Südkreis-Derby

Radic bittet um Geduld beim Reifeprozess

Der grippegeplagte Fliedener Marc Röhrig (links) hatte gegen Kevin Paulowitsch und Co. einen schweren Stand. Foto: Julian Belz

Während die SG Bad Soden durch den 3:1-Erfolg im Südderby der Verbandsliga ihre Ergebniskrise abgeschüttelt hat, muss man beim SV Buchonia Flieden nach der dritten Niederlage in Serie akzeptieren, dass die Grenze der Belastbarkeit wohl erreicht ist.

Es war schon faszinierend, wie Bad Sodens Torjäger Daniele Fiorentino (35 Jahre alt, 85 Minuten in den Beinen) dem gerade mal 15 Minuten auf dem Feld stehenden und 17 Jahren jüngeren eingewechselten Fliedener Youngster Torben Grosch in der Schlussphase im Sprint mehrere Meter abnahm und den verdienten 3:1-Endstand für die Kurstädter herstellte. Zwar betonte Sodens Coach Anton Römmich, „dass wir den besten Daniele Fiorentino sehen, seit er in Soden ist.“ Dennoch war diese Szene auch ein Zeugnis dafür, dass die reifere Bad Sodener Mannschaft den durch eine schwerwiegende Verletzungsmisere gezeichneten und dadurch jung aufgestellten Fliedenern derzeit einfach überlegen ist.

„Mit so wenig Leuten ist es schwer, den Trainingsbetrieb mit einer gewissen Intensität zu gestalten. Uns fehlen die Körner, was man daran sieht, dass wir zum dritten Mal ein 1:0 nicht über die Zeit bringen konnten. Und uns fehlt bei einigen Spielern die Erfahrung, um mit der Verbandsligaspitze mitzuhalten“, erklärte Fliedens Coach Zlatko Radic. Dieser war jedoch keineswegs niedergeschlagen, bittet vielmehr um Ruhe und Geduld: „Wir sollten uns vom tollen Start mit vielen Siegen gegen zugegeben schwächere Gegner nicht blenden lassen. Es ist ein Prozess im Gange, gerade bei den Jungen, der ja auch Teil der Fliedener Philosophie ist. Und denen müssen wir einfach die Zeit und Fehler zugestehen. “

Radic mag an den Fehlpass von Tobias Rehm vor Sodens 1:1 oder den unglücklichen Torben Grosch vor Augen gehabt haben, dem der Ball vor dem 2:1-Führungstreffer fürs Heimteam durch Christian Pospischil aus elf Metern im Strafraum an die Hand geklatscht war – Lehrgeld.

Luca Gaul war vor zwei Jahren in ähnlicher Rolle wie Grosch und Rehm, schwingt sich mittlerweile zum Fliedener Stabilisator auf. Doch auch für ihn war Sodens Druck irgendwann zu hoch. Die Fliedener Taktik, hinten mit einer Dreierkette dicht zu stehen und dann zu kontern, ging nur eine halbe Stunde auf. Mit dem 1:1 von Khaibar Amani war Bad Soden vor guter Kulisse klar Taktgeber auf den Feld, ließ in der Anfangsviertelstunde der zweiten Hälfte drei super Chancen liegen, ehe der Handelfmeter die Bahn frei machte.

„Wir haben uns das Glück zurückerkämpft, Fortuna ist wieder mit uns“, stellte Anton Römmich frohlockend fest. Seine Mannschaft habe sich trotz des tiefen Bodens nicht auf das zweikampffixierte Spiel Fliedens eingelassen, durch Uneigennützigkeit geglänzt und sich so auch vom Rückstand nicht irriterien lassen. „Vielleicht war das der Startschuss für eine neue Siegesserie“, hofft Römmich.

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