Quo vadis, JFV Hünfelder Land?

Der Jugendförderverein hinkt Erwartungen meilenweit hinterher

20.10.2015

Mit dem Ziel, den Juniorenfußball in Hünfeld am Leben zu erhalten, wurde 2014 der Jugendförderverein (JFV) Hünfelder Land gegründet. Auf die neugegründete Verbandsliga wolle man schielen, hieß es damals. Diesen Ansprüchen hinkt der JFV jedoch meilenweit hinter: In selbiger Verbandsliga spielt nämlich keines der Juniorenteams, die A- und B-Jugend kämpfen sogar um den Klassenerhalt in der Gruppenliga.

"Wir selbst sind gerade am allerwenigsten zufrieden", betont der JFV-Vorstandsvorsitzende Uwe Schaake. Der ehemalige Jugendleiter des Hünfelder SV war einer der Initiatoren zur Gründung des Jugendfördervereins, dem von Beginn an der Hünfelder SV, der SV Michelsrombach, die SG Rudolphshan, der SV Rückers und der SV Sargenzell angehörten. In diesem Sommer kamen mit dem SV Kirchhasel, dem SV Roßbach und dem SV Großenbach drei weitere Stammvereine hinzu. Der Erfolg blieb aber noch weitestgehend aus. Zwar spielen die A-, B- und C-Junioren in der Gruppenliga, wirklich zufriedenstellend ist aber nur die Entwicklung der C-Jugend, die aktuell immerhin den vierten Rang belegt. Die A-Junioren sind dagegen in der unteren Tabellenhälfte anzutreffen, während die B-Jugend erst einen einzigen Zähler eingesammelt hat (4:4 nach 4:1-Führung bei Schlusslicht Ulfetal-Weiterode). "Wir hatten uns das für die A- und B-Junioren nicht so schwer vorgestellt", muss auch Schaake zugeben. "Bei der A-Jugend haben wir aber auch sechs langzeitverletzte Spieler, während wir in der B-Jugend nur drei Spieler aus dem älteren Jahrgang haben. Man erkennt aber schon Fortschritte, wenn wir uns weiter entwickeln, ist mir nicht bange, dass wir die Klasse halten können." Die D-Junioren haben die Gruppenliga-Qualifikation dagegen ganz verpasst. Noch düsterer sah es aber bei der A-2 aus - diese wurde mittlerweile zurückgezogen. "Wir dachten, wir schaffen es, noch eine zweite Mannschaft bei den A-Junioren zu stellen. Durch die vielen Verletzten wollten wir einige Leute aus der B-2 dort spielen lassen, da die B-1 aktuell selbst auf ihr volles Personal angewiesen ist. Wir haben aber nicht damit gerechnet, dass die Eltern so ein Problem mit dieser Belastung haben. Sie waren nicht bereit, die Kinder abzugeben." Der sportliche Misserfolg ist die eine Seite - die Anspannung im Umfeld eine ganz andere: "Wenn kein Erfolg da ist, herrscht Unruhe, das ist ganz klar. Ich würde mir aber wünschen, von außen mehr angesprochen zu werden. Bislang gibt es mehr Meinungsmache drumherum, aber es wird nicht miteinander geredet. Wir brauchen moralische Unterstützung von draußen, wir wollen Kritik", so Schaake, der auch um Geduld bittet: "Es braucht fünf Jahre, um ein erstes Fazit ziehen zu können. Zunächst hatten wir die unheimlichen logistischen Aufgaben zu bewältigen, da sind wir schon an unsere Grenzen gestoßen. Jetzt wollen wir uns sportlich immer weiter entwickeln. Es gibt auch viele schöne Tendenzen, immer mehr Spieler können sich mit dem JFV identifizieren."

Entwicklung des Hünfelder Altkreises bedenklich

Doch nicht nur die Entwicklung des JFV Hünfelder Land lässt zu wünschen übrig, generell gibt es im kompletten Altkreis Hünfeld aktuell keinen einzigen Junioren-Verbandsligisten. Ganz im Gegensatz zum Kreis Fulda, der mit Viktoria Fulda, dem FV Horas, dem JFV Gemeinde Petersberg, dem SV Flieden und der JSG Rippberg einige Hessen- und Verbandsligisten stellt, sowie den Kreisen Schlüchtern (JFV Bad Soden-Salmünster mit drei Verbandsligisten vertreten) und Hersfeld-Rotenburg (JFV Bad Hersfeld spielt in zwei Verbandsligen). Kein Wunder also, dass die Hünfelder Talente immer öfter ihr Glück bei anderen Vereinen suchen. "Wir haben immer Topspieler verloren", weiß Schaake, der selbst lange Jahre als Jugendtrainer aktiv war. "Das konnten wir meistens adäquat auffüllen, heute ist das nicht mehr so einfach." Deswegen sei es umso wichtiger, dass die Hünfelder Vereine wie der JFV Hünfelder Land, der JFV Burghaun, die JSG Nüsttal, die JSG Eitratal/Kegelspiel sowie die TSG Mackenzell sich nicht noch gegenseitig das Leben schwer machen. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns innerhalb des Altkreises die Leute nicht wegnehmen", fordert Schaake. "Schließlich haben wir alle das Ziel, den Jugendfußball am Leben zu erhalten, um im Seniorenfußball am Leben zu bleiben."

Konsequenzen für den Hünfelder SV nicht absehbar

Dabei sind gerade die Senioren-Verbandsligisten Hünfelder SV und SV Steinbach auf eine gute Jugendarbeit angewiesen. "Wir brauchen die Verbandsliga im Jugendbereich, um die Senioren-Verbandsligisten füttern zu können", weiß Schaake. Gerade der Hünfelder SV dürfte die Entwicklung des JFV Hünfelder Land kritisch begutachten, schließlich stand kein Club aus einer überregionalen Liga so für Talentförderung wie der HSV - so stammen unter anderem Spieler wie Kapitän Niclas Rehm, Kevin Krieger, Steffen Witzel, Sebastian Gensler oder Lukas Budenz allesamt aus der eigenen Jugend. "Mit unserem Prinzip, mit den eigenen Jugendspielern weiterzukommen, sind wir schon vor einigen Jahren vorausgegangen", betont HSV-Abteilungsleiter Joachim Hess. Das soll sich auch in der kommenden Zeit nicht ändern: "Es kommt vor, dass es nicht so starke Jahrgänge gibt. Nicht jedes Jahr können zwei, drei Spieler den Sprung schaffen. Wenn die Qualität da ist, wollen wir den Spielern weiterhin die Chance geben, sich über die Reserve für die Erste zu empfehlen, so wie es aktuell schon der Fall ist." Deswegen sei ein Aufstieg der ersten Mannschaft in die Hessenliga auch kein Muss: "Wir müssen nicht um jeden Preis Hessenliga spielen. Die Verbandsliga ist für uns das Maß aller Dinge", so Hess. Ob die Qualität der Jugendspieler irgendwann überhaupt für die Verbandsliga reicht, mag der Hünfelder Abteilungsleiter nicht zu beurteilen - Schaake schon eher: "Wir werden immer mal wieder richtig gute Leute rausbringen. In den nächsten zwei, drei Jahren wird es aber schwer, Jugendspieler auf Senioren-Verbandsliga-Niveau zu bekommen", meint der JFV-Vorstandsvorsitzende, der dann aber noch ergänzt: "Im JFV steckt viel HSV drin, aber nicht nur. Wir werden in den nächsten Jahren immer noch genügend Spielerpotenzial in den Seniorenbereich bringen."