Gollin: "Spieler müssen sich hinterfragen"

Verbandsliga: Art und Weise des 0:6 wurmt Petersbergs Coach

04.04.2017

Was hatte Rolf Gollin seine Mannschaft nach einer starken Wintervorbereitung noch gelobt: Er sehe die absolute Bereitschaft, dass seine Petersberger den Klassenerhalt in der Verbandsliga mit allen Mitteln packen wollen. Dem überraschenden 2:0-Erfolg gegen Sand zum Restrundenauftakt folgten nun allerdings fünf sieglose Spiele in Serie, die Stimmung am Waidesgrund scheint nach dem jüngsten 0:6 gegen Weidenhausen am Tiefpunkt.

Die Adler hatten das Petersberger Sportgelände am Samstagnachmittag voll im Griff: Die Gästefans hatten den Balkon des Sporthauses voll in Beschlag genommen und feierten ihre Spieler auf dem Weg in den Kabinengang. Währenddessen hatte Rolf Gollin seine Schützlinge an der Spielfeldseite Richtung Freibad zusammengetrommelt, um ihnen die Leviten zu lesen. Wütend war der 48-jährige Coach dann auch im anschließenden Gespräch mit den Pressevertretern, jeder einzelne Spieler bekam sein Fett weg: "Ob der schlecht geklärte Ball von Andreas Brzoza nach nicht mal nach einer Minute, der Gelb und die frühe Auswechslung für Marc Aschenbrücker zur Folge hatte, das schlechte Zweikampfverhalten von Alexander Kilian vor mehreren Gegentoren oder die saudumme Gelb-Rote Karte für Daniel Nüchter. Es sind viele kleine Mosaiksteinchen, mit denen wir uns selbst die Spiele sabotieren", grollte Gollin. Am meisten stieß dem Coach natürlich der indirekt ausgeführte Elfmeter von Julian Wehner und Adrian von Pazatka beim Stand von 0:1 auf. Es war mutig von Wehner, sich nach bereits drei verschossenen Strafstößen in dieser Runde wieder den Ball zu schnappen, die katastrophale Ausführung freilich war eine Aktion, die kreativer war als jede andere im Petersberger Spiel, allerdings auch die Unsicherheit innerhalb der Mannschaft offenbarte. Adrian von Pazatka nahm die Schuld für das Malheur nachher auf sich: "Das war mein Ding. Ich wollte innen in den Strafraum einlaufen, um Julians Ablage zu verwerten. Der Weidenhausener Verteidiger war aber viel gedankenschneller und hat mich außen abgelaufen", erklärte die Petersberger Nummer 10, die zuvor den Strafstoß herausgeholt hatte. Bittere Begleiterscheinung: Ein von einem Weidenhausener gedrehtes Video vom Elfmeter fand blitzschnell den Weg ins Netz, die teilweise überzogene Häme war dem RSV-Duo sicher.

"Wir scheinen sehr labil zu sein"

Gollin, der nichts von der Idee des indirekten Strafstoßes gewusst hatte und lieber Boris Aschenbrücker am Elfmeterpunkt gesehen hätte, fragte sich nicht nur deshalb, "ob alle wirklich verstanden haben, auf was es im Abstiegskampf ankommt." An junge Kerle wir Mark Lindiger, Marcel Zehner oder Adrian Bleuel sei der Vorwurf indes nicht so scharf gerichtet wie an die Routiniers: "Gerade die erfahrenen Spieler tauchen mir zu sehr ab. Wir scheinen sehr labil zu sein, das zeigt zumindest der Umgang mit Rückschlägen." Kein Wunder, setzte es doch nicht das erste Mal eine heftige Klatsche in dieser Saison. Das Schlimme am Weidenhausen-Spiel: Eine Niederlage gegen die Adler wäre kein Beinbruch gewesen, die Art und Weise schockte jedoch viele einheimische Anhänger, die nachher einen Absteiger in Grün-Weiß gesehen haben wollten. Doch selbst wenn nun eine der schwersten Wochen in der dritten Amtszeit von Rolf Gollin am Waidesgrund, insbesondere in Sachen Mentalcoaching wartet: Der Klassenerhalt ist für den RSV rechnerisch weiterhin drin. Bei Eintracht Baunatal wartet am kommenden Wochenende ein kleines Finale um den Klassenerhalt, in dem eine Reaktion der Mannschaft überfällig ist. Bitter: Gollin ist dann auf der Sechs wieder zum Umbauen gezwungen, schließlich fehlt Daniel Nüchter mit Gelb-Rot, nachdem er sich mit dem Schiedsrichter angelegt hatte. Eine Situation, die Gollin richtig wurmte: "Wir setzen alle Hebel in Bewegung und lassen für Daniel eine teure Maske wegen seines Nasenbeinbruchs anfertigen, damit er spielen kann. Und dann sowas." Nicht viel weniger verärgert war Gollin ob der Tatsache, dass sich Patrick Wingenfeld erst einmal in den Urlaub verabschiedet hat.