Voll mit dem richtigen Riecher, Bunzenthal verzockt sich
Während Meik Voll (links) über den Derbysieg jubeln durfte, musst Oliver Bunzenthal die zweite Niederlage in Serie einstecken.
"Das sind Emotionen, die man gar nicht beschreiben kann", sagte Götze direkt nach der Partie. Nach einem super Pass von Fabian Schaub lief Götze von der Mittellinie aus in Richtung des Tores und schoss den Ball zum entscheidenden 3:2 ins Tor (87.) - obwohl auch Kollege Filip Osman mitgelaufen war und einschussbereit stand. "In dem Moment, wo ich alleine auf die Kiste zulaufe, hau ich das Ding drauf. Zum Glück ist der Ball schön in den Winkel geflogen."
Trainer Meik Voll hatte also den richtigen Riecher, als er in der 72. Minute Marc Götze für Stefan Dietz einwechselte. Und das, obwohl Götze noch einen Tag zuvor in der zweiten Mannschaft über die volle Spielzeit im Einsatz war. "Wir haben ihn vor der Saison geholt, weil wir enormes Potenzial in ihm gesehen haben. Wir mussten ihn aber erstmal aufbauen, da er zuletzt bei Borussia nur in der Reserve in der A-Liga gespielt hat. Dieses Tor gibt Selbstvertrauen, das richtet ihn jetzt auf", ist sich Voll sicher.
Als wichtige Personalie stellte sich auch Filip Osman heraus. Der Einsatz des 19-jährigen Neuzugangs war unter der Woche aufgrund von Leistenproblemen fraglich. Osman spielte letztlich 90 Minuten lang, zeigte eine ansprechende Leistung auf der Zehn und war mit seiner Ecke Wegbereiter der Fliedener Führung. "Ich möchte einzelne Spieler nicht besonders hervorheben. Aber dass er und Leonardo Kovacevic für einen Appel und ein Ei, den sie bei uns bekommen, jedes Mal 100 Kilometer einfache Fahrt auf sich nehmen, ist unglaublich." Und auch der wiedergenesene Fabian Schaub hatte mit seiner starken Vorarbeit zum 3:2 Anteil daran, dass Voll seinen ersten Sieg als Trainer in Hessens höchster Spielklasse bejubeln durfte. "Vor so einer Kulisse, im Derby gegen meinen Ex-Club - ich hätte mir nichts schöneres vorstellen können", sagt Voll zu seinem ersten Ligasieg für Fliedens erste Mannschaft.
Bunzenthals Umstellungen fruchten nicht
Sein Gegenüber Oliver Bunzenthal zeigte sich dagegen konsterniert nach der zweiten Derbyniederlage innerhalb von acht Tagen. Dabei sollte es doch so viel besser laufen als beim 1:4 in Lehnerz. Dafür brachte der Coach drei Neue, Marcel Trägler, Jonathan Müller und Roman Schad starteten für Marius Müller, Dennis Müller und den kranken Ingmar Merle. "Wir haben einen sehr ausgeglichenen Kader, es herrscht eine hohe Leistungsdichte. Dass ich gleich dreimal gewechselt habe, lag an der Niederlage gegen Lehnerz."
Doch die Veränderungen zahlten sich nicht aus. Roman Schad wirkte rechts hinten überfordert und wurde bereits zur Halbzeit ausgewechselt, auch Trägler wurde nach schwacher Leistung in Minute 64 ersetzt. Immerhin "Joni" Müller konnte im Duell gegen seinen Bruder "Gabi" überzeugen, schoss den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich. Dennoch klappten die Abläufe im ungewohnten 4-4-2-System nur selten, was auch daran lag, dass die beiden potenziellen Außenspieler Müller und Pomnitz mehr als Zehner im Zentrum agierten. So kam über außen kaum Druck zustande - während Dennis und Marius Müller, durchaus auf den Außenbahnen zuhause, über 90 Minuten auf der Bank schmoren mussten.
Dass seine Umstellungen nicht fruchteten, musste sich auch Bunzenthal eingestehen: "Es stellt sich jetzt schon die Frage, ob die Neuen ihre Chance genutzt haben. Da kann man mit Sicherheit sagen, dass das nicht bei allen der Fall war." Doch nicht nur die Aufstellung sorgte für Probleme, auch die Einstellung ließ zu wünschen übrig. "Es ist immer schwierig, die richtige Einstellung zu finden, gerade im Derby, wo die Emotionen eine große Rolle spielen. Es ist halt schade, dass wir gerade in so einem Spiel so eine Leistung abliefern."