Die Macher rund um Trainer Jürgen Krawczyk versuchten alles, um die Mannschaft für die Mission Klassenerhalt gut aufzustellen. So gelang dem RSV die Verpflichtung von Marco Fladung. Der Torjäger kam mit der Empfehlung von 65 Treffern in vier Jahren Landesliga beim Hünfelder SV. Auch 1860 München war an Fladung interessiert, doch er entschied sich für einen Wechsel nach Petersberg. Auch Adrian Pavlovski und Rolf Gollin, der von Germania Fulda zurückkehrte, verstärkten die Mannschaft.
RSV Petersberg in seinem letzten Hessenligajahr mit Coup gegen Borussia Fulda
Mit drei Heimspielen ging es los für den RSV, der den Auftakt in den Sand setzte. Gegen Rot-Weiß Walldorf lag Petersberg zur Pause 0:3 hinten, verlor schließlich mit 2:3. Es war der Beginn von schwer beschreibbaren Stimmungsschwankungen. Denn danach kochten die Emotionen innerhalb weniger Tage nahezu über. Zunächst feierten die Petersberger durch das Tor von Stephan Grösch beim 1:0-Heimsieg gegen die Amateure der Frankfurter Eintracht (mit Spielern wie Oka Nikolov, Oliver Bunzenthal, Kelvin King und Matthias Hagner) den ersten Sieg.
Und nur eine Woche später war der RSV endgültig obenauf. Denn nun gastierte der große Nachbar Borussia Fulda am Waidesgrund. Erstmals übrigens nach 29 Jahren Pause zu einem Punktspiel. Es sollte ein Fest werden. 3500 Zuschauer kamen und Petersberg gewann sage und schreibe mit 3:0. Zwei Tore von Marco Fladung (31., 38.) und eines von Alexander Vorndran (67.) brachten das Fußballgefüge in der Stadt Fulda und seinem Umland ins Wanken.
Es sollte einerseits ein Sieg für die Ewigkeit sein, aber gleichzeitig ging es sportlich in der Spirale wieder nach unten. In Hoechst (1:2), gegen Lohfelden (0:3) und in Neukirchen (1:5) setzte es drei Niederlagen in Serie. Nach Ende der Hinrunde rangierten die Petersberger mit 9:21-Punkten auf dem drittletzten Tabellenplatz.
Es folgten immer wieder positive Ausschläge (4:1 in Walldorf, 1:1 bei Borussia Fulda, 3:3 bei den Amateuren der Frankfurter Eintracht sowie dem 6:1 gegen Bad Vilbel als höchster Saisonsieg). Doch am Ende der 30 Spieltage war klar: Zwar hatte Petersberg den KSV Baunatal und Rot-Weiß Walldorf, die direkt absteigen mussten, hinter sich gelassen, aber die 22:38-Punkte bedeuteten die Teilnahme an der Relegation um den Klassenerhalt. Gegner waren Viktoria Sindlingen, der SC Willingen und der KSV Klein-Karben.
„Unnötig“: RSV Petersberg muss nach dramatischer Relegation wieder runter
Der Auftakt machte Hoffnung: Auf dem neutralen Platz des FSV Fernwald bezwang Petersberg Viktoria Sindlingen mit 5:2. Zweimal Volker Bleuel, Marco Fladung, ein Eigentor und der erneute Treffer von Marco Fladung sorgten für eine super Ausgangslage. Zumal sich die Konkurrenz aus Willingen und Karben beim 0:0 gegenseitig je einen Punkt abnahm.
Doch die Ernüchterung folgte auf den Fuß. Am zweiten Spieltag der Relegation musste Petersberg in die Wetterau nach Klein-Karben reisen. Zwei Minuten entschieden das Spiel auf dem Georg-Reutzel-Sportfeld. Hier schaffte Klein-Karben einen Doppelschlag zum 3:2 und 4:2 beim letztlichen 4:3-Erfolg. „Dabei haben wir viel besser gespielt als im ersten Spiel gegen Sindlingen, als wir gewonnen hatten“, war Trainer Jürgen Krawczyk enttäuscht.
Weil Willingen zeitgleich Sindlingen mit 1:0 schlug, war die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag miserabel bis aussichtslos. Petersberg musste sein Heimspiel gegen Willingen gewinnen und gleichzeitig hoffen, dass Klein-Karben gegen das längst chancenlose Sindlingen patzt.
Letztlich aber verspielte Petersberg selbst seine Möglichkeiten. Denn weil Klein-Karben in Sindlingen tatsächlich nur 2:2 spielte, hätte ein Heimsieg gegen Willingen doch noch für den Klassenerhalt gereicht. Zur Pause führte der RSV nach einem Eigentor mit 1:0, doch nur 90 Sekunden nach Wiederbeginn glich Willingen aus. Petersberg drängte auf den nötigen Sieg, kassierte in der Endphase aber zwei Konter und verlor 1:3. Nach nur einer Saison war der RSV Petersberg – wie auch schon 1965/1966 – wieder aus der Hessenliga abgestiegen. „Unnötig“, wie Jürgen Krawczyk später bescheinigte.