Marco Fladung

1860-Deal hätte fast geklappt

Marco Fladung und seine Erinnerungen an die aktive Laufbahn

22.06.2020

Das Toreschießen hatte er im Blut – vielleicht vererbt durch seine beiden Onkel Hans und Norbert, die ebenfalls brandgefährliche Stürmer waren. Aber Marco Fladung war mehr: Er war vor allem ein in seiner gesamten Karriere immer fairer Sportsmann.

„Ich hatte wirklich eine tolle Laufbahn, zumal es überall, wo ich war, auch wirklich schön war. Hünfeld war immer super familiär, da hast du dich zu Hause gefühlt. Das Jahr in Petersberg war trotz des Abstiegs aus der Hessenliga überragend. Und ganz ehrlich: Wenn wir damals nicht über die Relegation abgestiegen wären, dann wäre ich wahrscheinlich nie zu Borussia Fulda gewechselt, sondern in Petersberg geblieben“, sagt der mittlerweile 49-Jährige heute und freut sich doch, dass alles so gekommen ist, wie es letztlich kam. „Viel hätte ich im Nachhinein nicht anders gemacht. Schade ist nur, dass es bei Borussia Fulda einfach zu viele Querelen im Umfeld gab. Da ging es gegen Trainer Martin Hohmann, dazu haben die Finanzen nicht gestimmt. Damals wäre viel mehr möglich gewesen, wenn einfach mal Ruhe eingekehrt wäre“, sagt Fladung. Das Duo Marco Fladung und Olivier Djappa kannte Ende der 1990er-Jahre ganz Fußball-Deutschland. Kaum ein Wochenende verging, ohne dass die beiden regelrecht um die Wette geballert hätten. Nicht nur deswegen hatte Fladung mehrfach die Chance, noch die ein oder andere Spielklasse nach oben zu wechseln. So war er mit dem damaligen Bundesligaaufsteiger 1860 München bereits im Trainingslager in Passau, bestritt sogar ein Freundschaftsspiel im Löwentrikot. „Allerdings hatte ich zu dieser Zeit schon in Petersberg einen Amateurvertrag unterschrieben. Dadurch wäre nur die Möglichkeit gewesen, als Profi und nicht als Vertragsamateur zu wechseln. Das hat aber nicht geklappt“, schaut Fladung zurück. Auch der 1.FCKöln hatte sich nach ihm erkundigt und die Offenbacher Kickers waren ebenfalls ein großes Thema.

Erst ein 0:9, dann Prüfungen

„Offenbach hätte ich mir gut vorstellen können. Das war direkt nach deren Zweitligaaufstieg. Und ganz ehrlich?Es war schon ein geiles Gefühl in Offenbach zu spielen.Ich erinnere mich da an einen 2:0-Sieg mit Borussia. Da habe ich an einem Freitagabend unter Flutlicht die beiden Tore geschossen. Das bleibt ein absolutes Highlight“, so Fladung, der zwei weitere Spiele als Höhepunkte anfügt.„Die beiden Duelle mit Nürnberg. Daheim vor 18.000 Zuschauern das 1:1, aber auch das knappe 0:1 im Frankenstadion – das waren schon wirklich Erlebnisse.“ Die bitterste Stunde seiner Laufbahn kommt aber auch wie aus der Pistole geschossen. „Ganz klar das 0:9 in der Regionalliga zu Hause gegen 1860 München II. Das vergesse ich nie, denn wir waren eigentlich gar nicht so schlecht, bloß irgendwann hat bei 1860 jeder Schuss gepasst und bei uns ging plötzlich überhaupt nichts mehr. Das war aber lange ausgeglichen.“ Pikante Randnote: „Das Spiel war an einem Dienstag und ich hatte in dieser Woche Montag, Mittwoch und Freitag meine Prüfungen zum Betriebswirt abzulegen. Ich erinnere mich noch genau an den Tag nach dem Spiel, als ich morgens um 8 Uhr wieder am Prüfungstisch saß. Da ging über eine Stunde lang nichts im Kopf. Da habe ich null aufs Blatt geschrieben, so sehr hatte mich das Spiel mitgenommen“, erinnert sich Fladung heute und kann darüber schmunzeln. Heute widmet sich Fladung dem Nachwuchs. Er ist Jugendleiter bei der TSGMackenzell und bald im achten Jahr als Juniorentrainer tätig. „Ich habe früh gemerkt, dass ein Job alsSpielertrainer für mich nichts ist. Deshalb habe ich nur gespielt und mich irgendwann dem Nachwuchs gewidmet. Die Jungs kannst du noch führen und deine Vorstellungen und Erfahrungen auch einbringen. Das macht mir sehr viel Freude“, sagt Fladung, der abschießend preisgibt: „Vielleicht übernehme ich irgendwann mal wieder einen Trainerjob im Seniorenbereich. Aktuell ist das aber kein Thema, weil ich genügend ausgelastet bin.“