Leis & Co. trotzen widrigen Bedingungen in Geinsheim

Hessenpokal: Seligenstadts Traum vom DFB-Pokal lebt weiter

23.11.2016

Im Viertelfinale des Hessenpokals hat Hessenligist Sportfreunde Seligenstadt den Verbandsligisten SV 07 Geinsheim mit 3:1 besiegt. Da der Außenseiter früh in Führung gegangen war, war es jedoch ein hartes Stück Arbeit für die Sportfreunde, den Einzug in die Runde der top vier klarzumachen. Die "Roten" stehen damit im Halbfinale und treffen auf den Ligakonkurrenten SV Rot-Weiß Hadamar.

SV 07 Geinsheim - Sportfreunde Seligenstadt 1:3 (1:0)

Der Traum von der erstmaligen Teilnahme am DFB-Pokal lebt bei den Sportfreunden Seligenstadt. Beim Einzug in das Halbfinale am Mittwochabend im Ortsteil der Gemeinde Trebur im südhessischen Ried wurde der Hessenligist jedoch von widrigen Umständen begleitet. Da der Hauptplatz des Süd-Verbandsligisten über keine Flutlichtanlage verfügt, wichen die Hausherren auf den benachbarten "Kiebert-Sportplatz" aus, einen besseren Trainingsplatz. Dieser befand sich etwas entfernt vom Funktionsgebäude und der Weg dorthin führte an einem Bach entlang über dunkle und unbeleuchtete Wege. Die Rasenfläche war in einem katastrophalen Zustand, die Lichtverhältnisse diffus. "Das wichtige ist, dass wir hier weitergekommen sind, alles andere ist erstmal zweitrangig. Auf diesem holprigen Platz hier mit diesem diffusen Licht, konnte man kein Fußball spielen. Es ging nur um lange Bälle und die zweiten Bälle zu holen. Kampfbereitschaft und Mentalität zeigen war hier angesagt. Die erste Halbzeit haben wir das etwas vermissen lassen und Geinsheim ist mit einer Chance in Führung gegangen. Dann kann das hier durchaus auch anders ausgehen. Viktor Krist hat seinen Kopf hingehalten, wo andere gar nicht mit dem Fuß hingehen und nach dem 1:1 hat man gemerkt, dass die Kräfte etwas nachgelassen haben bei Geinsheim", resümierte Seligenstadts Trainer Lars Schmidt den Halbfinal-Einzug und die besonderen Begebenheiten in Geinsheim.

Hauf bringt Geinsheim in Führung

Die Hausherren legten vor 315 Zuschauern gut los und der Hessenligist aus Seligenstadt musste bereits nach sieben Minuten den ersten Rückschlag hinnehmen. Eine Flanke von der linken Seite nahm Geinsheims Sebastian Hauf volley und netzte eiskalt zum 1:0 für den Verbandsligisten ein (7.). Doch die Einhardstädter steckten nicht auf. Stattdessen versuchten sie ihr Glück in der Offensive. Doch das wurde zunächst nicht belohnt. Mit zunehmender Spieldauer übernahmen die Gäste die Kontrolle über diese Partie, hatten mehr Ballbesitz, die bessere Zweikampfquote und - immer wenn es schnell ging - gute Torchancen. Carlos McCrarys Kopfball ging über das Tor, Michele Piarullis Distanzschuss am Tor vorbei und McCrarys Schuss rettete Geinsheims Marcel Hamann auf der Linie. Später strich noch ein Weitschuss von Evanggelos Bellos knapp am Kasten vorbei und beim Freistoß von Tobias Leis war SVG-Torhüter Tim Kistner auf dem Posten. Oft wurde der Ball hoch und weit gespielt, was anderes blieb dem Favoriten aus der Hessenliga auf diesem tiefen Geläuf auch nicht übrig. "Wir wussten, dass das ein Vorteil für Geinsheim ist. Deswegen sind sie gegen Watzenborn weiter gekommen und deswegen haben sie Urberach zu Hause geschlagen. Weil das hier Widrigkeiten sind, die Du erstmal verkraften musst und mit ihnen umgehen lernen musst. Das haben wir dann über 90 Minuten immer besser gemacht und dementsprechend haben wir gewonnen", fasste der Seligenstädter Übungsleiter zusammen.

Leis´ Freistoß sitzt

Nach dem Seitenwechsel machten die "Roten" dort weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten. McCrary und Dalmeida wirbelten durch die Geinsheimer Spielfeldhälfte. In der 54. Minute parierte Torhüter Kistner gegen den starken Kopfball des US-Amerikaners McCrary. Seligenstadt zog nun ein Powerplay auf, brauchte aber den berühmten Dosenöffner. Dieser kam dann nach einer Freistoß-Flanke von Tobias Leis aus dem Halbfeld, denn der mit vorgeeilte Innenverteidiger Viktor Krist hielt den Kopf hin und glich zum wichtigen 1:1 aus (59.). Auf der anderen Seite wurden die Geinsheimer mutiger und kamen im Gegenzug zu einer Chance durch Maximilian Losert, der knapp über das Tor von Daniel Duschner schoss. Dann gab es Freistoß für die Gäste. Tobias Leis nahm sich der Sache an und zirkelte den Ball aus 25 Metern zum 2:1 für Seligenstadt in den Winkel (63.). Geinsheim kämpfte um den Ausgleich, machte immer mehr auf. Das wusste Seligenstadt zu nutzen. Geinsheims Maximilian Maier unterlief nach einer Flanke von Dalmeida ein Handspiel. Es gab Elfmeter für die Gäste, den Leis nicht verwandeln konnte. Kistner parierte, aber den Nachschuss brachte Jan Hertrich zum 3:1-Endstand im Tor unter (75.). Das war dann die Entscheidung. "Ich habe der Mannschaft vor dem Spiel gesagt, dass es darum geht, diesen Traum, der in unserem kleinen Verein lebt, aufrechtzuerhalten. Heute mussten wir hier weiterkommen, was dann passiert, werden wir sehen. Damit die Leute ein bisschen träumen können. Steinbach hat 5:0 gegen den FSV Frankfurt gewonnen und eine sehr gute Mannschaft. Die haben die Favoritenrolle inne. Wir müssen gegen Hadamar unser Spiel bestreiten und dann sehen wir weiter. Aber wir sind erstmal im Halbfinale", ist sich der Ex-Profi bewusst, dass Seligenstadt nur noch zwei Siege vom DFB-Pokal entfernt ist.

Stenogramm:

SV 07 Geinsheim: Kistner; Maier, Hammann, Ginkel, Bender, Wolf (87. Heider), Schmidt, Melchior, Hauf, Auer, Losert (65. Raths) - Trainer: Tim Schicker. Sportfreunde Seligenstadt: Duschner; Krist, Bellos, Leis, McCrary (87. Böttler), Hertrich, Dalmeida (83. Hilser), Hofmann (89. Salii), Piarulli, Mladenovic, Hillmann - Trainer: Lars Schmidt. Schiedsrichter: Nicklas Rau (Nidderau). Zuschauer: 315. Tore: 1:0 Sebastian Hauf (7.), 1:1 Viktor Krist (59.), 1:2 Tobias Leis (63.), 1:3 Jan Hertrich (75.). Besonderes Vorkommnis: Geinsheims Torhüter Tim Kistner hält Foulelfmeter von Seligenstadts Tobias Leis (75.).