Ex-Profi über seine Doppelrolle
Fink: "Da blutet einem das Herz"
Während die Hessenliga seit Ende Oktober ruht, läuft die Regionalliga auf Hochtouren. Noch Minimum 23 Spiele liegen vor den Viertligisten im Südwesten. Grund genug für Michael Fink, nach einer Anfrage von Gießens Trainer Daniyel Cimen – ein langjähriger Weggefährte und enger Freund – ins Grübeln zu kommen. „Ich musste mehrere Wochen hin und her überlegen, weil ich Hanau nicht hintergehen wollte. Am Ende habe ich zugesagt, da es für die Sportliche Leitung der Hanauer kein Problem darstellte“, erläutert Fink.
Seit Anfang Januar spielt der 38-Jährige also wieder für seinen Ex-Verein, mit dem er 2019 Hessenliga-Meister geworden ist. „Als Fußballer war man ja seit Oktober zum Zuschauen verdammt, da blutet einem das Herz. Es ist schön, wieder das ausüben zu können, was man am liebsten macht“, betont der Ex-Frankfurter. Und auch der Erfolg stellte sich schnell ein: Vier von fünf Spielen gewann der FCG nach der kurzen Winterpause, der Sprung von Platz 21 auf Rang 12 war die Folge. Selbst Spitzenteams wie Steinbach oder Ulm wurden besiegt, Fink spielte im zentralen Mittelfeld in allen Partien eine Schlüsselrolle.
„Wir können mehr als zufrieden sein. Ich glaube, dass ich den jüngeren Spielern helfen kann. Nun lastet nicht mehr so viel Druck auf ihnen“, weiß Fink, der als Profi in der Bundesliga (137 Spiele für Bielefeld, Frankfurt und Gladbach) und der türkischen Süper Lig schon einiges erlebt hat. Doch Spiele unter Zuschauerausschluss sind für den gebürtigen Waiblinger neu. „Es ist ein ganz komisches Gefühl, teilweise in tollen Stadien vor leeren Rängen zu spielen. Man spielt Fußball ja auch deshalb, um vor Zuschauern zu spielen – um den Leuten vor Ort etwas zurückgeben zu können.“
93 will bald die Hessenliga-Spitze angreifen
Bis Sommer gilt Finks Vereinbarung mit Gießen, eine Entscheidung darüber hinaus sei noch nicht gefallen. Problematisch könnte es werden, wenn die Hessenliga wieder den Betrieb aufnehmen kann, denn im Regelfall spielen sowohl die Regional- als auch die Hessenligisten am Samstagnachmittag. „Wir würden versuchen, die Spiele zu verlegen“, lautet die Marschroute des Hanauer Trainers, der als Spieler auf dem Feld dann nicht mehr zum Einsatz kommen darf. In der Innenverteidigung, wo er beim ältesten Fußballclub Hessens spielte, sieht Fink sein Team dennoch gut aufgestellt. Und an der Seitenlinie stehe Co-Trainer Ioannis Takidis zur Verfügung.
Dass der Tabellenvierte noch einmal ins Aufstiegsrennen eingreift, glaubt der 38-Jährige nicht. Denn dafür wird die Zeit zu knapp, sollte wie vermutet nur die Hinrunde gespielt werden können. „Es ist recht unwahrscheinlich, acht Punkte in acht Spielen aufholen zu können. Aber es besteht keinerlei Druck, schließlich spielen wir erst im zweiten Jahr in der Hessenliga.“ Und obwohl Fink für die kommende Spielzeit noch nicht zugesagt hat, blickt er optimistisch und entschlossen in die Zukunft: „Nächste Saison sollten wir versuchen, die ersten zwei Plätze anzugreifen.“