Natürlich saß Trainer Sedat Gören am Dienstagabend vor dem Fernseher, als das große Überraschungsteam der diesjährigen Pokalsaison die nächste Sensation perfekt machen wollte. Nach Siegen gegen Bundesligist Darmstadt 98 (3:0) und Zweitligist Greuther Fürth (2:1) musste Homburg nun aber im Achtelfinale die Segel streichen. 1:4 hieß es am Ende gegen den Spitzenreiter des Unterhauses, den FC St. Pauli.
Regionalliga: SG Barockstadt zu Gast beim FC Homburg
Gören war dennoch angetan vom Auftritt des Ligakonkurrenten: „Die ersten 60 Minuten waren beeindruckend, da hat Homburg fast nichts zugelassen und das Gegentor nur nach einer Standardsituation kassiert“, lobt der Trainer der SG Barockstadt den kommenden Gegner, der das Spiel bis zum 1:2 in der 64. Minute offenhalten konnte – und mit einer nicht gegebenen Roten Karte gegen einen Paulianer noch vor der Halbzeit haderte, der das Spiel in eine komplett andere Richtung hätte lenken können. Ähnlich wie zuletzt bei der SGB: Im jüngsten Heimspiel gegen Stuttgart II (0:0) wurde eine ganz frühe Notbremse eines VfB-Verteidigers nicht geahndet.
Einmal im DFB-Pokal für Furore sorgen – das ist etwas, wovon Barockstadt bislang nur träumt. Die Qualifikation ist in Hessen weitaus schwerer als in vielen anderen Landesverbänden. Bestes Beispiel ist der diesjährige Hessenpokal: Im Achtelfinale wartet Hessenliga-Topteam Bayern Alzenau , in den darauffolgenden Runden vor dem Endspiel könnten mit Titelverteidiger FSV Frankfurt sowie Kickers Offenbach weitere Hochkaräter warten. „Die andere Seite des Turnierbaums ist wesentlich einfacher. Zu so einer Pokalsaison gehört immer Glück dazu. Ich denke aber, dass wir uns einen Riesenrespekt aufgebaut haben. Es denkt niemand mehr, dass wir ein einfacher Gegner sind, der sich im Vorbeigehen schlagen lässt“, unterstreicht Gören.
FC Homburg: Freier Eintritt nach Pokal-Highlight gegen St. Pauli
Wofür es im Saisonverlauf einige Beispiele gibt. Im Hinspiel gegen damals noch taumelnde Homburger war Barockstadt nicht nur aufgrund des späten Gegentreffers zum 2:2-Endstand unzufriedener mit dem Ergebnis. „Nach ihrem schwierigen Start haben sie sich jetzt aber gefunden, das wird ein ganz anderes Spiel“, warnt Gören vor dem Gegner, der mit einem Heimsieg einen großen Schritt Richtung Wintermeisterschaft machen könnte. Dafür mobilisiert Homburg einiges: Um das Waldstadion, das gegen St. Pauli mit 12 232 Zuschauern gut besucht war, auch in der Liga vollzubekommen, erhalten alle Besucher des Stehplatzbereichs freien Eintritt. Jeder, der eine Sitzplatzkarte kauft, bekommt ein weiteres Ticket gratis dazu.
„Da werden sicherlich viele Leute kommen. Und sie sind ohnehin ziemlich heimstark. Aber wir haben nicht vergessen, dass wir dort eines unserer besten Regionalliga-Spiele gezeigt haben“, erinnert sich Barockstadts Trainer gerne an das 3:1 im September vergangenen Jahres – für Gören zählt es zu den besten fünf Spielen, die seine Truppe jemals abgeliefert hat. Kristian Gaudermann war damals wie heute dabei, der Rechtsverteidiger kehrt nach Gelbsperre zurück. Dafür fehlt Abräumer Nico Rinderknecht mit seiner fünften Gelben Karte. Einiges spricht dafür, dass Gören im Defensivbereich erneut auf Eigengewächs Milian Habermehl setzt, der gegen Stuttgart erstmals vor heimischer Kulisse in der Startelf stand. „Er hat eine Wahnsinns-Entwicklung genommen, ist unheimlich lernwillig“, lobt der Trainer seinen Schützling.