Thalau auf dem Boden der Tatsachen
"Die Chance ist, dass uns keiner etwas zutraut"
"Vielleicht ist das meine schwerste Aufgabe", sagt der neue Coach, der zuvor schon beim SV Neuhof, Borussia Fulda II sowie der ersten und zweiten Mannschaft von Buchonia Flieden auf große Herausforderungen traf. Nun hat der 45-Jährige eine Truppe übernommen, die so hoch wie noch nie spielt, in Sachen Kaderbreite dafür eigentlich aber nicht gerüstet ist. Mit dem 5:2 gegen Großbardorf und dem starken Auftritt gegen den Regionalligisten FSV Frankfurt liefen die ersten Testspiele sogar erfolgreich, zuletzt gab es auch aufgrund der schwierigen Personallage aber drei Pleiten gegen Gruppenligisten. "Es ist schon bitter, wenn wir mit einem Feldspieler auf der Bank nach Künzell fahren und ich beim Gegner sieben Auswechselspieler sehe", so Voll.
Da der neue Stürmer Patrick Kalis den Aufwand aufgrund seines Hausbaus nicht stemmen kann und schon wieder weg ist, stehen nur noch 15 Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung. Dazu zählen Lukas Kress, der sich immer wieder mit Verletzungen rumschlägt, und sechs Schichtarbeiter, die oft nicht zur Verfügung stehen. "Diese Problematik habe ich auch etwas unterschätzt", gibt Voll zu. Drei Neuzugänge sollen bis zum 5. Oktober noch kommen, Verstärkungen sucht Thalau in allen Mannschaftsteilen. "Ich werde keinen Spieler ansprechen, der bei seinem Verein im Wort steht. Das habe ich noch nie. Aber es wird vielleicht noch unzufriedene Spieler geben."
Dass eine ganz schwierige Saison vor der Truppe aus dem Wittiggrund liegen kann, ist allen bewusst. Mannschaft und Verein entschieden sich trotzdem bewusst dafür, den Aufstieg in die Verbandsliga anzunehmen. "Wir wollten Spielern, die eventuell nach Thalau wechseln wollen, nicht das Signal senden, dass man hier nicht nach oben kommen kann", betont Voll, warnt aber gleichzeitig vor den Konsequenzen: "Der Unterschied zwischen Verbands- und Gruppenliga ist einer wie Tag und Nacht. Die Spieler werden daraus lernen, auch viele bittere Momente erleben. Es wäre kein Problem, die Liga nach einem Jahr wieder zu verlassen, wir wollen in dieser Zeit aber auch überraschen."
Vielleicht schon zum Saisonstart im Heimspiel gegen Willingen (Samstag, 16 Uhr)? "Unsere Chance ist es, dass uns keiner etwas zutraut", weiß der Übungsleiter, der noch ein letztes Mal auf Taktgeber Florian Storch verzichten muss. Der Mittelfeldspieler hat nach seiner Roten Karte im Test in Großenlüder eine Zeitsperre bis zum 5. September aufgebrummt bekommen, wäre am Sonntag also spielfähig, nicht aber am Samstag. Auch aufgrund von Baumaßnahmen am Clubgelände wollten die Thalauer das Spiel noch nach hinten verlegen, das war in der Kürze der Zeit aber nicht mehr möglich.