Tim Mulfinger bereitet Erlensees Nachwuchs-Asse vor
Der ehemalige Hessenligastürmer des SV Flieden stieg mit Kressenbach/Ulmbach als Spielertrainer in die Gruppenliga auf, trainierte davor den FSV Bad Orb und spielte für die SG Bad Soden und den TSV Grebenhain über 200-mal in der Verbandsliga Nord. Beim 1. FC Erlensee trainiert Mulfinger im zweiten Jahr die zweite Mannschaft und ist mit dem jungen Ausbildungsteam nach sechs Spielen ungeschlagen.
Tim Mulfinger trainiert Nachwuchs vom 1. FC Erlensee
Der sportliche Erfolg sei jedoch nachrangig, sagt Mulfinger. „Ich definiere meine Trainerrolle hier in ausbildender Funktion. Deshalb befindet sich meine Mannschaft in einem ständigen Findungsprozess.“ Man müsse immer wieder ausloten, wie viel Aufwand die vielen Talente betreiben wollten und könnten, um den nächsten Schritt zu gehen. Es gehe nicht zuletzt um Persönlichkeits- und Werteentwicklung. „Es kommen immer wieder große Talente heraus, die den Schritt in die Hessenliga gehen könnten, aber sich erst an Seniorenfußball gewöhnen müssen. Den Spielern muss bewusst gemacht werden, welchen Aufwand sie betreiben müssen, um ihr Niveau zu steigern. Hier ist in erster Linie Fleiß gefragt. Aber das sind alles junge Menschen, die ihren Platz im Leben finden müssen. Wir fördern und zeigen Wege auf, wie man die Ansprüche koordinieren und planen kann. Auch für mich ist das ein spannender Prozess.“ Letztlich sei es immer eine ganz individuelle Entscheidung, die den Weg im Fußball bestimme.
Mulfinger, der selbst im höherklassigen Amateurbereich spielte und die Elite-Junioren-Lizenz des DFB besitzt, will sein Fachwissen weitergeben. „Meine Mannschaft ist immer mit personeller Fluktuation konfrontiert. Wir haben in einer Saison 15 Zu- und Abgänge.“ Einen stetigen Prozess der Veränderung mit 18- bis 23-Jährigen zu begleiten, sei sein Auftrag. Torjäger Philipp Müller (22), Erik Reutter (26), Justin Pollak (22) oder Ole Traxel (20) stünden stellvertretend für viele andere, die den Willen und die Einstellung für höhere Aufgaben mitbrächten. Ilija Ribicic (18) oder Johannes Gehrling sind in diesem Jahr den direkten Weg Richtung erste Mannschaft gegangen. „Es ist ein Entwicklungsprozess, zu dem auch Geduld gehört. Eine Geduld, die nicht jeder Spieler mitbringt.“ Mulfinger ist dabei im ständigen Austausch mit dem Chefcoach der ersten Mannschaft, Jochen Breideband.
Mulfinger zum Vergleich Gruppenliga Fulda und Frankfurt Ost
Der Zeitaufwand ist für den in Salmünster wohnenden Familienvater, der auch mit Hausbau beschäftigt ist, immens. „Ich darf den zeitlichen Aufwand gar nicht rechnen. Fußball bedeutet für mich Passion und am Ende bestimmst du als Trainer deinen Zeitaufwand auch selbst.“ Training, Vorbereitung, Nachbereitung, Videoanalyse, Gespräche mit Spielern, dem Trainerstab, dem Sportlichen Leiter und den Medien, das gehöre alles mit dazu. „Ich habe mit Piero Busetta und Almir Bekirov zwei sehr gute Assistenen, mit denen es gilt, den Aufwand zu koordinieren.“ Die Bedingungen in Erlensee kann Mulfinger nur loben: „Unsere Infrastruktur ist unser Fundament. Wir haben eine starke Sportanlage mit einem guten Rasenplatz, zwei Kunstrasenplätzen und einem Neunerfeld.“
Der Coach erklärt an einem Beispiel, wie straff die Organisation ist: „Wenn wir uns im Training umgezogen haben, kommen unsere Utensilien sofort in ein Taschenlager, damit die anderen Mannschaften duschen können, während wir trainieren.“ Mulfinger, der mit 37 Jahren selbst noch in der Gruppenliga mitspielen könnte, möchte den Jungen keinen Platz wegnehmen „Meine Trainerrolle gibt das nicht mehr her. Für mich ist es okay, außerdem schaffe ich es zeitlich nicht mehr, selbst zu trainieren.“
Zum gerne bemühten Vergleich zwischen Gruppenliga Fulda und Gruppenliga Frankfurt Ost sagt Mulfinger: „Die Ligen sind in der Spitze ähnlich stark, das habe ich schon zu Kressenbach/Ulmbacher Zeiten in Freundschaftsspielen gesehen. Aber das Gefälle ist anders. In Frankfurt spielen sieben, acht Mannschaften auf Topniveau, in der Gruppenliga Fulda sind es in der Regel drei bis vier.“ In Fulda habe man homogenere, gewachsene Mannschaften. Richtung Frankfurt sei das Teilnehmerfeld heterogener. Für Erlensee II sieht Mulfinger eine rosige Zukunft, auch wenn sie für einen Titelgewinn zu jung sei. „Meine Spieler müssen jetzt auch mal lernen, in einem vermeintlichen 0:0-Spiel den Todesstoß zu setzen. Da fehlt Routine. Aber wir erhöhen hier nicht den Druck, sondern zeigen Wege auf, wie aus fehlender Erfahrung Klasse werden kann.“ Zu seinem Amtsantritt sagte er vor einem Jahr: „Ich habe eine neue Aufgabe gesucht, bei der ich mich als Fußballtrainer verwirklichen kann.“ Für Tim Mulfinger ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.


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