Alzenau jubelt über ideale Punkteausbeute
Am 3. Juni lag das Team von Trainer Angelo Barletta am Boden. Die deftige 1:8-Packung beim baden-württembergischen Oberliga-Vizemeister FC 08 Villingen bedeutete das Ende aller Regionalligaträume am Prischoß. Zuvor hatte Alzenau durch das 0:0 vor 2000 Zuschauern vor heimischer Kulisse gegen den späteren Aufsteiger FK Pirmasens eine bessere Ausgangsposition verspielt. Nach der herben Enttäuschung fielen Teile der Mannschaft auseinander. Dass mit Can Cemil Özer, Keanu Hagley (beide SC Hessen Dreieich), Aret Demir (Wormatia Worms) und Alieu Sawaneh (Eintracht Stadtallendorf) gleich vier Spieler in die 4. Liga wechselten, belegt den Ruf des seit Jahrzehnten wegen der räumlichen Nähe in Hessen mitspielenden Klubs als klassischen Ausbildungsverein.
In der Vergangenheit hatte Alzenau drei Spielzeiten in der damaligen Regionalliga Süd verbracht und war zweimal mit Feierabendfußballern wieder abgestiegen. Seit Trainer Angelo Barletta im Sommer 2016 von Viktoria Griesheim an den Prischoßweg kam, hat sich der italienische Ex-Profi an die hohe personelle Fluktuation beim FC Bayern gewöhnen müssen.
Immerhin gelang es diesmal auch, die Abgänge mit hoher Qualität zu kompensieren und darüber hinaus noch talentierte Jugendspieler einzubinden. Kreso Ljubicic kam aus der Schweiz vom FC Winterthur und spielte einst in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt. Markus Auer konnte von Regionalligist Eintracht Stadtallendorf zurück nach Alzenau geholt werden. Und dann ist da noch ein gewisser Hedon Selishta, der fast die komplette Vorbereitung machte.
Erst kurz vor dem Saisonstart gegen Hadamar wurde der Deutsch-Kosovare vom TuS Erndtebrück verpflichtet. Sein Dank: Drei Tore beim 5:2-Erfolg gegen die Fürstenstädter und mittlerweile mit sechs Toren der Führende in der Torschützenliste. Ergänzend dazu wurden Talente wie Kubilay Cetin (eigene U19), Carmelo Quartuccio (Eintracht Frankfurt U19) und Noah Schmitt (FSV Frankfurt U19) eingebaut. "Die Stimmung ist nach dem Traumstart natürlich hervorragend", beschreibt Trainer Angelo Barletta die Lage bei den Mainfranken. Bewusst hatte er zu Beginn der Testphase Spiele gegen Regionalligisten ausgemacht.
"Seit Stadtallendorf immer mehr gesteigert"
Niederlagen gegen Viktoria Aschaffenburg (1:2), Stadtallendorf (0:2) und den FSV Frankfurt (1:2) wurmten den Übungsleiter, der auch in Freundschaftsspielen ungern verliert. Der Test in Stadtallendorf war laut Barletta "der Knick. Da haben wir die Anzahl der Abgänge gespürt. Aber seitdem haben wir uns immer mehr gesteigert." Allerdings räumt Barletta ein, dass "wir nicht vergessen dürfen, dass wir vier Heimspiele hatten, während Hessen Kassel schon fünf Auswärtsspiele zu absolvieren hatte. Außerdem hatten wir noch keinen Gegner aus der oberen Tabellenhälfte", weiß Barletta den Superstart einzuordnen.
"Momentan passt aber alles und wir sind auf einem guten Weg, müssen aber noch an der Abstimmung arbeiten", so Barletta. "Normalerweise brauchst Du bei so vielen Abgängen zwei Monate, um das zu kompensieren", schiebt der Übungsleiter nach. Was der Traumstart mit der maximalen Punkteausbeute wert ist, werden die Spiele im Herbst gegen die "Großen" der Liga zeigen. "Normalerweise haben wir mit unserem Etat gegen Kassel, Gießen und Barockstadt keine Chance. Wenn wir einen davon überholen können, wäre es schon eine gute Saison", hatte Barletta Ende Juni zu Protokoll gegeben.
Wenn am 1. September die SG Barockstadt in Alzenau aufkreuzt, könnten die Barletta-Schützlinge schon im frühen Stadium der Saison einen der Favoriten bereits abgehängt haben, denn der Vorsprung auf die ambitionierten Osthessen beträgt jetzt schon neun Zähler. Und dann ist da noch der 18-jährige Torhüter Armend Brao, der bislang in allen Spielen zum Einsatz kam, weil Stammkraft und Routinier Ioannis Takidis verletzt ausfällt.
"Der Junge strahlt eine sensationelle Ruhe aus und spielt souverän mit, als ob er schon lange Jahre bei uns wäre. Das ist begeisternd", sagt der Coach über das Talent zwischen den Pfosten. Doch zunächst ging es am Mittwoch in der 2. Runde des Hessenpokals zum Süd-Verbandsligisten TS Ober-Roden, wo sich die Alzenauer mit einem knappen 2:1-Sieg für das Achtelfinale qualifizierten. Schon in der 3. Runde. die heute im Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Frankfurt ausgelost wird, sind einige "große Fische" wie Kickers Offenbach im Lostopf, die den Alzenauern eine fette Einnahme bescheren könnten.