Neue Chance für Adem Brajanac

Kreisoberliga Frankfurt: Speuzer engagieren lange gesperrten Bosnier

20.12.2016

Kreisoberliga-Spitzenreiter FFV Sportfreunde 04 hat sich im Kampf um den Gruppenliga-Aufstieg mit einem weiteren Spieler verstärkt. Vom benachbarten Gruppenligisten SV BKC Bosnien kommt Mittelfeldspieler Adem Brajanac an den nur wenige hundert Meter entfernten Kunstrasenplatz an die Mainzer Landstraße. Für den Spieler ist es nach einer langen Sperre die Chance auf einen Neubeginn.

Der Spieler schaffte mit den Bosniern im Sommer den Aufstieg als Vizemeister der Kreisoberliga Frankfurt in die Gruppenliga Frankfurt West. Unter dem neuen Trainer Senad Mujakic kam Brajanac an der Ackermannwiese aber nicht zum Einsatz, da der Spieler aufgrund der Vorfälle im Kreisoberligaspiel der letzten Saison bei TuS Makkabi für 20 Spiele aus dem Verkehr gezogen wurde. Der Akteur hatte in jenem Gastspiel an der Bertramswiese, welches im Frühjahr dieses Jahres fast vor dem Abbruch stand, die Rote Karte gesehen. Groß war der Bahnhof hinterher, es fanden mehrere Sportgerichtsverhandlungen an verschiedenen Orten statt, denen der Spieler demonstrativ fern blieb. Die Sportfreunde hatten schon im Sommer Interesse an der Verpflichtung des bosnischen Spielers bekundet. "Wir waren uns im Sommer schon einig,aber der Transfer ist durch die Sperre geplatzt", erinnert sich FFV-Trainer Mehmet Tunay Somun. Doch was sagt der Spieler zu der langen Sperre? "Für mich war die Länge der Sperre nicht nachvollziehbar. Es war eine Rote Karte und ich gebe zu, dass mir die Sicherungen etwas durchgebrannt sind bei meiner Tätlichkeit. Jedoch wurde ich von meinem Gegenspieler vorher mit einer üblen Beleidigung provoziert", schildert Brajanac den Vorfall, der beinahe weitreichende Konsequenzen für seine Karriere gehabt hätte: "Das Urteil war für mich ein Schock. Ich konnte mich für das Training nicht mehr motivieren. Ich wollte den Fußball schon an den Nagel hängen", verrät Brajanac, der seinen damaligen Fehler eingesehen hat, aber trotzdem die Strafe als zu hart ansieht.

Somun schenkte dem Spieler das Vertrauen

Viel schlimmer war, dass Brajanac nach dem Aufstieg, an dem er mit Torjäger Almir Derdemez wesentlich beteiligt war, die Früchte seiner Arbeit nicht ernten konnte. "Ich hatte die Saison meines Lebens gespielt. Nach dem Urteil ist bei mir erstmal eine Welt zusammengebrochen. Wir hatten mit dem Aufstieg eine Sensation geschafft und ich möchte dem alten Trainerteam Amir Kusumovic und Emir Bajraktarevic danken. Wir waren eine tapfere Truppe mit Spielwitz, wie eine Familie". Die Verantwortlichen der Speuzer verurteilten den Spieler nicht, sondern förderten Maßnahmen für seine Reintegration auf dem Sportplatz. "Adem hat mir damals sein Wort gegeben und hat sich daran gehalten. Er wird unsere Qualität erhöhen und bringt auch eine gute Mentalität mit. Das hat er beim Aufstieg der Bosnier auch unter Beweis gestellt", erklärt FFV-Trainer Mehmet Tunay Somun, der die Verpflichtung des Spielers im Einklang mit dem Sportlichen Leiter Udo Felder unbedingt durchziehen wollte: "Wir haben lange mit Adem gesprochen und nicht den Eindruck, dass er ein Assi ist". "Mein neuer Trainer hat mir in dieser schweren Zeit geholfen. Er hat mich vor dem Hinschmeißen bewahrt. Ich möchte ihm mit einer überragenden Rückrunde danken und dieses Vertrauen zurückzahlen", lobt Brajanac seinen Coach Mehmet Tunay Somun. Tatsächlich ist der Spieler an der Mainzer Landstraße kein Unbekannter, kickte er doch schon in der Jugend fünf Jahre bei den Speuzern. Das Wort Aufstieg nimmt der Spieler schon in den Mund - logisch, denn mit den Bosniern hat er diesen Coup im Vorjahr schon vollbracht, wenn auch "nur" als Vizemeister über die Aufstiegsrunde. "Wir haben eine qualitativ starke Mannschaft und schauen nur nach vorne. Wenn jeder am Ruder zieht, ist die Meisterschaft und der Aufstieg drin", erläutert Brajanac, der seine Sperre mittlerweile komplett abgegolten hat und ab dem 1. Januar spielberechtigt ist. Und ab dem 25. Februar soll auch seine Leidenszeit nach den 20 Spielen Sperre der Vergangenheit angehören.