Auserwählt für das Königreich

Luca Gaul kam im Sommer vom TSV Lehnerz. Foto: Charlie Rolff

Viel besser hätte der Start für Luca Gaul (20) nicht verlaufen können. Neben dem sportlichen Höhenflug mit zehn Punkten aus fünf Begegnungen hat der Neuzugang vom TSV Lehnerz beim SV Buchonia Flieden in der Hessenliga auf Anhieb Fuß gefasst und stand in vier der fünf Partien in der Startelf.

Dabei spielt Gaul unter Trainer Meik Meik Voll, der den Youngster schon längere Zeit auf dem Zettel hatte, gar nicht auf seiner gelernten Innenverteidigerposition, sondern im defensiven Mittelfeld. "Meik hatte in den Gesprächen schon angedeutet, dass er mit mir etwas ausprobieren möchte. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, dann habe ich mich doch relativ schnell auf der neuen Position zurechtgefunden", verrät Gaul, der zugibt, "dass ich selbst nicht damit gerechnet habe, dass ich so schnell Fuß fasse - und schon gar nicht im Mittelfeld."

Dabei hätte der Auftakt in neue Spielzeit auch ganz anders verlaufen können, traf die Buchonia in den ersten vier Begegnungen mit Borussia Fulda, Watzenborn-Steinberg und Lehnerz doch gleich auf drei Titelfavoriten. "Als wir das Aufaktprogramm gesehen haben, haben wir uns schon unsere Gedanken gemacht und im Kopf ein bisschen gerechnet. In dieser Phase hat der Verein und unser Trainer Meik aber sehr gut reagiert und uns den Druck genommen. So konnten wir befreit aufspielen und Siege einfahren, mit denen im Vorfeld kaum einer rechnen konnte", spielt Gaul auf die Überraschungscoups gegen Borussia Fulda und Lehnerz an.

Stichwort Lehnerz: Von der Richard-Müller-Straße wechselte der 20-Jährige im Sommer in das Fliedener Königreich. Ein Wechsel, mit dem Gaul nach gut zwei Monaten scheinbar alles richtig gemacht hat. "Ich hatte in Lehnerz zwei gute Jahre, wollte von dem Status des ewigen Jugendspielers aber weg. In Lehnerz ist es als junger Spieler einfach schwierig, weil ich als Innenverteidiger beispielsweise einen Sebastian Sonnenberger und Sebastian Bartel vor mir hatte. Von solchen Spielern kannst du zwar extrem viel lernen, aber da beide regionalligaerfahren sind und ihren Job immer sehr gut machen, gibt es einfach keinen Grund, warum der Trainer dann einen 19- oder 20-Jährigen in die Mannschaft werfen sollte. Die Chance auf Spielzeit in der Hessenliga war in Flieden einfach größer", erklärt der gebürtige Bellingser, dessen Eindruck sich in den ersten Wochen bereits bestätigen sollte.

Nun gilt es - sowohl für Gaul als auch für die Buchonia - die gezeigten Leistungen aus den ersten Spielen zu bestätigen. "Das finanzielle Gefälle in der Hessenliga ist schon enorm. Da gibt es Teams wie Watzenborn, die keinen Hehl daraus machen, mittelfristig wieder Regionalliga spielen zu wollen. Und es gibt Mannschaften wie Steinbach oder uns, die vor allem über die mannschaftliche Geschlossenheit kommen und fast ausschließlich auf Spieler aus der Region bauen. Trotzdem können wir - wenn alle Spieler am Limit agieren - den Topteams der Liga ein Bein stellen. Alle Mannschaften in der Liga sind schlagbar", ist Gaul überzeugt, der - wie er verrät - sich im jungen Kindesalter viel von seinem Vater Mike Gaul, Ex-Trainer von Oberzell/Züntersbach, abgucken durfte.

Inzwischen haben sich die Verhältnisse aber verschoben. Während der Sohnemann in der Hessenliga kickt, hilft Vater Mike bei Heimatverein SG Bellings/Hohenzell hier und da mal aus. Zuletzt kickte Mike Gaul Mitte August beim B-Ligisten. "Als er bei mir im Zimmer stand und gefragt hat, ob ich ihm ein paar Schuhe leihen könnte, wusste ich, welche Stunde es geschlagen hat", erzählt Gaul lachend und schiebt nach: "Verlernt hat er das Kicken aber nicht. Er kann mit dem Bällchen schon umgehen."

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