Ajax kam „nur“ als Vizemeister an den Waidesgrund. 1980 und 1982 wurde Amsterdam zwar Meister, doch kurz vor dem Gastspiel in Petersberg war der heutige 35-fache niederländische Rekordmeister vom AZ Alkmaar kurzzeitig entthront worden. Der Amsterdamsche Football Club Ajax – so der vollständige Vereinsname – hatte eine ganze Reihe an interessanten Spielern in seinen Reihen. Längst bekannt waren Größen wie Torwart Piet Schrijvers, der 46 Länderspiele für die Niederlande bestritt und alleine für Ajax in 269 Punktspielen eingesetzt wurde. Beim Spiel in Petersberg war Schrijvers 35 Jahre alt. Wim Kieft dagegen war noch ein „No-Name“. Gerade 18 Jahre alt geworden, ahnte noch keiner, dass der Stürmer 1988 Europameister und im selben Jahr (dann allerdings mit der PSV Eindhoven) den Europapokal der Landesmeister gewinnen würde. Ebenfalls erst 18 Jahre alt war Gerald Vanenburg, 19 Jahre ein gewisser Frank Rijkaard, der neben seiner Spuckattacke 1990 gegen Rudi Völler auch sportlich von sich reden machen sollte und seine Profikarriere bei Ajax ein Jahr vorher begonnen hatte. Immerhin schon 23 Jahre alt war zu dieser Zeit Sören Lerby. Der Däne spielte und trainierte später unter anderem auch beim FC Bayern München.
2100 Zuschauer waren gekommen – und die wurden zunächst mehr als nur überrascht. Trainer der Petersberger zu dieser Zeit war Wolfram Nüdling. Der sah sensationelle 45 Minuten seines Außenseiters, der gerade auf dem siebten Platz in der Landesliga Nord eingelaufen war und kurz vor einer schwierigen Saison stand. Nach einer knappen halben Stunde ging Petersberg sogar in Führung. Frank Rijkaard hatte gemeinsam mit Keeper Schrijvers Martin Schäfer in die Zange genommen und so gab es Elfmeter für den krassen Außenseiter. Eugen Hack verzögerte beim Anlauf und täuschte den holländischen Nationalkeeper so, dass der RSV mit 1:0 vorne lag. Weil Keeper Joachim Heil mehrfach glänzend parierte und Peter Boeve für Ajax nur den Pfosten traf, reichte es für Petersberg zur Pause zu einem unerwarteten 1:1. Selbst in Halbzeit zwei hatte der RSV in mehreren Situationen bei Kontern die Chance auf ein weiteres Tor, doch jetzt schraubte Ajax das Ergebnis nach und nach in die Höhe. Amsterdams Trainer Kurt Lindner entschuldigte sich fast für den Auftritt seiner Elf: „Vor der Pause haben wir mehr junge Spieler eingesetzt, die nach dem schweren Training aber kaputt waren und erst wieder aufgebaut werden müssen. Petersberg hat sich redlich geschlagen“, lautete sein Resümee nach dem Spiel. Wolfram Nüdling derweil war einfach nur zufrieden: „Die erste Halbzeit war eine großartige Leistung. Nach dem Wechsel hat Ajax dann enormen Druck gemacht und hier einiges geboten.“ Kurios waren übrigens die Randerscheinungen zur Partie, die um ein Haar hätte ausfallen müssen: Nach einem Wolkenbruch am Nachmittag stand das Spiel nämlich auf der Kippe. Nur dank der Freiwilligen Feuerwehr, die die Wassermassen absaugte und das Spielfeld wieder herrichtete, war eine Austragung –bei dann schönem Wetter – doch noch möglich. Bemerkenswert: Nur 13 Polizisten mussten für dieses Spiel abgestellt werden. Heute müssten wohl deutlich mehr Beamte rundherum absichern. Und noch zwei interessante Zahlen: Das Spiel kostete den RSV Petersberg knapp 17.000 D-Mark an Gage für Ajax, die Zuschauer mussten damals neun D-Mark Eintritt bezahlen.
Die Statistik:
RSV Petersberg: Joachim Heil; Manfred Geier (46. Christian Dettmar), Michael John (65. Johannes Walter), Horst Glania (46. Andreas Hohmann), Wolfgang Schmitt (77. Amand Kollmann), Eugen Hack, Gerhard Schäfer, Peter Bott (46. Gerd Klingenhöfer), Gerhard Leitsch, Martin Schäfer, Peter Gehring. Ajax Amsterdam: Piet Schrijvers; Wim Jansen, Peter Boeve, Sten Ziegler, Sören Lerby, Gerald Vanenburg, Frank Rijkaard (46. Jan Weggelaar), Kees Zwamborn, Wim Kieft (46. Jesper Olsen), Piet Hamberg, Dick Schoenaker. Schiedsrichter: Wolf (Bad Soden). Zuschauer: 2100. Tore: 1:0 Eugen Hack (30., Foulelfmeter), 1:1 Piet Hamberg (40.), 1:2 Jesper Olsen (50.), 1:3 Piet Hamberg (60.), 1:4 Piet Hamberg (66.), 1:5 Jesper Olsen (74.), 1:6 Piet Hamberg (77.).