Seit der A-Liga-Meisterschaft konnten die Niesiger noch keine Saison coronabedingt zu Ende spielen, für den KSV ging es aber stets in erster Linie um den Klassenerhalt. Nach dem Saisonstart mit zwei Spielen, einem Punkt und keinem Tor sah viel danach aus, dass sich die Mannschaft von Daniel Weiß erneut in den unteren Gefilden wiederfinden wird – doch es folgten fünf Siege aus sieben Spielen, mit einem erneuten Dreier im Nachholspiel gegen Sickels würde der aktuelle Tabellenfünfte sogar auf Platz zwei vorrücken. „Seit ich im Sommer 2020 in Niesig angefangen habe, weiß ich, was für ein Potenzial in der Mannschaft steckt. Wir haben gute Fußballer. Viele waren aber lange nicht auf ihrem Leistungsniveau, weil die Jungs aus schweren Verletzungen gekommen sind“, denkt Trainer Weiß an Spieler wie Sebastian Neu und Marcel Rudolf, die nach langen Ausfallzeiten in dieser Saison wieder eingestiegen sind. Aber auch Dennis Broschke gehört in diese Kategorie: Nach einem Kreuzbandriss war der 24-Jährige zunächst nicht der Alte, erzielte in der Vorsaison in zehn Spielen nur ein Tor. Nun sind es schon elf Treffer. „Ihm hat die lange Corona-Pause geholfen. Dennis investiert unglaublich viel – und wenn er fit ist, ist er ein Knipser“, lobt Weiß.
"Wie eine große Familie"
Die Vorlagen lieferte zuletzt meist Eduard Appelhans, mit Amine Hibaoui kommt zudem ein weiterer starker Offensivmann nach einem Hundebiss langsam in Fahrt. Und dann wäre da noch Tobias Eberlein. Der einzige über 30-Jährige und frühere Spielertrainer war bislang immer da, wenn der KSV gewonnen hat. Gegen Mackenzell klappte es nun aber auch mal ohne den Mittelfeldmotor. Beim 1:0 musste Niesig zudem erstmals gegen eine extrem defensiv eingestellte Truppe bestehen. Die Zeit dürfte nun vorbei sein, in der der KSV unterschätzt wird – zumal die Niesiger ein eingeschworener Haufen sind, der schon lange zusammenspielt und mit Benedikt Günder (Bimbach) nur einen Neuzugang dazubekommen hat, der regelmäßig aufläuft. „Die Jungs sind wie eine große Familie. Wenn da eine Freundesgruppe in der Vorbereitung gemeinsam in den Urlaub fährt, kann ich das Training fast absagen“, sagt Weiß schmunzelnd. Der 46-Jährige freut sich aber darüber, dass die Spielvorbereitung nun ernster genommen werden, als das in der Vergangenheit mal der Fall war – samstagsabends sind die Spieler nicht mehr regelmäßig in der Stadt anzutreffen. Und so hat sich der KSV zu einem Team entwickelt, das von der Aufstiegsrunde träumen darf – wenngleich Weiß die trügerische Tabellen-Konstellation nicht verborgen blieben ist: „Außer Hofbieber ist keine Mannschaft safe. Unser Fokus liegt nicht darauf, dass wir durch das Nachholspiel vielleicht Zweiter werden können. Wir wollen Achter werden, wenngleich dieses Ziel alle haben.“ Die positive Entwicklung im Verein hat sich zuletzt sogar bis zur zweiten Mannschaft durchgezogen: Nach fünf Niederlagen zum Start gewann der B-Ligist zuletzt viermal in Folge.