Eintracht Frankfurt: Party ohne und mit Marmoush
Es hatte sich angedeutet im Laufe des Tages, und am Abend gegen 19.30 Uhr wurden die Spekulationen dann zur Gewissheit: Himmelsstürmer Omar Marmoush stand nicht mehr auf dem Aufstellungsbogen der Frankfurter Eintracht für das Topspiel gegen Borussia Dortmund. Seine letzte Gala, nur drei Tage zuvor beim 4:1 gegen Freiburg, war seine Abschiedsvorstellung. Es wehte ein Hauch von Wehmut durchs zugige, eiskalte Waldstadion. In dem der 25-Jährige kurz vor seinem Abgang sogar noch höchst selbst weilte, er verfolgte die Partie aus einer Loge. Nach dem Spiel kam er in Zivil auf den Rasen, feierte mit Mitspielern und verabschiedete sich von den dankbaren Fans – mit Tränen in den Augen. Große Emotionen.
Der 25-Jährige wird für rund 80 Millionen Euro zu Manchester City wechseln, unterschreibt einen Fünfjahresvertrag und streicht satte 15 Millionen Euro per annum ein – mehr als das Fünffache seines Eintracht-Salärs. Die Eintracht hat sich diese unerhört hohe, aber marktgerechte Summe durch eine rigide und brettharte Verhandlungstaktik verdient.
„Die Wahrscheinlichkeit, dass er uns verlässt, ist sehr, sehr hoch“, bestätigte Sportvorstand Markus Krösche, der keine Chance sah, den Senkrechtstarter zu halten. „Für Omar ist es eine Riesenchance, und City ist kein normaler Klub.“ Der Verkauf sei so nicht geplant gewesen, erst recht nicht jetzt im Winter, „aber das ist auch Teil des Business.“
So war die Partie gegen den BVB Spiel eins nach der Omar-Marmoush-Zeit in Frankfurt, die zu kurz für eine Ära war, aber die die Menschen in bester Erinnerungen behalten werden. Zu gut, zu erfrischend, zu leistungsstark war der ägyptische Nationalspieler in seinen eineinhalb Jahren am Main, gerade das letzte halbe Jahr mit sagenhaften 34 Torbeteiligungen in 26 Partien wird haften bleiben. „Wir werden es als Team auffangen“, sagte Sportchef Krösche. „Die Mannschaft hat es gut aufgenommen.“ Sie verliert freilich nicht nur ihren besten Torschützen und einen guten Typen mit sonnigem Gemüt, sondern auch den Kabinen-DJ. Mal so am Rande.
Auf dem Platz taten die Kameraden am Freitagabend zum Rückrundenauftakt alles dafür, um die sportlichen Belange in Marmoushs Sinne fortzuführen. Sie zeigten gegen einen anfangs erneut erstaunlich harmlosen BVB eine sehr erwachsene, aber auch leidenschaftliche Leistung. Und auch spielerisch konnte es sich sehen lassen, was die Mannen von Dino Toppmöller da auf den Rasen warfen. Schon nach einer Minute hätten sie führen können, doch Hugo Larsson scheiterte an Gregor Kobel.
Hugo Ekitiké machte es dann nach 18 Minuten besser. Der Franzose, der als neuen Sturmpartner Ansgar Knauff zugeteilt bekam, leitete den Angriff über Rasmus Kristensen ein und schloss ihn Sekunden später nach einem beherzten Sprint in die Spitze auch ab. Die Führung, ein Klasse-Tor, das neunte des Franzosen, der nach Marmoushs Abgang noch wichtiger werden wird. Und der vielleicht bald Unterstützung durchs einen Landsmann Arnaud Kalimuendo von Stade Rennes erhalten wird, Kostenpunkt: 20 Millionen Euro.
Spieler wurde nervöser
Von den Dortmundern kam im ersten Abschnitt bis auf ein Kopfball von Serhou Guirassy an den Pfosten (9.)., nicht viel, eigentlich gar nichts. Die Eintracht, angeführt vom überragenden Mariuo Götze, war durch ihre schnellen Gegenstöße gefährlicher, allein beim letzten Pass, gerade über außen, fehlte ihr die Präzision. Dafür verteidigte sie sehr entschlossen und konzentriert, wie eine ausgebuffte Spitzenmannschaft.
Das sollte sich auch im zweiten Abschnitt fortsetzen, die Borussia kam kaum mal zu nennenswerten Aktionen; die Hessen schlugen in der Nachspielzeit durch Oscar Hojlund eiskalt zu, 2:0, der Endstand. Anschließend stieg die erste Eintracht-Party ohne ihren Besten.
Omar Marmoush gefiel, was er aus sicherer Entfernung von der Tribüne aus sah. Schon am Morgen war klar, dass er gegen Borussia Dortmund nicht mehr auflaufen würde. Dass sich der Überflieger im Topspiel auf grell ausgeleuchteter Bühne womöglich in seinem letzten Spiel noch verletzen würde, nein, dieses Risiko wollte niemand eingehen.
Zumal in den letzten Tagen, je näher der Transfer rückte, der Spieler auch zunehmend nervöser wurde und nicht mehr so locker und frei wirkte. Omar Marmoush drängte auf den Wechsel, was aus seiner Sicht legitim ist. Schließlich hat ist es für ihn eine große Chance, nicht nur wirtschaftlich, und er hatte sich zuvor tadellos verhalten, alles für die Eintracht gegeben. Er hat sich nicht geschont oder Stunk gemacht, schon gar nicht gestreikt wie einst Randal Kolo Muani. Marmoush hat abgeliefert, hatte an den beiden Siegen im neuen Jahr entscheidenden Anteil – obwohl da die Zeichen schon auf Abschied standen.
Marmoush ist zuzutrauen, sich auf der Insel sich durchzusetzen. Ihm könnte es besser ergehen als seinem Vorgänger in Frankfurt: Kolo Muani. Der ist vor eineinhalb Jahren unter lautem Getöse zu PSG gewechselt, für 95 Millionen Euro. Und jetzt ist er schon wieder fort. Juventus Turin leiht den in Paris brachial gescheiterten 26-Jährigen für ein halbes Jahr aus. Das Schicksal so vieler Spieler, die Eintracht Frankfurt auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft verlassen. Danach geht es meistens bergab.

