Oberrad in der Überholspur

Stanley Ike hat schon sieben Tore für Oberrad erzielt. Foto: Jörg Schulz

2016 stieg die Spvgg. 05 Oberrad nach zwei Jahren Abenteuer aus der Hessenliga ab. Es folgte in der Saison 2016/17 über die Verbandsliga Süd der freie Fall in die Gruppenliga Frankfurt West. Nach Rang sechs in der Vorsaison haben sich die Grünen unter der Leitung von Ex-Profi Baldo Di Gregorio fest vorgenommen, um den Wiederaufstieg in die Verbandsliga mitzuspielen. Nach dem 3:0-Sieg im vorgezogenen Heimspiel gegen TuS Merzhausen sind die 05er schon einmal auf Rang zwei geklettert.

Der Dreier gegen den Hochtaunus-Klub war der erste Heimsieg der 05er und insgesamt schon der vierte Saisonsieg. Auf dem Kunstrasenplatz an der Beckerwiese war es vor 80 Zuschauern ein Abnutzungskampf, der letztlich doch mit einem deutlichen Sieg endete. "Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft. Klar hatte Merzhausen die eine oder andere gute Chance, wo wir vielleicht auch Glück hatten. Wir hatten gefühlte 60 bis 70 Prozent an Ballbesitz. Darüber hinaus hatten wir die eine oder andere Torchance mehr als der Gegner. Allgemein wussten wir, dass das Spiel Zeit benötigt. Wir mussten arbeiten und im Endeffekt entscheiden nicht die ersten 45, 60, 70 oder 80 Minuten. Wir müssen uns 90 Minuten konzentrieren. Das hat meine Mannschaft hervorragend gemacht. Dabei haben wir auch schöne Tore erzielt", meinte Di Gregorio zum Spielverlauf.

Nach der Führung durch Mike Wenzel per Kopfball (55.) erhöhte Torjäger Stanley Ike mit seinem siebten Saisontor auf 2:0 (82.). Den Schlusspunkt setzte Kapitän Todi Vasilev mit einem direkt verwandelten Freistoß aus spitzem Winkel fast von der Eckfahne (85.). "Den muss man erstmal so reinmachen", war der Coach hellauf begeistert. Weniger erfreut zeigte sich der Ex-Zweitliga-Profi (RW Ahlen, Arminia Bielefeld) über die teilweise überharte Gangart der Gäste aus dem Usinger Ortsteil: "Ich bin ein emotionaler Trainer und bei rüden Fouls habe ich an der Seitenlinie auch mal einen Ausraster. Wenn meine Spieler attackiert werden, möchte ich wissen, ob der Gegner in den Zweikampf geht, um meine Spieler zu verletzen. Da gab es einige Fouls, wo die Gefahr groß war. Beim Foul an meinem Sechser Chao Alvarez hätte das ganze Kreuzband kaputt sein können. Ich mag es, wenn eine gewisse Härte mit Zweikämpfen geführt wird. Aber auf Kniehöhe, da muss ich meine Mannschaft schützen", stellte Di Gregorio klar.

Der gelungene Saisonstart mit 13 Punkten aus sechs Spielen macht den Übungsleiter optimistisch, eine ähnlich gute Vorrunde wie in der Vorsaison zu spielen. "Wir wollen bis zur Winterpause so viele Punkte wie möglich holen. Letzte Saison haben wir viele Punkte geholt und sind erst am Ende eingesackt. Die Devise ist von Spiel zu Spiel zu sehen. Wir versuchen alles rauszuholen und Punkte mitzunehmen - egal ob in Heimspielen oder Auswärtsspielen. Am Ende sehen wir was in der Tabelle steht." Aus dem damaligen Hessenliga-Team unter Trainer Mustafa Fil sind mit Timo Becker, George Worcester, Robert Kazmierczak und Todi Vasilev noch vier Akteure im Kader, die aber gegen Merzhausen wie Co-Trainer Yannick Seith und Alexander Hien nicht einsatzfähig waren.

25 Spieler im Training sorgen für Konkurrenzkampf

"Wir haben uns in der Hinsicht in der Breite gut verstärkt. Vier absolute Stammspieler haben gefehlt, aber ich habe keinen Qualitätsverlust gesehen. Ich habe im Training 25 Spieler, die Vollgas geben. Jeder will spielen und der Konkurrenzkampf ist bei uns sehr hoch. Als Trainer gibt es nichts schöneres. Es gibt nur die Mannschaft, keine Stammspieler. Wer da ist und Gas gibt, kriegt die Chance zu spielen. Nicht wer auf dem Papier den bekannteren Namen hat", erläutert Di Gregorio.

Im Kreispokal, den die Oberräder zuletzt 2015 und 2016 noch als Hessenligist gewannen, hat die Spvgg. mit dem 2:1-Sieg beim A-Ligisten FC Mainfeld die 2. Runde erreicht. Hier bekommen es die 05er mit Ligakonkurrent FV 1920 Hausen zu tun. Eine Chance, Spielern Einsatzminuten zu geben, die in der Gruppenliga nicht häufig zum Zug kommen. "Unser Ziel ist es, im Pokal so weit wie möglich zu kommen. Denjenigen, die auf der Bank oder auf der Tribüne sitzen, geben wir die Möglichkeit, die Spielminuten zu nutzen. Deswegen freue ich mich auf das Pokalspiel gegen Hausen", blickt der Italiener voraus.