Ein Märchen, das ein grünes Herz zieren sollte

Verbandsliga: Petersberg kurz vor dem Klassenerhalt

09. Mai 2017, 15:59 Uhr

Fertig zum Klassenerhaltfeiern? Adrian von Pazatka (von links), Kubilay Kücükler und Boris Aschenbrücker würden es wohl richtig krachen lassen. Foto: Charlie Rolff

Wenn Rolf Gollin dieser Tage über seine Mannschaft spricht, dann gerät der Petersberger Trainer regelmäßig ins Schwärmen. Sein „Gruppenligist mit dem riesengroßen Herzen“ ist drauf und dran, am Samstag den Verbandsliga-Klassenerhalt einzutüten - am drittletzten Spieltag. Vor ein paar Monaten noch undenkbar.

Rückblende: Als Gollin das Team Anfang Oktober übernahm, hatten nicht wenige von einem Himmelfahrtskommando gesprochen. Mit sechs Punkten war der Aufsteiger nach zwölf Spieltagen abgeschlagener Letzter - drauf und dran die Meisterschaft ganz teuer zu bezahlen. Gollin setzte Etappenziele: gute Stimmung, erste Erfolgserlebnisse, den Anschluss bis zur Winterpause nicht komplett zu verlieren. Und egal, welches seiner kleinen Ziele, die Mannschaft übertraf jedes deutlich. Und das, obwohl sich das Team rein aus Spielern rekrutiert, die schon in der vergangenen Saison dabei waren. Eben jener vielfach zitierte „Gruppenligist mit Herz“. Zahlreiche Rückschläge verkraftete das Team, weil es eben ein solches ist - allen voran die Niederlagenserie „gekrönt“ durch das denkwürdige Weidenhausen-Spiel, als Julian Wehner die Schlagzeilen gehörten.

Doch gerade jener „Aprilscherz“ sorgte dafür, das Blatt erneut zu drehen: „Vielleicht ist das so. Wir haben seitdem 12 von 15 möglichen Punkten geholt. Aber es ist ganz einfach so: Die Mannschaft besitzt einen unglaublich tollen Charakter“, beschreibt Gollin, der die Saison schon jetzt mit seinen errungenen Meisterschaften gleichsetzen will. Allerdings fängt er nicht das Rechnen an. „Jetzt ist es ganz einfach so, dass wir den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen wollen. Und das können wir vorzeitig packen, was hätte es da für eine Quote drauf gegeben? Da hätte man auch aus einem Euro viel Geld machen können.“ Doch auch in der Stunde des greifbaren Erfolgs ruft der 48-Jährige zu Demut auf - auch eines dieser Erfolgsrezepte des in der Mannschaft überaus beliebten Trainers.

Klassenerhalt schon am Samstag? Nicht utopisch!

Gollin bleiben aus den vergangenen Wochen alle Spiele in Erinnerung: Bei Eintracht Baunatal drehte sein Team nach dem Weidenhausen-Desaster unter „Megadruck“ ein 0:2 in ein 5:3; gegen Lehnerz II zeigte sein Team eine „top spielerische Leistung“; gegen Bosporus Kassel gelang der erhoffte „dreckige Sieg“; in Rothwesten gewann sein Team „einen Abstiegsfight aus dem Lehrbuch, weil wir jeden Zweikampf gewinnen wollten“. Das Ganze immer unter schlechten personellen Voraussetzungen: Julian Wehner, Kubilay Kücükler, Boris Aschenbrücker und Daniel Nüchter sind seit Wochen kaum einsatzfähig und stellen sich trotzdem in den Dienst der Mannschaft. Gerade solche Dinge machen Gollin unfassbar stolz.

Und auch wenn Gollin den Rechenschieber noch nicht bemühen will, schon am Samstag könnten die Sektkorken knallen - und die Vorzeichen stehen richtig gut. Grundvoraussetzung: Kickers Offenbach macht den Klassenerhalt in der Regionalliga klar - eigentlich nur Formsache - und sorgt dafür, dass es in der Hessen- und somit auch in der Verbandsliga maximal nur vier Absteiger gibt. Gewinnt Flieden zudem bereits am Freitag in Baunatal, reicht den Petersbergern ein Sieg gegen den Vorletzten Melsungen, um alles klar zu machen. Der RSV hätte am drittletzten Spieltag eine Geschichte zu Ende geschrieben, dessen Happy End kaum möglich schien. Eben ein echtes Märchen, eines auf dessen Titelblatt ein großes grünes Herz blitzen sollte.

So viele Punkte holten die Verbandsligisten seit Rolf Gollins Amtsübernahme am 4. Oktober:

Flieden: 42
Sand: 39
Weidenhausen: 35
Hünfeld: 32
Eschwege: 32
Petersberg: 28
Neuhof: 28
Willingen: 28
CSC 03 Kassel: 26
Lehnerz II: 24
Schwalmstadt: 22
KSV Hessen Kassel II: 21
Eintracht Baunatal: 16
Rothwesten: 15
Bad Soden: 14
Melsungen: 9
Bosporus Kassel: 4

Autor: Johannes Götze