Werbung in eigener Sache

24.07.2023

Die SG Barockstadt hat am Samstag bundesweit Schlagzeilen geschrieben: Der Südwest-Regionalligist hat Bundesligist Eintracht Frankfurt mit 3:2 besiegt und beste Werbung für den osthessischen Fußball betrieben. 

„3:0. 3:0 für den Viertligisten. Freunde der Sonne“, kommentierte Philipp Hofmeister hörbar fassungslos für das hr-Fernsehen den Zwischenstand kurz vor der Halbzeitpause, während sein Kommentatoren-Kollege Basti Red zugab: „Ich bin ehrlicherweise relativ sprachlos.“ Mit dem Duo, bekannt durch das Youtube-Format „Fußball 2000“, wollten nicht wenige Eintracht-Fans Selfies machen, was dieses bereitwillig tat. Manche Kinder waren hingegen enttäuscht. Sie hatten sich insbesondere auf Spieler wie Kevin Trapp, Mario Götze und Randal Kolo Muani gefreut, die aber allesamt nicht mit in die Barockstadt gereist waren.

Doch schon während der zweiten Halbzeit fingen die zur Pause ausgewechselten Bundesliga-Profis an, Autogrammwünsche zu erfüllen. Wer besonders gefragt war? Die Publikumslieblinge Sebastian Rode und Timothy Chandler. Nach Abpfiff war es der dänische Nationalspieler Jesper Lindstrøm, der mehrfach ermahnt werden musste, dass er doch endlich in die Kabine kommen solle. Er wollte gar nicht mehr aufhören, den Kindern alle Wünsche zu erfüllen und dürfte viele neue Fans für sich gewonnen haben.

SG Barockstadt: Werbung in eigener Sache gegen Eintracht Frankfurt

Neben dem hr-Fernsehen übertrug „Sky“ das Spiel live. Rund 35 Medienvertreter waren akkreditiert – plus Kameraleute und Eintracht -Medienteam. Ein Trubel, den das Stadion der Stadt Fulda nicht oft erlebt. Auch, weil die Partie mit knapp 5000 Zuschauern ausverkauft war. Insbesondere das Catering geriet aber schon weit vor Anpfiff an seine Grenzen. Die Fans waren sauer, dass sie auf der Gegengerade teils eine dreiviertel Stunde in der Schlange stehen mussten, um ein kühles Blondes zu ergattern.

Die Sportliche Leitung der Barockstadt um Christian Geisendörfer nahm das wahr und versprach, dass so etwas nicht mehr passieren würde. Niemanden sollte das abhalten, ein Spiel in der Regionalliga zu besuchen. Dass sich das lohnt, zeigte die Mannschaft zuvor. Nicht nur Geisendörfer war begeistert vom Auftritt, aber niemand wollte den Sieg zu hoch hängen. Was zählt? Die Liga! In zwei Wochen geht es bei der U?21 des VfB Stuttgart los.

Was gut funktionierte: Trotz der nebenan stattfindenden Landesgartenschau und der ohnehin schon schwierigen Parksituation rund um die Johannisau, waren die Zuschauer frühzeitig im Stadion. Viele beherzigten den Tipp, mit Bahn und Bus anzureisen, Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) kam wie viele andere mit dem Fahrrad vorgefahren. Der Anpfiff musste aufgrund der Live-Übertragungen pünktlich erfolgen, die Schlangen an den Kassenhäuschen waren zu diesem Zeitpunkt schon aufgelöst. Anders als bei so manchem Ligaspiel in der vergangenen Saison.

Das frühzeitige Kommen lohnte sich: Die E-Junioren beider Vereine lieferten ein Torspektakel im Vorfeld, auf dem benachbarten Kunstrasen baute die Eintracht eine Hüpfburg und eine Schussgeschwindigkeitsanlage auf. Dazu bot der Fuldaer Eintracht-Fanshop die Gelegenheiten, am Glücksrad zu drehen. Jeder Dreh war ein Gewinn. Schals, Wasserbälle und weitere Eintracht-Accessoires schleppten die jungen Eintracht-Fans anschließend durch die Johannisau. Auch hier war die Schlange schon zwei Stunden vor Anpfiff riesig. „Toll, wie die Eintracht in Osthessen angenommen wird“, frohlockte Christopher Schaus, der den Fanshop in der Heidelsteinstraße betreibt.

"Es geht nicht immer um die SG Barockstadt, sondern um guten Fußball in Osthessen. Und dafür haben wir heute Werbung gemacht." – Patrick Schaaf, Kapitän der SG Barockstadt

"Wir haben jede Menge Kraft in die Organisation gesteckt. Dass am Ende nicht alles rund lief, dafür möchten wir uns bei den Zuschauern entschuldigen und bitten um Verständnis. Wir wollen daraus lernen." – Christian Geisendörfer, Sportliche Leitung der SG Barockstadt

"Das 2:0 werde ich mir direkt in der Kabine auf Video anschauen. Das war cool." – Marius Köhl, Spieler der SG Barockstadt