„Ich weiß nicht, was ihr mir anbieten wollt, damit ich schwach werde“

16.12.2023

Acht Spieler haben die SG Barockstadt in Richtung anderer Vereine verlassen – und einer hat seine Karriere beendet. Der langjährige Torhüter Tobias Wolf (35) spricht im Interview über seine neue freie Zeit, Anfragen und Wege, ihn zurück auf den Fußballplatz zu bekommen.

Wie sehen Ihre Wochenenden seit Ihrem Karriereende im Sommer aus?

Die freie Zeit verlagert sich auf die Familie und Freunde. Man kann auf Geburtstage gehen, was sonst oft nicht ging, kann Termine annehmen und ausmachen. Und es ist schön, sich einfach mal irgendwelche Fußballspiele anzusehen. Ich schaue mir lieber Amateurspiele an als Partien der Bundesliga. Ich war in dieser Saison schon bei Spielen von Hünfeld, Welkers, Eichenzell oder sogar Volkers und habe meinem Neffen, der in der B-Jugend spielt, zugeschaut.

Wie verfolgen Sie die alten Kollegen der Barockstadt?

Ich war schon bei fünf Barockstadt -Spielen im Stadion und auch auswärts bei der Partie in Offenbach mit dabei. Ich verfolge das schon noch sehr intensiv, habe mir viele Spiele im Livestream angeschaut. Die Wege sind sehr kurz, ich kenne noch viele Spieler. Und als Jannik Horz verletzt war , habe ich immer mal mittrainiert.  

Gab es diesen einen Moment, in dem Sie gerne zwischen den Pfosten gestanden hätten?

Das Spiel bei meinem Ex-Verein Offenbach war ganz schlimm für mich. Da war ich nervöser, als wenn ich selbst auf dem Platz gestanden hätte. Man kann schon sagen, dass ich Fan geworden bin. 

Hätten Sie der Mannschaft eine so starke erste Halbserie zugetraut?

Ich konnte mir vorstellen, dass die Liga wieder gehalten wird – auch wenn die Aufstiegseuphorie aus der Vorsaison nicht mehr so da war. Man muss dem Trainer und den Verantwortlichen ein Kompliment machen, sie haben an den richtigen Schrauben gedreht. Offensiv hat die Mannschaft zugelegt und viel Qualität dazubekommen. Das war im Vorjahr das Manko.

Wie viele Anfragen haben Sie seit Sommer erhalten?

Einige. Der Job des Torhüters müsste eigentlich der bestbezahlte in einer Mannschaft sein, weil es oft an ihnen fehlt. Wenn es nicht irgendwelche Facebook-Anfragen waren, habe ich mir alles angehört, weil ich alles andere respektlos finde. Ich habe aber immer schnell gesagt: ‚Ich weiß nicht, was ihr mir anbieten wollt, damit ich schwach werde und auf den Sportplatz zurückkehre‘. Bisher hatte ich einfach keine Lust.

Was müsste denn passieren, damit es wieder in den Füßen und Fingern juckt?

Nervös werde ich wahrscheinlich erst, wenn alte Weggefährten wie Patrick Schaaf als Spielertrainer anfangen. Dann würde ich mir Gedanken machen. Vielleicht sieht es mit der Motivation im März schon wieder ganz anders aus, wobei ich mich eher in einer Rolle im Feld sehe. Zum Beispiel bei Concordia Welkers, wo ich hinlaufen, nachher ein Bier trinken und dann wieder heimlaufen könnte. Ich könnte mir aber auch vorstellen, irgendwann mal als Torwarttrainer einzusteigen.