WM-Zwischenbilanz

Nur eins ist sicher: DFB-Elf gewinnt heute

Theresa Panfil (oben links, im Uhrzeigersinn), Shekiera Martinez, Pia Nitsch und Melanie Hillenbrand gaben ihre Einschätzung zur Frauen-WM ab.

Die Frauen-WM geht in ihre heiße Phase – und wird natürlich auch von den aus Osthessen stammenden Fußballerinnen intensiv verfolgt. Zwei Profis und zwei Spielerinnen von heimischen Vereinen ziehen bei uns eine Zwischenbilanz.

Panfil: "Ich weiß, dass die Stimmung im Team gut ist"

Theresa Panfil weiß, wie es sich anfühlt, bei einem großen Turnier für Deutschland zu spielen – und zu gewinnen. Die gebürtige Fliedenerin wurde vor knapp fünf Jahren in Kanada Weltmeisterin mit der U20. Gemeinsam mit Sara Däbritz, Linda Dallmann und Lina Magull, die im jetzigen WM-Kader stehen. Einen guten Draht pflegt die 23-jährige Offensivspielerin des 1. FFC Frankfurt vor allem zu Außenverteidigerin Kathrin Hendrich, mit der sie in Frankfurt und auch früher in Leverkusen gespielt und zeitweise zusammengewohnt hat.

„Ich weiß, dass die Mannschaft von Martina Voss-Tecklenburg exzellent eingestellt wird und die Stimmung im Team hervorragend ist. Schweden werden die deutschen Frauen heute packen. Schon in den Tests war unsere Mannschaft handlungsschneller und physisch besser“, ist Panfil optimistisch. Die Kritik an den Leistungen, die von außen kommt, kann sie nicht teilen: „Man muss auch mal bedenken, wie viele junge Spielerinnen Martina Voss-Tecklenburg ins Team eingebaut hat. Klar, dass man sich da erst einmal eingrooven muss.“

Von den bisherigen WM-Partien ist Panfil, die nach drei Jahren – gepflastert mit Kreuzbandverletzungen – kürzlich ihr Comeback feiern durfte („Ich musste die Situation erst einmal annehmen, bin aber natürlich überglücklich“) angetan: „Der Sport hat sich super entwickelt, ist viel schneller, athletischer, technischer geworden. Es waren bei der WM super Spiele dabei. “

Panfil glaubt, dass die Bundesliga den WM-Schwung mitnehmen kann, „ich kenne so viele Leute, die sich dafür nie so richtig interessiert haben, aber nun immer am TV hängen.“ Dass der Frauenfußball im deutschen Profifußball akzeptierter sei, zeige auch die Tatsache, dass immer mehr Männerfußballclubs sich in der Frauen-Bundesliga tummeln. „Dass die Eintracht und der 1. FFC Frankfurt zusammengehen wollen, ist in meinen Augen eine gute Entscheidung.“

Martinez: "England ist für mich der Favorit"

Der Fokus von Panfils Teamkollegin Shekiera Martinez liegt neben der DFB-Elf auf Spielerinnen, gegen die sie es bei der U-17-WM im vergangenen Jahr in Uruguay zu tun bekommen hatte: „Kanada, England, die Niederlande, wo meine Teamkollegin Jackie Groenen dabei ist, und Deutschland schaue ich gerne an. Favorit sind für mich aber die Engländerinnen, weil sie sehr schnell, technisch versiert und kampfstark auftreten.“ Auch Martinez sieht Fortschritte im Hinblick auf das Niveau: „Parallel findet ja auch die U-21-EM statt, da habe ich auch einige Spiele verfolgt. Die Spiele der Frauen haben mir mehr zugesagt.“

Im Gegensatz zu Teamkollegin Theresa Panfil geht die aus Fulda stammende Angreiferin nicht davon aus, dass der Frauenfußball in Deutschland auf der WM-Welle weiterreiten kann. „Bei der WM sind natürlich viele dabei an den Bildschirmen, es ist was besonderes, jeder will mitreden. Aber das ebbt dann meist schnell wieder ab.“

Auf Martinez wartet im Übrigen im Juli ihr nächstes Highlight im DFB-Dress: U-19-Trainerin Maren Meinert hat die 17-Jährige für die Europameisterschaft in Schottland nominiert.

Hillenbrand: "Mehr Zufallsprodukte als herausgespielte Tore"

Im Gegensatz zu den Profis sind die Spielerinnen aus den heimischen Gefilden (noch) nicht so angetan von der Weltmeisterschaft. „Ich habe bislang kein richtig starkes Team gesehen. Spielerisch war das schwach, die Tore oft eher Zufallsprodukte, als dass sie nach schön herausgespielten Kombinationen gefallen wären“, sieht Melanie Hillenbrand, bis vor kurzem Leistungsträgerin des Hessenligisten SV Gläserzell, noch Nachholbedarf.

Die 31-jährige Mittelfeldspielerin aus Müs, die künftig für den Verbandsliga-Neuling SG Freiensteinau auflaufen wird, legt sich auf die USA als Weltmeister fest: „Die spielen einfach am beständigsten.“

Nitsche: "Vielleicht schicken die Eltern ihr Mädchen mal eher zum Fußball als zum Ballett"

Auch Pia Nitsche vom TSV Pilgerzell beklagt nachlassende Qualität bei der Frauen-Weltmeisterschaft: „Ich bin bislang eher enttäuscht, gerade was das Spielerische angeht. Vielen Teams fehlen grundlegende Dinge, es sind unheimliche viele Fehlpässe im Spielaufbau zu erkennen“, findet die Stürmerin des Aufsteigers in die Hessenliga. Die deutsche Mannschaft erfülle den Job aus Sicht der 20-Jährigen aber bislang sehr gut: „Trainerin Martina Voss-Tecklenburg hat viel Mut bewiesen, so einen jungen Kader nach Frankreich zu schicken. Ich habe aber den Eindruck, dass die Mannschaft sehr homogen aufgestellt ist in der Breite und es zwischen den einzelnen Spielerinnen sehr gut harmoniert.“ Aufgrund der fehlenden Erfahrung im DFB-Team glaubt die Wisselserin jedoch nicht an den Titel.

Die bisherige B-Juniorinnen-Trainerin Pilgerzells, die demnächst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Hessischen Fußball-Verband in Grünberg absolvieren wird, hofft, „dass durch den WM-Hype einige Eltern dazu bewogen werden, ihre Mädchen lieber zum Fußball als zum Ballett zu schicken.“

Kommentieren