"Wir müssen uns zusammenreißen"
Im Weigo's, der Bar seines besten Kumpels im Herzen Bad Soden, stellte sich Anton Römmich den Fragen. Foto; Johannes Götze
Ostern ist vorbei, die Tabelle nun etwas begradigt und Bad Soden auf einem direkten Abstiegsplatz. Das letzte Warnsignal für das Team?
Jeder Spieler sieht, dass wir auf einem direkten Abstiegsplatz stehen und es, wenn die Konkurrenz ihre Nachholspiele gewinnt, noch schlechter aussehen kann. Deswegen erwarte ich jetzt eine Reaktion der Mannschaft, die bislang noch nicht stattgefunden hat. Aber ich bin voll überzeugt von der Qualität der Mannschaft und bin sicher, dass sich, wenn sich die Mannschaft zusammenreißt und wieder mehr als Gemeinschaft auftritt, was sie die letzten Spiele nicht so sehr geschafft hat, wieder Erfolg einstellen wird. Und das Gute: Wir haben in den verbleibenden acht Spielen alles selbst in der Hand.
Da warten vier von der Papierform her schwierige Auswärtsspiele und vier machbare Heimspiele. Liegt der Schlüssel auf der Bornwiese?
Ich glaube nicht, dass zwölf Punkte ausreichen würden. Ich schätze, dass wir fünf Siege benötigen, um sicher die Klasse zu halten und da ist es mir egal, ob wir auswärts oder zuhause spielen – und auch egal gegen wen. Wir wollen die 15 Punkte so schnell wie möglich einfahren. Denn ich habe keine Lust am letzten Spieltag gegen Neuhof noch zittern zu müssen.
In den vergangenen Spielen ist die Mannschaft wieder offensiver aufgetreten, der Erfolg blieb aus. Wie schwer ist es aktuell die Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden?
Wenn du erfolgreich bist, greifst du schnell mal ein paar Meter früher an. Erst ein Daniele Fiorentino, dann ein Lukas Ehlert, dann ein Marco Di Maria und dann sind die Abstände schnell zu groß. Davon müssen wir weggekommen und uns wieder mehr auf uns, unsere Stärken und vor allem unsere Schwächen konzentrieren.
Das heißt?
Wir müssen unsere Löcher in der Abwehr stopfen. Gleichzeitig haben wir uns zu sehr auf den Gegner konzentriert, das muss ich mir ankreiden.
Sprich: Du ersparst dir nun die Anrufe bei den Trainerkollegen?
Nein, da werde ich weiterhin reinhören, aber die Ergebnisse nicht mehr so detailliert mit in die Spielersitzung nehmen. Im Endeffekt kommt es darauf an, dass wir unsere Leistung bringen, dann müssen wir uns auch nicht mit dem Gegner beschäftigen.
Du bist nun seit knapp sechs Monaten Trainer. Noch immer ein erfüllter Wunschtraum?
Ich habe den Trainerschein gemacht, um irgendwann die erste Mannschaft der SG Bad Soden zu trainieren. Dass es so schell gehen wird, war Überraschung wie Wertschätzung zugleich. Und die erste kleine Bilanz fällt auf jeden Fall positiv aus. Wir haben einigermaßen erfolgreich gespielt. Wir haben eine geile Truppe. Es herrscht menschlich im Training wie abends in der Stadt ein super Verhältnis – das ist für mich wichtig. Also ja, für mich ist es noch immer ein Traum.
Ausgenommen einer besseren Platzierung muss doch etwas stören?
Das einzige, das ich misse, ist es selbst Fußball zu spielen, weil ich einfach nicht mehr regelmäßig dazu komme. Die zweite Mannschaft auf den zweiten Platz zu führen, das wäre sehr reizvoll gewesen, aber da musste ich eben Abstriche machen.
Also fuchst es dich auch, dass du in der Torschützenliste der Kreisoberliga hinter deinen Ex-Mitspieler Tim Mulfinger gerutscht bist? Er hat mit zehn Toren jetzt eines mehr als du…
Nein, das ärgert mich nicht. Tim ist ein absoluter Torjäger und ich selbst weiß gar nicht, wann ich zuletzt neun Saisontore erzielt habe, das muss bei Britannia Eichenzell gewesen sein. Ich bin kein Torjäger, aber diese Saison habe ich einfach alle Standards geschossen und so haben sich die recht vielen Tore irgendwie ergeben, ich habe ja nur zwölf Spiele bestritten.
Gab’s zwischen Tim und dir irgendwelche Wetten?
Nein, mit mir nicht, ich habe ihn nur manchmal gefragt, ob er auch mal auf die Torjägerliste schaut.
Für die kommende Saison wurde bereits der nächste große Name an Land gezogen. Viele stellen sich die Frage, wie es die SG Bad Soden fertigbringt, immer wieder Spieler wie Marco Di Maria, Daniele Fiorentino, Lukas Ehlert oder jetzt Christian Pospischil zu verpflichten...
Manchmal frage ich mich auch, wie mein Bruder das als Sportlicher Leiter anstellt. Mit Christian hatte Wladimir schon Kontakt als Sead Mehic noch Trainer gewesen ist. Ich denke, dass er von Daniele viel Positives gehört hat, weil beide sehr gut befreundet sind. Aber ich glaube, man sieht auch beispielsweise an Lukas, dass die Spieler solche Strecken nicht einfach mal so fahren, vielmehr macht es ihnen Spaß in Bad Soden Fußball zu spielen. Im Verein wird gute Arbeit geleistet, wir haben eine super Anlage, sind insgesamt gut aufgestellt. Das Gesamtpaket passt.
Aber ist es nicht schwierig Spieler zu führen, die deutlich mehr gesehen haben als du?
Es ist absolut wichtig, dass sich jeder Spieler dem Verein und der Mannschaft anpasst, sonst wären wir nicht die gute Gemeinschaft, die wir sind. Das ist das A und O im Fußball, da müssen sich ein Di Maria, Fiorentino oder Pospischil anpassen. Wir sind hier in Bad Soden und nicht irgendwo in Frankfurt. Aber natürlich ist es anders mit jemandem umzugehen, der schon hochklassig gespielt hat und vielleicht sogar Profi war. Jedoch ist es ist nicht viel einfacher, mit den Jungs aus der eigenen Jugend zu sprechen, schließlich ist jeder Mensch unterschiedlich, jeder benötigt einen anderen Umgangston und darauf musst du dich als Trainer heutzutage ganz einfach einstellen. Aber es freut mich riesig, mit so einem Spieler wie Christian arbeiten zu dürfen, weil er uns als absoluter Leader guttun wird.
Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Christian Pospischil diese Qualitäten in der kommenden Saison im Gruppenliga-Derby in Oberzell in die Waagschale wirft?
Die Wahrscheinlichkeit beträgt null Prozent, weil die SG Bad Soden auch dann in der Verbandsliga Fußball spielen wird.
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