Schon die Vorgeschichte war kurios: Eigentlich hätte Pilgerzell als dritter Verein der Relegationsrunde zur Kreisoberliga Süd dabei sein sollen, doch das 4:4 am letzten Spieltag in Engelhelms hatte ein juristisches Nachspiel. Die Frage war, ob TSV-Akteur Andreas Schäfer nach halbjähriger Spielpause einsatzberechtigt war – der Verband sagte zunächst ja, Engelhelms nein, das Verbandsgericht entschied letztlich erst Wochen später. Somit waren nur noch Veitsteinbach und Schweben Teil der Aufstiegsrunde, die aufgrund des Hickhacks verspätet los ging und den SVS durch ein 1:0 im Hinspiel in eine bessere Ausgangslage brachte. 1200 Zuschauer bildeten einen tollen Rahmen für das Rückspiel, der damalige Veitsteinbacher Spielertrainer und heutige Spieler Dennis Möller erinnert sich gerne zurück: „Aufgrund der Kulisse war es eines der schönsten Spiele, die ich je gemacht habe. Für den Verein war es auch das größte Spiel mit den meisten Zuschauern in der Geschichte“, so der 34-Jährige, der aber nur ungern auf den Ausgang zurückblickt. Das 2:2 nach Verlängerung reichte Schweben zum Aufstieg. Nach einer halben Stunde sah SVS-Keeper Fabian Kremer die Rote Karte, Daniel Betz verwandelte den fälligen Elfmeter zur Führung. In Unterzahl gelang Daniel Balzer der Ausgleich (54.), ehe Markus Kress – auch Veitsteinbach war inzwischen nur noch zu zehnt, Nico Föller sah Gelb-Rot (83.) – die Hausherren in der Nachspielzeit in die Verlängerung schoss. Dort war es wiederum Balzer, der in der 116. Minute das entscheidende 2:2 erzielte. Dennis Möller traf zwar noch in einer der letzten Aktionen, doch das Schiedsrichter-Gespann hatte eine Abseitsstellung gesehen und somit ein Elfmeterschießen verhindert. Im Anschluss kochten die Emotionen über, wie auch in der Video-Zusammenfassung gut zu sehen ist: Die Veitsteinbacher Dennis Möller (Gelb-Rot) und Manuel Kuschnik (Rot) wurden noch des Feldes verwiesen, Daniel Betz aufgrund einer Tätlichkeit im Anschluss gar für 14 Spiele gesperrt.
Veitsteinbach und Schweben gehen sich aus dem Weg
"Das war eines der Highlights meiner Laufbahn, solche außergewöhnlichen Spiele erlebst du höchstens zwei, drei Mal", so der damalige Schwebener Trainer Achim Noll, der berichtet, dass Spieler und Verantwortliche die anschließende Nacht durchfeierten. Noll übergab nach dem Aufstieg an Christian Birkenbach, der SVS etablierte sich in der Kreisoberliga. "Das war aufgrund des Umfelds und des Vorstands abzusehen. Gute Entscheidungen wurden getroffen, um langfristig die Klasse halten zu können", ist der Ex-Trainer wenig überrascht. Veitsteinbach schaffte es dagegen nicht mehr, in ähnliche Sphären vorzustoßen. "Ich habe damals schon gesagt, dass wir bei einem Aufstieg sang- und klanglos wieder abgestiegen wären. Wir sind einfach eine A-Liga-Mannschaft. Aber es ist schade, dass wir den Erfolg nicht wiederholen konnten. Wir wären ja auch fast Meister geworden, wenn Bad Soden II am letzten Spieltag nicht der Siegtreffer in der letzten Minute gelungen wäre", so Möller, der mit seiner Mannschaft zwischen den Spielen auf Abschlussfahrt in Berlin war – schließlich fand die Relegation später als erwartet statt und die Reise konnte nicht mehr verschoben werden. In einem Pflichtspiel haben sich beide Mannschaften seither nicht getroffen – und auch an Freundschaftsspiele ist nicht zu denken. "Ich habe mir die Video-Zusammenfassung mehr als hundert Mal angeschaut, da sind im Anschluss unschöne Sachen passiert. Einen Tag später war das wieder vergessen, ein gutes Verhältnis haben beide Vereine aber nicht – obwohl kaum noch Leute von damals mitspielen", sagt Möller.
Das Video:
[link url=https://www.torgranate.de/artikel/relegation-kol-sued-veitsteinbach-schweben-in-der-video-zusammenfassung/ text=Die Highlights des damaligen Spiels gibt es hier in der Video-Zusammenfassung.]