"Es ist schwierig", weiß auch Trainer Romeo Andrijasevic, der in seinem dritten Jahr bei den Turnern die erste richtige Krise bewältigen muss. Zwei Jahre ging es nur bergauf: Auf die Meisterschaft in der A-Liga Fulda-Lauterbach folgte ein starker vierter Platz als Aufsteiger in der Kreisoberliga Mitte. Doch nach jedem Hoch kommt auch ein Tief - und dort ist FT gerade angekommen: im Abstiegskampf der KOL. Denn der Plan war ein anderer: Die Mannschaft wurde im Sommer bewusst verjüngt, um mittelfristig das Ziel Gruppenliga anzugehen. Die Realität sieht hingegen anders aus. "Wir stecken im Abstiegskampf und damit haben wir vor der Saison definitiv nicht gerechnet", macht Andrijasevic klar, der auf der Suche nach der Lösung des Problems noch nicht das richtige Schlüsselloch gefunden habe. "Zum einen rufen wir nicht die Leistung ab, zu der wir eigentlich in der Lage sind. Zum anderen ist es mittlerweile auch ein Kopfproblem. Je länger dieser Negativlauf anhält, desto schwieriger wird es natürlich." Gerade in der Offensive (zehn Tore insgesamt, nur ein Treffer in den vergangenen vier Spielen) klemmt es in dieser Spielzeit. "Wir haben die nötige Qualität in unseren Reihen, sind im Angriffsspiel aber zu gehemmt und spielen zu kompliziert. Wir brauchen wieder mehr Mut in unseren Aktionen. Derzeit versteckt sich im Spiel nach vorne einer hinter dem anderen", so Andrijasevic, der auch schon das System mehrfach umgestellt hat. "Ich versuche schon seit Wochen viele Dinge im Training und tausche mich regelmäßig mit dem Vorstand aus. Wir setzen immer wieder neue Reizpunkte. Bislang hat aber noch nichts so gefruchtet, dass wir wieder erfolgreichen Fußball spielen."
"Bin keiner, der Verein und Mannschaft im Stich lässt"
Auch seine eigene Arbeit hinterfragt der 40-Jährige tagtäglich: "Das solltest du als Trainer immer machen, auch in den Phasen des Erfolges. Ich bin aber ganz sicher nicht der Typ, der sich für die Erfolge feiern lässt und bei einem Negativlauf gleich die Mannschaft und den Verein im Stich lässt", schließt Andrijasevic einen möglichen Rücktritt aus. Ausschließen kann er auch, dass die Mannschaft nicht intakt sei. "Die Jungs waren am Samstag wieder mit allen Mann auf dem Heimatfest der Mambo Kingx. Die Stimmung ist nach wie vor gut", sagt Andrijasevic, der vor allem den Abgang von Timo Lofink (seit Sommer Spielertrainer in Horas) bedauert. "Wir wussten, dass es nur sehr schwer wird, ihn zu ersetzen, haben aber nicht erwartet, dass es in diesem Ausmaße sichtbar sein wird. Fast jeder unserer Ligakonkurrenten hat einen ehemaligen Hessen- oder Verbandsligaspieler in seinen Reihen, der das Spiel kontrolliert und den Takt vorgibt. So jemand fehlt uns einfach. Da sind wir im Moment einfach noch zu grün." Immerhin kann FT seit Sonntag wieder auf Steffen Schäfer zurückgreifen. Der Angreifer, der in der vergangenen Spielzeit 15 Saisontreffer erzielte, hatte im Sommer eigentlich die Schuhe an den Nagel gehangen. "Er hilft uns in der aktuellen Situation aus. Ich glaube aber nicht, dass wir mit ihm für die restliche Saison planen können." Zumindest am Samstag (17 Uhr) bei der zweiten Mannschaft des Hünfelder SV (Heimrecht wurde getauscht) kann Andrjasevic aber auf den 36-Jährigen bauen. Dass das Verbandsliga-Team des HSV ausgerechnet an diesem Wochenende spielfrei ist und damit die Zweite wohl verstärken wird, passt zur aktuellen Situation von FT. "Wir wollen aber nicht im Vorfeld schon nach Ausreden suchen, sondern gehen optimistisch in die Begegnung. Zumindest einen Punkt wollen wir holen", so der FT-Coach.