Almir Derdemez wechselt zu Sandzak

Gruppenliga Frankfurt West: Bosnien verliert seinen Torjäger

19.12.2016

Brisanter Spielerwechsel in der Gruppenliga Frankfurt West! Aufsteiger SV BKC Bosnien muss künftig ohne seinen Torjäger Almir Derdemez auskommen. Der 22-jährige hat sich dem Ligakonkurrenten SV FC Sandzak angeschlossen und soll den "Balkan-Rivalen" in der Rückrunde zum angestrebten Aufstieg in die Verbandsliga Süd schießen.

Der 22-jährige Derdemez spielte in der Saison 2014/15 beim aktuellen Nordost-Regionallisten FC Energie Cottbus, kam aber bei den Lausitzern nur in acht Spielen in der zweiten Mannschaft zum Einsatz (NOFV-Oberliga Süd). Danach kam der Mittelstürmer in das Rhein-Main-Gebiet und schloss sich dem Frankfurter Kreisoberligisten SV BKC Bosnien an, den Derdemez mit 41 Toren als Vizemeister in die nächsthöhere Gruppenliga Frankfurt West schoss. In der Hinrunde der aktuellen Saison kam der Goalgetter auf immerhin elf Treffer für den Klub von der Ackermannwiese. Derdemez stammt aus der südserbischen Provinz Sandzak und kennt die meisten Spieler des Ligarivalen persönlich. Nun soll er mit seinen Toren dazu beitragen, dass der SV FC Sandzak erstmals in die Verbandsliga Süd aufsteigt. Der Tabellenzweite liegt aussichtsreich im Rennen und hat im Gegensatz zum Vorjahr keinerlei Punktabzüge zu befürchten. Von daher freut sich Sportdirektor Enis Bogucanin über den Transfercoup: "Wir rechnen damit, dass Derdemez viele Tore für uns erzielen wird. Seine Erfahrung und seine Qualität sind die besten Argumente". Auch Spielertrainer Murat Sejdovic hält viel vom neuen Goalgetter: "Das ist ein sehr guter Fußballer. Wir wollten ihn schon 2015 holen, aber er entschied sich für Bosnien. Er hat sich seitdem sehr gut entwickelt. Er ist pfeilschnell, sehr athletisch und wird auch bei uns gut einschlagen. Er war immer ein Teil der Sandzak-Familie".

Husanovic bedauert Derdemez´ Abgang

Bei den Bosniern löste die Nachricht vom Weggang des besten Torjägers Katerstimmung aus. Der Mann, der den Verein aus dem Gallusviertel erstmals in die Gruppenliga katapultierte, wird der Mannschaft von Trainer Senad Mujakic im Abstiegskampf fehlen. Momentan liegt der SV BKC nur zwei Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz. "Sein Abgang schwächt uns natürlich und wir bedauern das sehr. Letztlich ist es ebenso, dass wir als kleiner Verein mit beschränkten Möglichkeiten einen Spieler solchen Kalibers nicht lange halten können", bestätigte Bosniens Pressesprecher Asmir Husanovic den Abgang, der nicht der letzte an der Ackermannwiese gewesen sein soll. Die Mannschaft der Bosnier wird in der Winterpause durch Zu- und Abgänge ein neues Gesicht verpasst bekommen. Eine genaue Übersicht über das Personalkarussell beim SV BKC könne aber laut Husanovic erst ab Anfang Januar erstellt werden.

Gespräche vor dem Rückspiel anberaumt

Der Vereinswechsel des Torjägers soll das angespannte Verhältnis beider "Balkan-Klubs" nicht weiter belasten. Das Hinspiel Anfang September hatte beim Stande von 4:2 für den SV FC Sandzak in der 76. Minute ein unrühmliches Ende gefunden. Nicht Schiedsrichter Timo Hager brach die Partie der beiden Teams aus dem ehemaligen Jugoslawien ab, sondern die Gäste aus dem Frankfurter Gallusviertel verließen nach dem 4:2 durch den jetzigen Sandzak-Spielertrainer Murat Sejdovic auf Veranlassung der Vereinsverantwortlichen des SV BKC Bosnien geschlossen das Spielfeld und weigerten sich, die Partie zu Ende zu spielen. Daraufhin verkündete Bosniens Pressesprecher Asmir Husanovic einen Vorstandsbeschluss, wonach sein Verein zum Rückspiel nicht antreten werde. Offenbar kommt nun von Seiten Sandzaks ein Vorstoß, um diese außersportliche Dauerfehde zu beenden. Zwischen den Vereinen gab es keine Ressentiments, aber offensichtlich waren es einige wenige Protagonisten, die immer wieder ihre Privatfehden auf dem Fußballplatz austrugen, die letztlich zur Eskalation der Situation führten. Ausgerechnet Murat Sejdovic, der an den Vorfällen im Hinspiel nicht ganz unbeteiligt war, sagt nun: "Wir wollen diesen Streit beilegen und die Vorstände beider Vereine werden sich zum Abendessen treffen. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen, statt gegeneinander zu agieren". Auch SV FC-Sportdirektor Enis Bogucanin möchte sich mit den Bosniern im Vorfeld des Rückspiels an einen Tisch setzen: "Wir wollen diese Vorfälle vergessen und alles dafür tun, damit das Rückspiel normal über die Bühne geht. Gespräche zwischen den Vorständen wurden dazu anberaumt". Auch von Seiten der Bosnier gibt es Gesprächsbereitschaft, wie Pressesprecher Husanovic bestätigt: "Sandzak hat uns kontaktiert und das ist ein positives Signal und dieses Angebot nehmen wir wahr. Das Ziel der Gespräche wird es sein, die Differenzen der beteiligten Personen auszuräumen. Wir begrüßen dieses positive Zeichen im Sinne des Sports".