„Spieler für uns ausbilden – nicht für andere“

25.07.2023

Als die SG Barockstadt vor kurzem ihre neuen Juniorentrainer präsentierte, überraschte ein Name ganz besonders: Matthias Wilde ist neuer Co-Trainer im A-Junioren-Hessenliga-Team – eine komplett neue Rolle für den 65-Jährigen.

Herr Wilde, bei vielen dürfte die Nachricht, dass Sie als Ur-Horaser bei der SG Barockstadt einsteigen, für Verwunderung gesorgt haben. Wie sind die Reaktionen ausgefallen?

Meine Frau hat sofort gesagt, dass ich die neuen Trainingsklamotten nicht in unsere Waschmaschine packen kann – denn dann würden sie rot wieder rauskommen (lacht). Die Nachricht hat schon einige Leute überrascht, zumal ich eigentlich gar nichts mehr machen wollte. Aber gesundheitlich geht es mir jetzt so, dass ich wieder einsteigen kann. Und als Knut Seuring mich gefragt hat, ob ich ihm als Co-Trainer helfen wolle, hat mich die Aufgabe sofort gereizt. Ich finde junge Leute vor, die alle willig sind.

Mit Knut Seuring arbeiten Sie seit Jahren im DFB-Stützpunkt zusammen. Wie wird die Zusammenarbeit aussehen?

Knut ist der Chef, das ist klar, ich werde im zweiten Glied fungieren. Das habe ich noch nie gemacht, und nicht wenige haben mir gesagt, dass ich dafür eigentlich nicht geeignet bin. Es ist natürlich schon so, dass ich meine Idee in gewisser Weise verwirklicht sehen möchte. Aber trotzdem bin ich derjenige, der Knut so gut unterstützt, wie es eben nur geht. In den ersten Wochen hat das super geklappt.

Die U19 soll künftig enger mit der U23 verzahnt werden, außerdem wird es wieder eine U18 geben. Warum ist das notwendig?

Unser Kader in der U19 ist relativ groß. Da wäre es richtig schlecht, wenn Spieler, die mal hinten dran sind, gar keine Möglichkeit hätten, um Spielpraxis zu sammeln. Dazu gibt es Leute, die einfach Fußball spielen wollen, ohne den großen leistungsorientierten Gedanken. Auch ihnen wollen wir eine Plattform geben. Schön wäre es, wenn die U18 relativ schnell in die Gruppenliga aufsteigen könnte. Denn jedes Jahr kommt eine Mannschaft aus der U17 raus, von denen nicht jeder sofort den Sprung in die U19 schafft.  

SG Barockstadt: Matthias Wilde in der U19 in neuer Rolle

In der Vorsaison bestand der Großteil der U19-Truppe noch aus Spielern, die im Jahr zuvor in der B-Junioren-Hessenliga gespielt haben. Wie ist das Team in dieser Spielzeit aufgestellt – und was ist drin?

Der Gros der Mannschaft besteht aus Spielern, die schon in der Vorsaison da waren. Es braucht immer einen nicht unerheblichen Anteil an Spielern des älteren Jahrgangs. Wir haben einen guten Kader, auch gespickt mit letztjährigen U17-Akteuren. Aber man muss abwarten, wie es mit Spielern ist, die schon oben eingesetzt werden – wie derzeit Jean Luca Trabert. Genau so soll es sein – die Spieler sollen ja nicht für Vereine wie Hünfeld, Flieden oder Steinbach ausgebildet werden, sondern für uns.

Aber ist der Sprung zwischen Junioren-Hessenliga und Senioren-Regionalliga nicht zu groß?

Natürlich ist es ein riesiger Sprung. Aber warum sollte in Fulda nicht möglich sein, was im allerhöchsten Bereich mit Wirtz und Moukoko funktioniert? Außerdem gibt es ja die U23, wo sich die Spieler auch erst in der Senioren-Verbandsliga behaupten müssen.

Im Juniorenbereich stehen Änderungen bevor, die Junioren-Bundesligen – die Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche kürzlich als „so kontaktlos wie Basketball“ bezeichnete – werden abgeschafft. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass es bei der A-Jugend einen gewissen Wettkampfcharakter braucht. Fußball ist ein körperbetontes Spiel, und wir spielen sicher keinen Basketball. Das sieht man bei uns in jeder Trainingseinheit.