Suat Türker ist "stolz auf die Momentaufnahme"

Griesheim nach vier Spieltagen überraschend Tabellenführer

18. August 2016, 18:02 Uhr

Suat Türker während seiner Zeit beim VfL Lauterbach. Foto: Ottmar Schleich

Über die Aussagekraft einer Tabelle nach vier Spieltagen kann man streiten. Dennoch: Zehn Punkte aus den ersten vier Begegnungen und Platz eins in der Liga hätten dem SC Viktoria Griesheim in der Hessenliga vor Rundenbeginn nur die wenigsten zugetraut.

„Wir sind sehr glücklich und stolz auf unseren Start, schließlich waren das alles Gegner auf Augenhöhe“, freut sich Trainer Suat Türker über den überraschenden Höhenflug seines Teams. „Wir bleiben aber bodenständig, wollen die Momentaufnahme jedoch solange wie möglich mitnehmen.“ Denn sein Team hat derzeit das Momentum auf seiner Seite. So machte die Türker-Elf gegen Rot-Weiß Darmstadt (3:2) nicht nur einen 0:2-Rückstand wett, verschoss der Gegner in der Nachspielzeit auch noch einen Elfmeter zum möglichen 3:3. „Das Team gibt nie auf, unabhängig vom Spielstand. Das ist eine unserer großen Stärken“, frohlockt der langjährige Zweitligaprofi, der unter anderem für Kickers Offenbach und den SC Freiburg am Ball war.

Von der Erfahrung aus 101 Spielen in der zweiten Liga (38 Tore, 15 Vorlagen) profitiert der gebürtige Türke heute noch ungemein. „Ich weiß aus meiner aktiven Zeit, was im Kopf eines Spielers vorgeht und wie man diesen am besten erreichen kann. Ich glaube schon, dass mir das sehr weiterhilft“, gibt der 40-Jährige an, der in Griesheim seine erste Station im Senioren-Bereich als Chef-Trainer angetreten hat. Seit vergangenem Winter war Türker Co-Trainer bei der Viktoria unter Angelo Barletta. Als es Barletta dann zu Ligakonkurrent Alzenau zog, war der Weg für Türker frei.

„Es war eine sehr lehrreiche Zeit unter Angelo. Wichtig war, dass ich die Mannschaft schon ein halbes Jahr kennenlernen durfte und so genau wusste, an welchen Stellschrauben ich drehen muss, damit das Team meine Idee vom Fußball umsetzen kann“, so der Ex-Offenbacher, der viel hospitierte und unter anderem Christian Streich (Trainer SC Freiburg) über die Schulter schauen durfte. Denn obwohl der Spieler Türker in seiner aktiven Laufbahn als Stürmer für jede Menge Tore bekannt war, legt der Trainer Türker den Fokus auf die Defensive. „Im Kopf offensiv, im Herzen defensiv – das trifft es eigentlich ziemlich genau. Viel wichtiger ist aber, dass ich die Spielertypen dazu habe, dass wir nach eigenen Balleroberungen auch schnell umschalten können. Sonst wäre meine Philosophie gar nicht umsetzbar.“

Doch Türker geht es nicht nur um die Spielphilosophie, auch die Körpersprache und das Verhalten auf dem Platz ist ihm ungemein wichtig. „Wir werden nicht immer zu null spielen können und auch nicht die Mannschaft sein, die immer das erste Tor schießen wird. Also müssen wir gerade bei Gegentreffern oder Rückständen viel Charakter zeigen, immer positiv im Kopf bleiben. Das hat die Mannschaft verstanden“, freut sich Türker, der als Saisonziel den Klassenerhalt ausgerufen hat.

Autor: Max Lesser