Muth hat nach Handtor "ein absolut reines Gewissen"
Kevin Muth (rechts; hier noch im Trikot des SC Wiesen) schreibt die Schlagzeilen dieser Tage. Archivfoto: Charlie Rolff
Im Topspiel auf Augenhöhe lief der Gastgeber in der 81. Minute dem 0:1-Rückstand hinterher, als Konstantin Höhl aus dem Halbfeld in den Strafraum flankte, Muth sich in den Ball warf und mit der ausgestreckten linken Hand das Leder über die Linie bugsierte. Einige Stunden später war der „Täter“ ob der Video-Zusammenfassung auf torgranate.de überführt. Doch schon zuvor räumte Muth freimütig ein, „dass ich jedem, der mich gefragt hat, ob es Hand war, es auch erzählt habe“. Nur einer fragte während des Spiels nicht: der Schiedsrichter. „Wäre er gekommen und hätte mich gefragt, ob das Hand war, hätte ich ihm das auch so bestätigt. Aber: Ich kenne keinen Spieler, der in dieser Situation freiwillig zum Schiedsrichter gegangen wäre.“
Muth habe bereits während der Ball in der Luft war gemerkt, dass dieser mit „normalen Mitteln“ nicht zu erreichen gewesen wäre und in einer ziemlichen Selbstverständlichkeit mit der Hand über die Linie gedrückt – einen ausgelassenen Torjubel gab es inklusive. Dennoch beteuert der 23-Jährige, „dass ich ein absolutes reines Gewissen habe, weil auch kaum jemand anders gehandelt hätte, bestimmt auch keiner von Oberzell/Züntersbach. Deswegen finde ich das teilweise benutzte Vokabular unter der Gürtellinie“. Aufregung ja, Beleidigung bitteschön nicht, so ist Muths Devise.
Auch der Vater schreibt eine Schlagzeile
Der Stürmer fühlt sich in Lütter schon jetzt pudelwohl:„Was soll ich sagen, ich liebe diese Jungs. Was wir auch außerhalb des Platzes zusammen unternehmen, ist einfach grandios“, sagt Muth und gerät richtiggehend ins Schwärmen – auch wegen der Gemeinschaft innerhalb des Vereins und des guten Miteinanders mit dem Frauenteam. Muth hatte bis Sommer interimsmäßig seinen Heimatclub Wiesen trainiert, konnte dort allerdings auch nicht den Fall in die B-Liga verhindern, nun knipst er in der Kreisoberliga – und wie: Zwölf Saisontreffer bedeuten aktuell Rang zwei in der Schützenliste.
Aber nicht nur Muth junior hat den Wechsel von Wiesen gen Lütter vollzogen, sondern auch Vater Marco, der am Sonntag ebenfalls ein paar Schlagzeilen schrieb: Mit Trommel ausgestattet, war er Hauptfigur in einem kurzen Video der Online-Ausgabe des Fußballmagazins „11 Freunde“, das anlässlich des „Tags der Amateure“ am Sauerbrunnen zugegen war. „Für mich hat es auch eine Rolle gespielt, wie meine Eltern zu einem Wechsel stehen würden“, erläutert Muth und ist daher umso glücklicher, dass gerade der Vater bei jedem Spiel dabei ist, mal ein Transparent malt, mal die Trommel malträtiert – aber immer vollste Unterstützung leistet, selbst wenn der Sohnemann die Hand zur Hilfe nimmt.