Reifeprozess abgeschlossen

Marc Götze (rechts) und Buchonia Flieden haben derzeit allen Grund zum Jubeln. Foto: Charlie Rolff

Talent zu haben ist eine Sache, Talent auf den Platz zu bekommen eine andere. Wozu Marc Götze, Mittelfeldspieler von Verbandsligist SV Flieden, fähig ist, darüber waren sich seine Trainer nie uneinig. Gut ausgebildet, technisch versiert und mit jeder Menge Spielverständnis ausgestattet wurde ihm stets eine große Zukunft vorausgesagt. Doch zu selten konnte er sein Potenzial in Gänze ausschöpfen, zu oft blieb dem 23-Jährigen so nur die Zuschauerrolle. Bis zum 31. August in dieser Saison.

Denn seit dem 2:0-Erfolg gegen die SG Bad Soden, als Götze beide Treffer nach Einwechslung erzielte, hat der offensive Rechtsaußen scheinbar den berühmten Schalter umgelegt, spielt nun befreit auf und glänzt mit Spielwitz. "Marc wurde immer eine große Zukunft vorausgesagt, aber die Umstellung von Junioren- in den Seniorenfußball ist eben ein Prozess, für den jeder Spieler unterschiedlich lange braucht", sagt sein Trainer Meik Voll. Ein Prozess, den Götze spätestens in dieser Saison wohl endgültig abgeschlossen hat.

Das untermauern auch die Zahlen, die besagen, dass Götze in dieser Spielzeit alle 99 Minuten an einem Tor direkt beteiligt ist. Vier Treffer und sieben Vorlagen stehen nach 15 Begegnungen (1097 Spielminuten) zu Buche. Nur Fabian Schaub mit 16 Scorerpunkten (acht Tore, acht Vorlagen) kann im Trikot des Hessenliga-Absteigers einen besseren Wert aufweisen. "Gerade im körperlichen und taktischen Bereich hat Marc noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Es freut mich sehr für den Jungen, weil die vergangene Spielzeit für ihn eine Saison war, in der er vor allem lernen musste", sagt Voll rückblickend.

Und scheinbar hat er daraus gelernt: Schließlich hat Götze nach 15 Spielen bereits 90 Minuten länger auf dem Rasen gestanden als noch in der Vorsaison (1007 Minuten). "Die Spielpraxis ist für mich entscheidend. Ich bin ein Spieler, der konstant auf dem Feld stehen muss, um sich Selbstvertrauen zu holen. Ich freue mich natürlich, dass es derzeit so gut läuft, aber in dieser tollen Mannschaft wird es mir auch leicht gemacht. Es macht großen Spaß mit den Jungs", gibt sich Götze selbst ganz bescheiden.

Großer Moment im Derby gegen Borussia

Jenes Selbstvertrauen litt gerade bei Borussia Fulda, mit denen er aus der Gruppen- bis in die Hessenliga durchmarschierte. "Es war eine schöne Zeit, aber ich möchte lieber nach vorne schauen", sagt Götze heute. Denn in den drei Jahren beim Traditionsverein standen oft seine Mitspieler im Fokus, gerade zum Ende geriet er aufs Abstellgleis - und wechselte folglich im Sommer 2015 zurück in das Königreich. Neustart in der Heimat. Seinen ersten großen Moment im blau-weißen Trikot erlebte er aber an alter Wirkungsstätte.

Am fünften Spieltag der Hessenliga-Saison 2015/16 machte Götze es wie sein Namensvetter Mario Götze im WM-Finale 2014 als Joker. Nur eine Nummer kleiner, vor 2250 Zuschauer im Stadion der Stadt Fulda, netzte der Mittelfeldspieler zum entscheidenden 3:2-Siegtreffer gegen die Borussia ein. "Die Derbys liegen mir eben", sagt Götze schmunzelnd. Doch der erhoffte Durchbruch damals blieb zunächst aus. "Weil mir der Rhythmus gefehlt hat und ich nicht konstant meine Leistungen bringen konnte. Der Sprung in die Hessenliga ist kein kleiner", weiß der Ex-Borusse, in der Jugend auch für den Traditionsverein SSV Ulm am Ball war.

Im Königreich musste er nun einen Schritt zurück machen, der Abstieg in die Verbandsliga konnte in der Vorsaison nicht verhindert werden. "Wir hatten gerade zu Saisonbeginn daran noch zu knabbern gehabt, die Kurve aber rechtzeitig bekommen. Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist hervorragend, er macht uns stark. Unser Ziel ist es daher, so lange wie möglich den Kontakt zur Tabellenspitze zu wahren. Was am Ende dann dabei herauskommt, werden wir sehen", will Götze keine Kampfansagen an die Konkurrenz richten. Doch wer weiß, vielleicht ist genau dieser Schritt zurück notwendig gewesen, um wieder zwei vorwärts zu machen. Es wäre ihm zu gönnen.

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