Enttäuschung ja, böses Blut nein

Benedikt Kaiser, wo man ihn derzeit nur selten sieht: zwischen den Pfosten. Archivfoto: Charlie Rolff

Als Tabellenführer empfängt der TSV Lehnerz heute (14.30 Uhr) den amtierenden Hessenliga-Meister SC Hessen Dreieich. Doch auch in einem erfolgreichen Kader gibt es Spieler, die mit ihrer persönlichen Bilanz nicht zufrieden sein können: Torhüter Benedikt Kaiser wird beim Gipfeltreffen erneut zum Zuschauen verurteilt sein.

Der 26-jährige Keeper hat in der laufenden Saison noch keinen Einsatz in Hessens höchster Klasse bekommen und seine Punktspielminuten nur im Tor der Lehnerzer Reserve in der Verbandsliga gesammelt. Denn seitdem beim TSV Marco Lohsse als Trainer das Zepter schwingt, ist die Zeit der Torwart-Rotation vorbei. Während sich in der Spielzeit 2016/17 Kaiser mit 24 Einsätzen noch als die Nummer eins fühlen durfte, genießt Aykut Bayar aktuell diesen Status. Er steht hinter einer erfolgreichen Mannschaft, schon alleine deshalb greifen keine Argumente, mitten im Rennen die Pferde zu wechseln. „Natürlich bin ich darüber enttäuscht, nicht zu spielen. Aber als Sportler gilt es, das zu akzeptieren. Aykut hat es sich ja auch verdient“, sagt Kaiser, der bekräftigt, dass es zwischen den beiden wetteifernden Torhütern „ganz sicher kein böses Blut“ gibt.

Der frühere Lehnerzer Trainer Henry Lesser löste das Luxusproblem mit zwei starken Torhütern dergestalt, dass im Kasten heftig rotiert wurde. Am Ende der Saison 2015/16 waren Kaiser und Bayar auf jeweils 16 Spiele gekommen und hatten sich die möglichen Einsätze auf die Minute genau geteilt. Kurios: Lesser findet als Verantwortlicher bei Borussia Fulda mit den beiden Keepern Kenan Mujezinovic und Tobias Wolf eine ähnliche Konstellation vor – beide sind eigentlich kein Fall für die Bank. Marco Lohsse hingegen ist kein Freund der Torwart-Rotation. Kaiser: „Er hat mir gesagt, dass es keine Option für ihn ist, verbunden mit der Feststellung, dass es bei uns keine klare Nummer eins gibt.“

Kaisers persönliche Zukunft offen

Doch zurück zum TSV Lehnerz: Kaiser möchte, gerade vor dem Duell mit Dreieich, mögliche Unruhe vermeiden, indem er lauthals Forderungen oder Ultimaten stellt. Er sichert dem Verein auch in seiner persönlich frustrierenden Situation Loyalität zu: „Ich werde sicher nicht in der Winterpause die Flucht ergreifen“, betont der ehemalige Neuhofer, „aber ich möchte schon gerne in dieser Saison auch noch mal im Hessenliga-Tor stehen.“ Kaiser stellt sich dem Konkurrenzkampf und glaubt, „dass in der Vorbereitung die Karten noch einmal neu gemischt werden könnten. Ich denke schon, dass wir uns da einen gesunden Konkurrenzkampf liefern und dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich machen werden.“ Von seinem persönlichen Verlauf der Restrunde wird es dann letztlich abhängen, ob Kaiser auch über die Saison hinaus seine Zukunft beim TSV Lehnerz sieht.

Dass er heute wieder nur die Bank drücken wird, ist für den 1.92 Meter großen Schlussmann „nachvollziehbar. In den letzten Spielen vor der Winterpause wird sich da nichts mehr tun, zumal Aykut ja auch gut gehalten hat.“ Trotzdem hofft und bangt Kaiser natürlich mit dem Team des Tabellenführers, wenn mit dem Meister sich heute die Mannschaft der Stunde an der Richard-Müller-Straße die Ehre gibt. Der Keeper hält es mit seinem Trainer und stellt fest: „Wir sind in der Außenseiterrolle“ – eine witzige Feststellung aus dem Munde eines Spitzenreiters, noch dazu vor einem Heimspiel. Allerdings geht Benedikt Kaiser davon aus, dass es Dreieich „mit Wut im Bauch“ nach der 1:2-Hinspielniederlage nach Revanche dürsten wird. Der amtierende Meister sei eine absolut stabile und ausgereifte Mannschaft, aber: „Wenn jeder an seine Leistungsgrenze geht und Aykut einen Supertag erwischt, können wir sie schlagen.“ / hw

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