Über die Niederlande und die zweite Liga nach Fulda
Wie Karrieren verlaufen können: Denis Mangafic (links, hier im Offenbacher Trikot) im Duell mit dem heutigen U21-Nationalspieler Nadiem Amiri. Foto: Patrick Scheiber
Lange hatte der in Hofheim im Taunus aufgewachsene Sohn bosnischer Eltern auf einen Durchbruch im Profifußball gesetzt, bis zuletzt musste Mangafic aber immer wieder mehr oder weniger große Gesteinsbrocken aus dem Weg räumen. Zum Beispiel 2008: Aus der Jugend der Frankfurter Eintracht entsprungen, war Mangafic über ein Turnier in Belgien bei Heracles Almelo in den Niederlanden gelandet, spielte dort ein Jahr in der zweiten Mannschaft – und stand im Sommer 2009 plötzlich ohne Verein da. „Ich habe damals auf Berater gehört, die es nicht gut mit mir gemeint haben“, gesteht der 27-Jährige. Zwei Jahre lang war Mangafic danach vereinslos und hielt sich größtenteils auf eigene Faust fit.
Auch in den vergangenen beiden Jahren lief es nicht gerade optimal für den wendigen Außenbahnspieler: „Beim FSV Frankfurt wollte mich Trainer Tomas Oral unbedingt für die Zweitliga-Mannschaft haben, dann saß ich aber nur auf der Tribüne und durfte nicht vorzeitig aus meinem Vertrag raus“, ist Mangafic heute noch irritiert. Unter Horst Steffen, der sehr viel vom Südhessen hielt und hält, sollte der Pfeil beim Drittligisten Preußen Münster nach oben zeigen, „doch sportlich lief es nicht. Horst wurde entlassen, Benno Möhlmann kam, setzte eher auf defensiven und ergebnisorientierten Fußball, weil wir im Abstiegskampf gesteckt haben, und fortan war ich als Spielertyp nicht mehr gefragt“, rekapituliert Mangafic enttäuscht.
Viele intensive Gespräche mit seinem Vertrauten Thomas Brendel, der ihn schon 2012 mit dem Wechsel zu Wehen Wiesbaden II aus der Arbeitslosigkeit herausgeholt hatte, ließen in Mangafic nun den Gedanken reifen, neben dem Fußball auch auf die Karte Beruf zu setzen. „Ich möchte gerne arbeiten – und Vorstand Peter Enders bietet mir in seinem Autohaus die Möglichkeit dazu. Dazu wohne ich näher an meiner Heimatstadt Frankfurt und spiele in einem ambitionierten Verein“, freut sich Denis Mangafic über die neue Perspektive. Deswegen tat es dem 27-Jährigen auch nicht weh, eine Offerte vom Drittligisten Chemnitzer FC auszuschlagen, wo sein Förderer Horst Steffen in der vergangenen Woche angeheuert hat.
Seit Mittwoch ist Mangafic nun mit den Borussen im Training und freut sich, „dass ich endlich meine Mitspieler kennenlernen darf. Ich kenne bisher nur Marcel Mosch aus Offenbacher Zeiten.“ Umso günstiger, dass am Sonntag beim Event in Lütter die Möglichkeit besteht, sich bei seinem neuen Verein, der, so Mangafic, „die Strukturen hat, um in die Regionalliga zu kommen“, weiter zu akklimatisieren.
Thomas Brendel schätzt an seinem Schützling vor allem dessen Schnelligkeit und Wendigkeit: „Er wird kein Torjäger mehr. Dennoch hat er unheimliche Qualität. Denis kann sich bis zur Grundlinie durchdribbeln, sucht gerne das Eins-gegen-Eins und ist nicht nur auf der defensiven Außenbahn, sondern auch auf sämtlichen Positionen im Mittelfeld sehr gut aufgehoben.“ Spannend zu sehen, wo Mangafic am Sonntag in Lütter letztlich auflaufen wird. / hall
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