauchen wir noch Punkte“, mahnt Gören, hat aber keine Angst – auch nicht vor Kickers Offenbach : „Wir haben in der Liga noch kein Spiel gegen den OFC verloren und werden auch am Sonntag mit breiter Brust antreten.“

Dass sein Team nicht nur beste Heimmannschaft der Liga ist, sondern sich sogar deutlich vor die Kickers gesetzt hat, ist für Gören maximal als schönes Beiwerk für die stetige Fortentwicklung des Teams zu beurteilen. Das darf er am Sonntag nur aus der Ferne beobachten. Die Auflagen des DFB sind bei einer Trainersperre streng. Ab 13.30 Uhr bis eine halbe Stunde nach Abpfiff darf Gören keinen mittel- oder unmittelbaren Kontakt zu seinem Team aufnehmen. Er darf also auch niemandem taktische Anweisungen ins Ohr flüstern, der diese dann an die Bank weiterträgt.

Ergo: Gören muss das Feld seinem Co-Trainer Yasin Kocatepe überlassen: „Und dafür ist er in unserem Trainerteam. Wir vertrauen ihm vollkommen“, sagt Gören über den 32-jährigen Ex-Profi, der seit Anfang dieser Saison für die SG Barockstadt arbeitet und sich vor dem Spiel nicht öffentlich äußern mag. Schließlich sei dies noch immer die Aufgabe von Gören. Kocatepe kennt seinen Platz. Gören hingegen überlegt noch, welchen er am Sonntag einnimmt: „Vielleicht sitze ich auf der Tribüne, vielleicht bleibe ich auch einfach zu Hause.“

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