Dennis Leopold: "Ein Handschlag ist nichts mehr wert"

Verbandsliga Mitte: Oberliederbachs Routinier im Interview

13.09.2017

Beim jüngsten 3:0-Erfolg der SG Oberliederbach gegen den FSV Braunfels spielte Neuzugang und Routinier Dennis Leopold den Dosenöffner und erzielte in der 25. Minute den wegweisenden Führungstreffer. Wenige Tage nach dem Heim-Erfolg der SGO stand uns der 38-Jährige Einkaufsleiter eines großen Baukonzerns, der unter anderem schon für den SV Wiesbaden und die Reserve von Eintracht Frankfurt gekickt hat, für ein kurzes Gespräch zur Verfügung.

Zwei Siege, ein Remis, zwei Niederlagen – wie zufrieden bist Du mit dem Saisonstart der SGO?

Dennis Leopold: Ich sehe das durchwachsen. Bei den jungen Leuten ist das so, dass wenn die ein, zwei gute Spiele machen, da schnell so eine Zufriedenheit reinkommt. Wir haben ein gute Qualität, aber die müsste mal über fünf, sechs Spiele gezeigt werden. Und das ist meiner Ansicht nach das Problem, dass nach einer guten Halbzeit oft eine Zufriedenheit reinkommt und man dann doch noch zittern muss. Da kann man eigentlich nicht zufrieden sein bei der Qualität: Sieben Punkten aus elf Spielen und elf Gegentore – das ist einfach zu viel.

Zwei Treffer hast du bislang in zwei Spielen selbst markiert. Hört sich nicht so an, als hättest Du in Oberliederbach Anlaufschwierigkeiten?

Leopold: Nein, das ist so. Ich habe ja von Anfang August an mittrainiert. Ich kenne den Bülent Öztürk schon länger und auch den Asad Ahmad. Ich kenne die Mannschaft seit circa zweieinhalb Wochen, bevor ich das erste Spiel gemacht habe. Es ist nicht so, dass ich gar keinen kannte. Es sind tolle Jungs, auch fußballerisch, daher habe ich gesagt, ich mache noch einmal Verbandsliga für ein Jahr oder auch zwei - je nachdem wie mein Körper das mitmacht. Und da gab es definitiv keine Anlaufschwierigkeiten. Die Mannschaft und das Trainerteam haben es mir aber auch einfach gemacht. Ich wurde toll aufgenommen.

Deinen Wechsel von der TSG Wörsdorf zur SG Oberliederbach begründest du vor wenigen Wochen unter anderem mit einem „sportlichen Ansporn“, der für dich vorhanden sein müsse. Welches Ziel verfolgst Du in diesem Jahr?

Leopold: Man hat immer Zwischenziel, es gibt auch ein Hauptziel. Mit der Qualität der Mannschaft lautet das Hauptziel, dass man sagt, man möchte unter die ersten Vier bis Fünf. Man hat aber auch Einzelziele, dass man etwa sagt, man möchte vielleicht sieben bis acht Tore machen. Ich bin das letzte Jahr etwas verletzungsanfällig gewesen und ich hoffe, dass ich da etwas verschont bleibe. Und dann denke ich schon, dass ich meine sieben Tore machen kann.

Mit 38 Jahren blickst Du über eine umfangreiche Fußballer-Karriere zurück. Welches Highlight fällt dir auf Anhieb ein?

Leopold: Ein Highlight waren meiner Meinung nach die Bundesligavereine beziehungsweise der Unterbau von Eintracht Frankfurt. Aber auch die Zeit mit dem SV Wiesbaden. Außerdem als ich mit meinem Bruder zusammen beim FV Bad Vilbel, in Egelsbach oder bei den Sportfreunden Bad Homburg gespielt habe - das würde ich auch als Highlight werten.

Und welcher negative Moment kommt Dir rückblickend als erstes in den Sinn?

Leopold: Die letzten Jahre ist es so gewesen, dass viele Versprechen, die im Fußball getätigt worden sind, ob beim SV Erzhausen oder bei der TSG Wörsdorf, nie eingelöst wurden. Dass man als junger Kerl oder auch später mehr oder weniger angeschwindelt wurde. Das war früher nicht so. Heute muss man aber leider alles schriftlich machen und ein Handschlag ist nichts mehr wert. Das ist traurig.

Gibt es etwas, was Du in deiner aktiven Laufbahn unbedingt noch erreichen möchtest?

Leopold: Ich bin so zufrieden, ganz ehrlich. Ich hätte ja bei RW Frankfurt noch einmal anfangen können und ein Jahr in der Hessenliga machen können. Ich konzentriere mich jetzt aber auf meine Mannschaft und den Verein, auf das Trainerteam und auf mich, damit wir so gut wie möglich die Saison abschließen. Das ist mein Hauptziel: Eine schöne Platzierung.

Könntest Du dir eigentlich vorstellen, die Fußballschuhe irgendwann einmal gegen die Trainerbank einzutauschen?

Leopold: Da bin ich ganz ehrlich: Das kann ich mir gut vorstellen. Man braucht aber einen guten Verein, der zielstrebig ist und ein gutes Konzept hat - dann kann ich mir das vorstellen. Ich würde keinen Verein nehmen, der sagt, wir wollen Neunter oder Zehnter werden. Ich will einen Verein haben, wie zum Beispiel mein Bruder. Eddersheim investiert was. Die Voraussetzungen müssen vom Verein irgendwo gegeben ein.

Wenn Du einen Tag lang von Fußball und Arbeit entspannen möchtest, wie lässt sich das am besten bewerkstelligen?

Leopold: Wenn ich entspannen möchte, dann unternehme ich gerne was mit meiner Tochter. Wir gehen ins Kino oder ins Schwimmbad oder in den Freizeitpark. Das ist für mich Entspannung, weil ich sonst relativ wenig Zeit mit meiner Tochter und meiner Frau verbringe.

Gibt es einen Lieblingsort, den Du im Rhein-Main-Gebiet hast – vielleicht einen Geheimtipp?

Leopold: Rüdesheim, das ist ein Ort, da bin ich gerne mit Frau mit Kind. Da bin ich im Jahr bestimmt 20 Mal. Da gibt es zum Beispiel eine Strecke, da wird dann ein Weinchen getrunken. So ist das mit Frau und Kind - dann wird das alles gemütlicher. (cn)