Güven: "Original türkisches Derby"

Verbandsliga Süd: Gelingt SC 1960 Hanau der erste Heimsieg?

08.09.2017

Auch der siebte Spieltag in der Verbandsliga Süd verspricht ordentlich Brisanz. Im Focus wird das Spitzenspiel zwischen Türk Gücü Friedberg und TSV Vatanspor Bad Homburg stehen. Nach 27 Jahren kommt es zum ersten Hanauer Kreisderby in einem Punktspiel zwischen der SG Bruchköbel und dem 1. Hanauer FC.

SG Rot-Weiss Frankfurt II - Eintracht Wald-Michelbach (Sonntag, 15 Uhr)

Die Reserve des Hessenligisten konnte sich in den letzten zehn Tagen intensiv auf das kommende Heimspiel gegen die Gäste aus dem südlichsten Zipfel des Bundeslandes vorbereiten. Die Mannschaft aus dem Odenwald, ganz in der Nähe zur badischen Grenze gelegen, ist für Rot-Weiss-Trainer Hicham Tahrioui ein relativ unbeschriebenes Blatt: "Ich habe mir über einige Kanäle Infos eingeholt. Es spiegelt sich in der Liga das wider, was wir fast jede Woche beobachten können. Es geht knapp und ausgeglichen zu", merkt der U23-Coach vor dem Duell mit den Odenwäldern an. Das 2:1 gegen Hessenliga-Absteiger Viktoria Urberach hat der blutjungen Truppe Selbstvertrauen gegeben. Die mit dem Begriff "Schülermannschaft" versehene Formation will diesen Rückenwind auch gegen die etablierte Verbandsliga-Truppe aus Südhessen konservieren. "Wir müssen sehen, dass wir eventuell die Leistung aus dem Urberach-Spiel bestätigen können. Jedes Spiel ist für uns eine neue Aufgabe und wir achten dabei nicht so sehr auf den Gegner oder dessen Tabellenstand", beschäftigt sich Tahrioui nur mit seinem eigenen Team. Mit einem Altersdurchschnitt von 18,9 Jahren könne seine Mannschaft den Begriff "Schülermannschaft" durchaus leben, viele der Spieler drücken tatsächlich noch die Schulbank. "Wir mussten aus der Not eine Tugend machen und setzen auf die eigenen Jugendspieler. Ich hole mir auch für Sonntag einige Jungs aus der Hessenliga-U19 dazu", berichtet Tahrioui. Geführt wird die "Rasselbande" vom 26-jährigen Kapitän Patrick Gürser, der treuen Vereinsseele, dessen Vater Mithat im Verwaltungsrat des Klubs sitzt. "Patrick ist als Kapitän sehr gefragt. Er hat einen reinen Charakter und stellt sich nicht auf eine andere Stufe. Die Jungs nehmen seine Ratschläge an", urteilt der Coach über die Führungsrolle des Hessenliga-erfahrenen Spielführers. Wald-Michelbach kommt mit der Empfehlung des 2:1-Heimsieges über Hessenliga-Absteiger SKV Rot-Weiß Darmstadt in die Mainmetropole. Die Reise treten die Odenwälder mit dem Mannschaftsbus an, was bei solchen Entfernungen normal ist. "Bis Darmstadt reisen wir mit Kleinbussen an, alles was nördlicher liegt wird mit großem Bus angefahren", erläutert Josef D´Apuzzo, der Teammanager der Eintracht. Im Nachholspiel gegen die Heimstättensiedler bestachen die Ripperger-Schützlinge durch ein schnelles Umschaltspiel, welches der ETW zwei schnelle Tore einbrachte. Somit konnten die Platzherren die Grundlage für den am Ende knappen 2:1-Heimerfolg legen, der bis in die Nachspielzeit gefährdet war. Wald-Michelbach rangiert derzeit auf Rang elf, nur einen Punkt und einen Platz vor den "jungen Roten".

Germania Ober-Roden - SV FC Sandzak (Sonntag, 15 Uhr)

Mit unterschiedlichen Vorzeichen, aber dem gleichen Ziel, treten Germania Ober-Roden und der SV FC Sandzak am Sonntag an der Frankfurter Straße gegeneinander an. Beide Aufsteiger sind sich in der Geschichte noch nie begegnet, was auch nicht weiter verwunderlich erscheint angesichts der Tatsache, dass die Klubs aus unterschiedlichen Gruppenligen kommen und die Gäste aus Frankfurt noch keine zehnjährige Vereinschronik herausbringen konnten. Die Germania bemüht sich im Heimspiel gegen die Frankfurter Balkan-Formation um den ersten Heimsieg, der SV FC Sandzak peilt den zweiten Auswärtssieg an. Verzichten muss Germania Ober-Roden auf Torjäger Marco Christophori-Como, der nach seiner Galavorstellung beim 5:2-Sieg bei Viktoria Nidda, als der Goalgetter alle fünf Treffer markierte, sich dem Werbemotto "Ab in den Urlaub" angeschlossen hat. Angesichts der alleinigen Führung des Mannschaftskapitäns der Germanen in der Torschützenliste mit zehn Toren ein herber Verlust für die Rödermarker. Mit zwei Siegen, zwei Remis und zwei Niederlagen ist die Bilanz für die Germania bislang ausgeglichen, weshalb derzeit ein guter sechster Rang für den ehemaligen Hessenligisten zu Buche steht. Sandzak war zuletzt spielfrei, zuvor konnte das Team des neuen Trainers Aleksandar Pajic mit sieben Punkten aus drei Spielen einen hervorragenden Start erzielen, wurde aber durch die 1:3-Niederlage bei der hochgehandelten Truppe von Türk Gücü Friedberg wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Einen Rückschlag gab es im Laufe der Woche auch am grünen Tisch. Die am ersten Spieltag ausgefallene Begegnung gegen den FC Bensheim wurde mit 3:0 für die Südhessen gewertet, weil die Sportanlage in Bonames nicht zur Verfügung stand. Das wollen die Serben aber nicht einfach so hinnehmen und haben gegen die Entscheidung erneut Berufung eingelegt, weswegen das Urteil nicht rechtskräftig ist. "Wir sind für diese Situation nicht verantwortlich und hatten uns schon um einen Ausweichplatz in Maintal-Bischofsheim bemüht. Das wurde vom Klassenleiter einfach abgelehnt, der die Partie einfach absetzte", äußert sich Sandzaks Funktionär Enis Bogucanin zum Sachverhalt. Beide Teams waren unter der Woche im Kreispokal gefordert. Während sich die Germania beim Gruppenligisten SV Münster mit 3:1 durchsetzte, musste Sandzak im Balkan-Duell gegen die Landsleute vom FC Tempo aus der Kreisoberliga in die Verlängerung, wo nach 120 Minuten ein 4:2-Sieg zu Buche stand. "Spiele unter der Woche mag keiner und dann musst Du auch noch länger als geplant bleiben. Das hat viel Kraft gekostet", rekapitulierte Sandzaks Trainer Aleksandar Pajic das Pokalspiel. "Wir haben den Spielern zwei Tage frei gegeben und trainieren heute", ergänzte der erfahrene Coach, der am Saisonziel Klassenerhalt festhält: "Durch extrasportliche Geschichten kommt es zu Punkteeinbußen. Von daher ist jeder Punkt, den wir auf dem Platz sammeln Gold wert, um den Abstieg zu vermeiden. Gleichzeitig arbeiten wir im Umfeld an den Strukturen, um es nächstes Jahr leichter zu haben", beschreibt Pajic die Lage beim Balkan-Klub und betont: "Ich fühle mich bei Sandzak wohl und ich denke, dass die Voraussetzungen da sind, um längerfristig zusammen zu arbeiten. "Wir müssen unsere Defizite ausgleichen und daran arbeiten wir gerade", ist Pajic vor dem Gastspiel in Ober-Roden "bei einem etablierten Verein mit Hessenliga-Vergangenheit" zuversichtlich.

Türk Gücü Friedberg - TSV Vatanspor Bad Homburg (Sonntag, 15 Uhr)

Im Spitzenspiel gastiert der Tabellenführer Vatanspor Bad Homburg beim Tabellenvierten Türk Gücü Friedberg. Am vergangenen Sonntag ließ die Fil-Elf bei der Usinger TSG Punkte liegen, was Friedbergs Trainer Mustafa Fil auf die fehlende Mentalität zurückführte: "Am Sonntag ist es wieder mal ein richtungweisendes Spiel. Wir wissen, dass der Gegner über seine mannschaftliche Geschlossenheit kommen wird, aber wir sind vorbereitet“, so Fil. Kevin Effiong (Knorpelschaden im Knie) fehlt den Burgstädtern weiterhin so wie wahrscheinlich auch Fnan Tewelde (Muskelfaseriss) und Masse Bell Bell (krank). Bad Homburgs Sportmanager Hüseyin Güven würde einen Punktgewinn jetzt schon unterschreiben: "Friedberg ist der absolute Top-Favorit. Ich erwarte einen heißen Tanz im original türkischen Derby. Wir vertrauen auf unsere Mannschaft, die letzte Woche nach 18:3 Ecken gegen Alsbach unnötig verloren hat. Einen Vorwurf können wir ihr auf keinen Fall machen. In Friedberg werden wir wieder kämpfen und Leidenschaft zeigen", so Güven. Beim Tabellenführer ist Kai Klug auf einem Kurztrip nach Barcelona, Baris Odabas ist vielleicht noch in der Türkei, Alexander Kociolek ist wohl beruflich verhindert und bei Moritz Kulick hat sich ein Bruch am Fuß wieder geöffnet.

FC Alsbach - FC Bensheim (Sonntag, 15 Uhr)

Im Bergstraßen-Derby will der FCA an die gute Leistung beim Tabellenführer Vatanspor Bad Homburg anknüpfen, der den Schützlingen von Trainer Sascha Huy einen überraschenden 2:1-Sieg in der Kurstadt einbrachte. "Der Sieg hat uns viel Selbstvertrauen gegeben, weil wir dort eine gute Defensivarbeit verrichtet haben", erläutert Alsbachs Pressesprecher Andreas Rothermel vor dem Dauerbrenner gegen den nur acht Kilometer Luftlinie entfernten Rivalen. "Mit Bensheim verbindet uns eine gesunde Rivalität, weswegen wir auch am Sonntag auf eine stattliche Zuschauerzahl hoffen", sagt Rothermel, der über die Statistik der beiden Teams genau Buch führt: "Seit dem Jahr 2000 gab es 24 Spiele mit zehn Siegen, vier Remis und zehn Niederlagen". Auch die aktuelle Bilanz der Alsbacher ist mit zwei Siegen, zwei Remis und zwei Niederlagen ausgeglichen, während Bensheim ohne die am grünen Tisch zugeteilten Punkte aus dem Sandzak-Spiel - das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - in der Abstiegszone platziert ist. Mit einem Torverhältnis von 10:13 waren die meisten Spiele bislang aber recht torreich, wie zuletzt das 3:3 gegen den SC 1960 Hanau. Mit Zocco und Bohn treffen die Alsbacher auf zwei Ex-FCA-Spieler. Vor allem vor den Standardkünsten Bohns sollten die Platzherren gewarnt sein. Der einzige Dreier gelang den Bensheimern beim 3:2-Sieg gegen Hessenliga-Absteiger Viktoria Urberach. Für große Erleichterung hätte auch der durchaus mögliche Heimsieg gegen die "Sechziger" aus Hanau sorgen können, doch eine zweimalige Führung konnte der FCB nicht über die Zeit retten. Fehlen wird den Bensheimern Stürmer Benedikt Saltzer, der sich gegen Hanau 60 mit zwei Toren treffsicher zeigte. Der Fußballer ist nebenbei professioneller "FIFA-Spieler" in der virtuellen Welt und nimmt am Sonntag an einem Fußball-Simulations-Wettbewerb teil.

SC 1960 Hanau - TS Ober-Roden (Sonntag, 15 Uhr)

Von einem Heimspiel-Fluch will der SC 1960 Hanau noch nichts wissen, aber nach drei Spielen als Gastgeber konnte die Zangir-Elf noch keinen einzigen Punkt verbuchen. Das soll sich am Sonntag endlich ändern, wenn die TS Ober-Roden ihre Visitenkarte im Herbert-Dröse-Stadion abgibt: „Wir lassen die Köpfe nicht hängen. Der Knoten muss jetzt aber endlich einmal platzen. In den letzten Wochen haben wir unnötig Punkte liegen lassen, obwohl wir sehr gute Spiele gemacht haben“, konstatiert Hanaus Pressesprecher Okan Sari, und weiter: "An den Standardsituationen gegen uns müssen wir arbeiten. Letzte Saison sind wir eine der Top-Teams in der Defensive gewesen. Das ist momentan nicht der Fall. Tore schießen können wir wenigstens weiterhin.“ Die Gäste fahren seit Saisonbeginn bis jetzt einen wahren Zickzack-Kurs, haben aber immerhin schon acht Punkte auf der Habenseite: "Im letzten Jahr schon haben wir gute Erfahrungen in Hanau gemacht. Wenn wir als Einheit auftreten, dann sehe ich auch dieses Mal gute Chancen. Hanau hat gute Einzelspieler und ich erwarte ein interessantes Spiel“, freut sich TS Ober-Rodens Trainer Daniel Nister, der wenig Wert auf die schlechte Heimbilanz des Gegners legt.

SG Bruchköbel - 1. Hanauer FC (Sonntag, 15 Uhr)

Erstmals seit 27 Jahren kommt es in der Meisterschaft zum Hanauer Kreis-Derby zwischen der SG Bruchköbel und dem 1. Hanauer FC 1893. "Das letzte Aufeinandertreffen datiert aus der Saison 1989/90 in der damaligen Bezirksoberliga Ost. Danach sind wir in die Landesliga Süd aufgestiegen und der HFC ist bis in noch tiefere Klassen durchgereicht worden. Somit haben sich die Wege der beiden Vereine für diesen langen Zeitraum getrennt", erzählt Michael Kwasniok, der Pressesprecher Bruchköbels aus der Fußball-Historie. Aktuell steckt Bruchköbel als Tabellenletzter in einer schwierigen Situation und hat erst einen Punkt ergattern können, sich aber in den letzten Spielen unter dem neuen Trainer Carsten Keller stabilisiert. Gegen die mit Ervin Skela, Michael Fink und Daniyel Cimen mit bundesliga-erfahrenen Akteuren gespickte Elf der 93er erwartet Kwasniok "eine harte Nuss gegen eine eingespielte Elf" und kann sich an einen schlechteren Saisonstart seiner Bruchköbeler kaum erinnern: "In dem Ausmaß habe ich das noch nicht erlebt. Wir müssen jetzt dringend die Kurve kriegen. Wir wollen Hanau 93 das Leben schwer machen und nehmen einen schmutzigen Sieg oder Punkt mit. Alles was sich anbietet, nehmen wir gerne auf", so der Medienbeauftragte des Tabellenletzten. Aufgrund der besonderen Rivalität und der räumlichen Nähe (6,6 Kilometer Entfernung) wird mit einer stattlichen Kulisse gerechnet. "Gegen einen direkten Nachbarn zu spielen ist natürlich auch für uns etwas Besonderes, auch weil viele Ex-Spieler auf beiden Seiten stehen", verdeutlicht Christoph Prümm, der Spielertrainer der Hanauer. Dem spielenden Coach ist nicht entgangen, dass sich das Schlusslicht zuletzt verbessert zeigte: "Bruchköbel hat sich gefangen und stabilisiert. Das haben auch zuletzt die knappen Ergebnisse gezeigt. Das ist gefährlich und das sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen", warnt Prümm. Ervin Skela steht erstmals in dieser Saison im Kader, wird aber zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen. "Wenn er schon mal dabei ist, werden wir ihm auch Einsatzminuten geben", kündigt Prümm das Comeback des Ex-Nationalspielers aus Albanien an.

Rot-Weiß Darmstadt - Viktoria Nidda (Sonntag, 15 Uhr)

Unter der Woche hatte Rot-Weiß Darmstadt die Chance, beim Nachholspiel in Wald-Michelbach die Tabellenspitze zu erklimmen. Das klappte aber nicht, weil die Lohrer-Elf nach fünf Siegen in Folge eine bittere 1:2-Niederlage einstecken musste. Jetzt will der Hessenliga-Absteiger gegen den Aufsteiger Viktoria Nidda wieder Gas geben: "In Wald-Michelbach haben wir insgesamt kein schlechtes Spiel gemacht. Den guten Lauf, den wir davor hatten, wollen wir uns zurückerkämpfen. Wir wissen auch, dass Nidda punkten muss, um nicht weiter abzurutschen. Aber wir spielen zu Hause, wo wir bis jetzt zweimal gewonnen haben", ist Rot-Weiß Darmstadts Trainer Dominik Lohrer optimistisch. In den letzten beiden Punktspielen gab es bei Nidda jeweils sieben Tore zu sehen, am Ende stand die Weber-Elf aber jeweils mit leeren Händen da. Gerade jetzt bei Rot-Weiß Darmstadt zu punkten, dürfte ein schwieriges Unterfangen werden. Zu unterschätzen ist die Viktoria aber keinesfalls, und wenn sie gut steht und das Umschaltspiel so wie schon des öfteren gesehen funktioniert, dann könnte vielleicht sogar endlich auch einmal auf fremden Rasen gepunktet werden.