Dream Big: Pappert meets Kullmann
Dorfkinder haben den Dreh raus
Der eine - Stefan Pappert (rechts) - hat so gut wie alles erreicht, der andere - Marius Kullmann - hat noch viel vor. Trotzdem verbindet die beiden so einiges. Foto: Torgranate
„Ich habe noch nichts erreicht.“ Eine gewagte These des 23-jährigen Kullmann, schließlich war der Hauswurzer bereits im Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht aus Frankfurt, studierte an der Loyola University in Chicago und absolviert nun ein Praktikum bei der Deutschen Fußball Liga. Sein Werdegang: ungewiss. Sein späterer Beruf: ungewiss. Sein Ziel: klar und deutlich. „Ich möchte in der Fußballbranche Fuß fassen.“
Einer, der diesen Weg bereits gegangen ist, ist Stefan Pappert, guter Freund und zudem Koch im Londoner Wembley-Stadion. Der Niederkalbacher bekocht nach eigenen Angaben Ikonen wie Robbie Williams, Pep Guardiola oder die Queen. „Wäre ich allerdings direkt von Fulda nach Wembley gegangen, hätte ich nach einer Woche meine Sachen genommen und wäre wieder heimgefahren.“ Jetzt aber kann er das 90.000-Mann-Stadion als „seins“ bezeichnen. Und warum? Weil der 42-Jährige an sich glaubte, seinen persönlich gewählten Weg ging und nun für den Mut den Lohn erntet. Die Rezeptur zum Erfolg: die sogenannte „Dream-Big-Mentalität“. Auch wenn Pappert keine Ausbildung in der Sterneküche genossen hat, zählt er nun zu den erfolgreichsten Köchen weltweit. Mit harter Arbeit, etwas Vitamin B und einem festen Plan ist er auf seine natürliche Art und Weise stets vorangekommen. Nicht umsonst sagt er seinen Studenten am College, die immer noch vergebens auf seine Rezepte warten: „Wenn ich es mit meiner vermeintlich einfachen Küche bis nach Wembley schaffe, wohin schafft ihr es?“
Eben diese Mentalität musste Kullmann erst lernen und verstand das Prinzip im Land der Träume – Amerika. „Glaube an dich und lass dir nicht alles sagen. Du darfst hinfallen, musst aber weitermachen.“ Als der 23-Jährige den Traum des Profifußballers aufgeben musste, gab er nicht auf und tatsächlich öffnete sich eine neue Tür. Ein Bekannter aus dem Nachwuchsleistungszentrum besorgte Kullmann einen Kontakt nach Chicago, wo er sein BWL-Studium mit Fachrichtung Finanzen absolvierte. Mittlerweile hat er etwaige Kontakte wie zum Amerikanischen Fußball-Verband oder in die Deutsche Fußball Liga.
Was wird bei der Beerdigung der Queen serviert?
Nur mit Wille und Leidenschaft wäre allerdings weder Pappert noch Kullmann da, wo sie nun sind. „Du kommst im Leben nur voran, wenn du Leute um dich herumhast, an denen du wachsen kannst. Du musst sie eben in dein Leben lassen“, verdeutlicht der Koch und spielt auf das sogenannte Netzwerken an – das Aufbauen und Pflegen von Kontakten. Einer dieser Menschen, die Kullmann in sein Leben gelassen hat, ist eben Pappert. „In Fulda hätten wir uns wahrscheinlich nie getroffen. Wir haben aber viele Parallelen und denken gleich“, verdeutlicht der 42-Jährige. Die Freundschaft der beiden: eine Win-Win-Situation.
Die Abfahrt zum Erfolg ist Pappert bereits drei, vier Mal gefahren und hat seine Position schließlich in London gefunden. „Ich habe alles erreicht und bleibe wenn möglich bis zur Rente hier.“ Die Krux an der Sache: Um nicht zu stagnieren und vorbereitet zu sein, müsse man in anderen Dimensionen denken. Was Pappert meint: Er lebt nicht im Hier und Jetzt, sondern plant voraus – und das nicht zu knapp. „Ich beschäftige mich bereits damit, was bei der WM 2022 in Qatar oder bei der Beerdigung der Queen serviert wird.“ Dann müsse alles Schlag auf Schlag gehen und ein gutes Netzwerk ist dafür entscheidend. Ein Netzwerk, das Pappert wie Kullmann über Jahre aufgebaut haben und noch weiter ausbauen werden. „Das ist wie beim Papst, der seine Kardinäle ernennt“, erklärt der Niederkalbacher. „Er schenkt nur denen das Vertrauen, die ihm helfen und die womöglich seine Nachfolge regeln.“
Visionen, Visionen, Visionen!
Genau in diesem großen Denken liegt allerdings der Unterschied. Eine Vision – wie die von Pappert und Kullmann – ist entscheidend, um daran zu wachsen. Viele Menschen entscheiden sich allerdings für den sicheren Weg, lassen sich womöglich von ihren Freunden oder Eltern beeinflussen, die Zukunft in Vergessenheit geraten und sich nicht auf Neues, Innovatives ein. Die Folge: Mögliches Potenzial geht verloren, weil es nie ausgeschöpft wurde. Auch bleiben deswegen so manche Träume und die daraus resultierenden Geschichten auf der Strecke. „Man muss nicht in die große weite Welt hinaus. Auch ich bin wieder ins beschauliche Fulda gezogen und verfolge weiterhin meine Träume“, verdeutlicht Kullmann. „Ich habe noch nichts erreicht. Du musst dich aber auf bestimmte Dinge einlassen, um zu sehen, was dabei rauskommt.“ Genauso wie bei Papperts Werdegang, der betont: „Sage niemals nie.“
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