Altmüller will "nicht mit Kohle um sich schmeißen"

Eiterfelds Torwart und "Finanzminister" im Gespräch

19. April 2016, 06:43 Uhr

Timo Altmüller ist mit sich im Reinen und verfolgt mit Eiterfeld klare Ziele. Foto: Johannes Götze

"Mit sich im Reinen“ will Timo Altmüller (35) in Kürze sein. Dann nämlich, wenn er die Kreisoberliga-Meisterschaft mit der SG Eiterfeld/Leimbach in trockenen Tüchern hat und die Torwarthandschuhe endgültig beiseite legen wird. Eigentlich war schon vor zwei Jahren Schluss, das Knie des 1,96-Meter-Hünen wollte nicht mehr. Eine Grenzerfahrung brachte ihn zurück auf den Platz bei den Eiterfeldern. Dort ist er gleichzeitig „Finanzminister“ und gewährt Einblick in die Planungen hinsichtlich der Gruppenliga.

Der scheidende Coach Florian Roth war stets um Zurückhaltung bemüht, nahm das Wort "Meisterschaft“ nie in den Mund. "Das war ein Stück weit unser Erfolgsrezept“, sagt Altmüller, der jedoch nun Realist genug ist: „Was soll ich auch sagen. Wir haben 18 Punkte Vorsprung, 21 sind nur noch zu verteilen.“ Gründe für die unerwartete Dominanz findet Altmüller vor allem in dem 2013 eingeleiteten Umbruch, als begonnen wurde mehr auf einheimische Spieler zu setzen, um nachhaltig Erfolg zu schaffen. Mit Roth als Trainer, mit Alex Hübbe, Hubert Wittner, André Wittner und Timo Altmüller als komplett neues Vorstandsteam des VfL Eiterfeld.

Dass sich etwas gewaltig ändern müsse, wurde für Altmüller im August 2012 deutlich, als Markus Pflanz nach zwei Spieltagen vom Traineramt zurücktrat und innerhalb einer Woche zudem die Spieler Julian Wehner, Mario Vogt, Dominik Oelschläger und Marcel Wolf in den Sack hauten. "Das war der Tiefpunkt. Ganz klar“, sagt Altmüller heute.

Das neue Vorstandsteam formierte sich, schnitt alte Zöpfe ab und baute in Florian Roth auf einen Trainer-Einsteiger: "Flo hat sich in der Zeit als Trainer selbst extrem weiterentwickelt, aber auch das Team extrem vorangebracht. Die Truppe ist in dieser Zeit diszipliniert geworden. Vor vier Jahren hat es, ganz ehrlich, teilweise keinen Spaß gemacht.“ Nun seien teilweise dieselben Spieler da, die hätten jedoch Bescheidenheit gelernt. Dementsprechend bereite Altmüller als ältestem Spieler im Kader jedes Training, jedes Spiel Spaß.

Alpenüberquerung als Wendepunkt

Für Altmüller, dessen Vater Gerd so etwas wie eine Torwartlegende im Werratal ist, wird nach der Saison dennoch Schluss sein. 2008 hatte er sich das hintere Kreuzband gerissen, sich nicht operieren lassen und in der Folge immer wieder Probleme mit dem Knie. Nach einem letzten Versuch beschloss er 2014 aufzuhören: "Da war ich allerdings nicht mit mir selbst im Reinen. Eigentlich hatte ich mir alles ein bisschen anders vorgestellt, musste mich aber mit der Rolle als Vorstandsmitglied, Zuschauer und Torwarttrainer abfinden.“ Als im Oktober des vergangenen Jahres keiner der ursprünglich eingeplanten Torhüter mehr zur Verfügung stand war, fragte Roth noch ein letztes Mal nach.

Altmüller sagte zu und leckte sofort Blut: "Weil einfach eine geile Mannschaft da war.“ Warum das Knie plötzlich wieder hält, verdankt der Controller im Finanzbereich einer Grenzerfahrung. Im August 2015 hatten er sich mit einem Kumpel eine Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran zum Ziel gesetzt. 180 Kilometer und 18.000 Höhenmeter in nur sechs Tagen. "Ich habe mich richtig fit gemacht, innerhalb von vier Wochen zwölf Kilo abgenommen. Die Muskulatur war wieder voll da.“

Der richtige Zeitpunkt für ein Comeback war gekommen, denn die Eiterfelder spielen eine Saison für die Geschichtsbücher, haben noch kein Spiel verloren und nur zweimal unentschieden gespielt. "Für mich ist das der perfekte Abschluss. Ich wurde noch nie Meister im Seniorenbereich. Es passt nun einfach alles und ich bin mit mir im Reinen.“

Ab der kommenden Runde wolle sich Altmüller auf die Arbeit mit den Torhütern Konstantin Fey und Marco Ludwig konzentrieren. Beides junge Keeper, die sich um den Platz im Tor streiten werden müssen. In ein paar Jahren könnte einer seiner Söhne nachrücken. Zumindest Phil (5) eifert dem Vater nach, Luca (7) fühle sich aktuell im Feld besser aufgehoben. Beide trainiert Altmüller, der deswegen mit Fug und Recht behaupten kann: "Ein Leben für den VfL." Und das, obwohl er nach vielen Stationen erst 2009 kam, sich in Eiterfeld jedoch schnell heimisch fühlte, mittlerweile dort ein Haus gekauft hat und den VfL nun als "Heimatverein" bezeichnet.

Schilling und Faust könnten kommen

Im Reinen ist auch das Vorstandsteam mit sich. "Verrückte Dinger“ sollen in Zukunft nicht mehr vollführt werden. Deswegen achten Altmüller und Co. bei der Kaderzusammenstellung vor allem auf eins: "Die Spieler müssen gesund in der Platte sein. Wir werden nicht mehr mit Kohle um uns schmeißen.“ Simon Schilling (Hünfelder SV) und Patrick Faust (zuletzt Hünfelder SV) wären zwei Spieler, die - wie Altmüller befindet - gut ins Konzept passen würden. Schilling kommt aus der Eiterfelder Kante und wuchs mehr oder minder am Hain auf, weil Bruder André dort jahrelang spielte. Faust hält sich aktuell bei der SG fit und wäre wohl auch im Winter schon gekommen, wenn der HSV die Freigabe erteilt hätte.

"Beide sind absolut interessante Spieler“, bestätigt Altmüller das Interesse. Endgültige Entscheidungen seien aber noch keine gefallen. Schilling und Faust würden in jenen Mannschaftsteil passen, indem die Elf, die ab Sommer Detlef Pabst (derzeit SG Dittlofrod/Körnbach) betreuen wird, am meisten Handlungsbedarf besteht. Denn die Innenverteidiger Philipp Münkel und Alexander Winkler werden nicht mehr zur Verfügung stehen. Münkel beendet seine Laufbahn, Winkler zieht nach Berlin. In Vincent Bernt (SVA Bad Hersfeld II) wurde bislang ein Spieler verpflichtet, Schilling und Faust würden gerne begrüßt werden. Und sonst noch? "Punktuelle Verstärkungen brauchen wir, denn wir wollen uns in der Gruppenliga etablieren.“ Dies war das interne Ziel des neuformierten Vorstands bei Amtsantritt. Erfüllt ist das noch nicht - aber ein großer Schritt ist getan.

Zur Person:

Timo Altmüller ist 35 Jahre alt und in Lengers aufgewachsen. Statt Weltmeister Uwe Bein nachzueifern, der ebenfalls aus Lengers kommt, folgte er lieber der Berufung seines Vaters Gerd und wurde Torwart. Zuerst beim heimischen TSV folgten in der Jugend Stationen in Rotensee/Wippershain und bei Borussia Fulda. Weil der Aufwand neben dem Abitur mit Pendelei nach Fulda und Hessenauswahl zu groß wurde, entschloss sich Altmüller zum Wechsel nach Heringen. Dort sammelte er erste Erfahrungen im Seniorenbereich. Nach einem "Seuchenjahr" bei Hessen Hersfeld folgten je drei Jahre in Rothenkirchen (2003 bis 2006) und Haunetal (2006 bis 2009), bevor sich Altmüller der SG Eiterfeld/Leimbach anschloss. Beim VfL Eiterfeld gehört er seit Anfang 2013 dem geschäftsführenden Vorstand als Kassenwart an. Altmüller ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als Controller im Finanzsektor ist er in Bad Brückenau tätig. Altmüller ist mit Frau Isabelle verheiratet und Vater von zwei Söhnen namens Luca (7) und Phil (5). Seine großen Hobbys neben dem Fußball sind Bergsteigen, Skifahren und elektronische Musik.

Autor: Johannes Götze

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