Gollin: Johannesberg spielt in anderer Liga
Englische Woche in der Verbandsliga
Petersbergs Trainer Rolf Gollin war am Sonntag Kiebitz in Johannesberg, heute ist er in Verantwortung zugegen. Foto: Charlie Rolff
SG Johannesberg – RSV Petersberg (heute, 18.30 Uhr).
Rolf Gollin wurde am Sonntag Augenzeuge des 4:0-Erfolgs Johannesbergs über Hünfeld – und er wurde nicht überrascht: „Dass Johannesberg mit diesem Material da steht, wo sie stehen, ist doch zu erwarten gewesen. Das ist eine hochkarätige Mannschaft, die im Vergleich mit uns in einer anderen Liga spielt.“ Wie Gollin das Spiel angehen wird, entscheidet sich wohl erst im Laufe des heutigen Tages: „Ich habe den Gegner am Sonntag gesehen, danach lasse ich das Gesehene sacken und meistens verlasse ich mich dann auf mein Bauchgefühl.“ Spielen würden aber keinesfalls Akteure, die nicht bei hundert Prozent seien, schließlich stehe gleich am Sonntag das nächste Spiel in Mengsberg an. Dementsprechend werden Außenverteidiger Alexander Kilian und Sechser Patrick Wingenfeld wohl außen vor bleiben.
Bei Johannesberg fehlen zwei Rumänen: Stürmer Sorin Sergiu Leucuta heiratet am Wochenende in der Heimat, sein Kumpel Mihai Alexandru Moise begleitet ihn, der Innenverteidiger steht somit auch nicht zur Verfügung. Moise könnte durch Lukas Wagner ersetzt werden, der ihn auch schon in Neuhof vertreten hatte;auch Denis Dechant stünde bereit. In der Offensive sind die Alternativen ebenfalls zahlreich: Julian Keller, Niklas Theisen, Onur Özger, Niklas Bleuel und Benjamin Mwanza warten noch auf ihren ersten Startelfeinsatz, Yannick Kretsch durfte bislang nur in Weidenhausen von Beginn an ran. Vielleicht bekommen gar zwei Offensivspieler die Chance, sich zu beweisen, denn der angeschlagene Linksaußen Hamid Noori droht auszufallen.
Dass Petersberg nach dem letzten Ligaspiel sechs Tage zur Regeneration hatte, sein Team aber nur drei, sieht SGJ-Trainer Jochen Maikranz nicht als Vorteil, sagt aber dennoch, „dass wir die Riesenchance haben, uns vorne festzusetzen“. Vor dem Gegner hat Maikranz großen Respekt, schließlich verfüge er in Gollin über einen starken Trainer und in Stürmer Boris Aschenbrücker über einen Leader. Auch deswegen müsse sich sein Team auf ein zähes Geduldsspiel einstellen.
KSV Hessen Kassel II – Hünfelder SV (heute, 18.30 Uhr).
An David Luiz und dessen brasilianischen Nationalmannschaftskollegen fühlt sich dieser Tage Hünfelds Trainer Dominik Weber ab und an erinnert: „Die haben aber so eine unterirdische Leistung nur im WM-Halbfinale 2014 gegen Deutschland gebracht. Bei uns passiert das ja öfter.“ Neun Gegentore nach zwei Auswärtsspielen lassen Weber tief in sich gehen und zur Erkenntnis gelangen, „dass wir in der Abwehr vielleicht auch einfach so schlecht sind.“ Er selbst spielte früher Innenverteidiger in der Regionalliga und sollte wissen, woran im Training angesetzt werden muss. Doch stellt sich die Frage, wie man Quasi-Eigentore wie am Sonntag in Johannesberg abtrainieren kann.
Klar sei nur eines: „Wir werden den Fokus im Training wie im Spiel auf die Defensive legen und wer meint, nicht mitmachen zu müssen, der muss mit den Konsequenzen leben.“ Personell werde es in Kassel dementsprechend nicht wenige Änderungen geben – und letztlich sei jeder im Kader gefordert, „eine ganz krasse Reaktion zu zeigen“. Die Schuldigen macht Weber keinesfalls in den Youngsters wie Nicolas Häuser oder Jonas Hosenfeld aus, sondern erwartet insbesondere von den gestandenen Spielern eine Reaktion.
SG Bad Soden – TSV Rothwesten (heute, 19 Uhr).
Diese Woche wird die SG Bad Soden wie auch der Hünfelder SV auf eine harte Probe gestellt, binnen sechs Tage gilt es drei Verbandsligaspiele zu bestreiten. Das erste wurde höchst souverän gestaltet, doch nach dem 6:2-Kantersieg gegen Kaufungen warten nun zwei andere Kaliber. Zunächst erweist sich heute das Überraschungsteam der Liga die Ehre auf der Bornwiese, am Freitag erfolgt die Reise gen Hünfeld zu einem der Osthessenklassiker. Dass Sodens Trainer Kelvin King diese Ansetzung gelinde gesagt für unglücklich halte, sagte er bereits am Sonntag, doch jetzt gelte es das Beste daraus zu machen, "denn in Bad Soden sollen sich Hoch und Tief nicht ständig abwechseln". Vielmehr wolle man nun Konstanz in die Ergebnisse und Leistungen bekommen und die Chance nutzen, ein Topteam der Liga zu bezwingen.
TSV Lehnerz II – TSV Mengsberg (heute, 19 Uhr).
Mit fünf Punkten ist die Hessenliga-Reserve nicht zufrieden, beklagt von Woche zu Woche die mangelnde Chancenverwertung. Damit soll Schluss sein, das stellt Trainer Sedat Gören unmissverständlich klar: „Wir können nicht immer sagen, wir sind jung, jung, jung und wenn wir dann die Tore nicht machen, sagen, dass wir die halt nächste Woche machen. Diesmal gibt es keine Ausreden.“ Gören fordert gegen den Aufsteiger einen Sieg, der dafür Sorge tragen würde, dass sich der TSV in sicherere Tabellengefilde verabschiedet. Fehlen wird neben dem gesperrten Stürmer Robin Sorg das Mittelfeld-Quartett Paul Hohmann (privat verhindert), Leon Wittke (Australienaufenthalt), Maximilian Balzer (Aufbautraining) und Lukas Marvin Friedrich (Innenbandriss). Bei Friedrich ist das Fußballjahr gelaufen, eventuell muss er operiert werden. Gespielt werden muss ob der späten Anstoßzeit auf dem Kunstrasenplatz, den ist Lehnerz II gewohnt, trainierte dort die komplette vergangene Woche, weil auch bei der 1:3-Niederlage in Dörnberg am Sonntag Gummi statt Rasen angesagt war.
SV Neuhof – 1. FC Schwalmstadt (19 Uhr).
Nach dem 1:8 gegen Spitzenreiter SSV Sand und dem damit vorläufigen Höhepunkt der handfesten sportlichen Krise, hat sich der SV Neuhof selbst einen Maulkorb auferlegt und wird erst nach dem Schwalmstadt-Spiel für ein Statement zur Verfügung stehen – so zumindest berichtet dies Co-Trainer Martin Döppenschmidt. Gegen eben jener Schwälmer steht die Mannschaft ob der fünf Saisonniederlagen und dem katastrophalen Torverhältnis (4:23) gehörig unter Druck. Das 1:8 gegen den SSV Sand war die höchste Heimniederlage des SV Neuhof seit 57 Jahren. Höher verlor der SVN zu Hause zuletzt in der Saison 1959/1960 in der ersten Amateurliga (die heutige Hessenliga) beim 0:8 gegen den VfB Friedberg. Danach gab es noch zweimal acht Gegentoren in Heimspielen: 1980 beim 2:8 in der Kreisoberliga Süd (damals A-Liga Süd) gegen den TSV Rothemann und 2016 beim 3:8 in der Verbandsliga Nord gegen den TSV/FC Korbach. Schwalmstadt hat indes auch das fünfte Saisonspiel nicht verloren, steht nach der vergangenen Horror-Saison mit neun Punkt sehr ordentlich da.


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