Aufgeschoben ist nicht gleich aufgehoben

Verbandsliga: Nullnummer reicht Steinbach nicht

08. Mai 2016, 17:57 Uhr

Foto: Charlie Rolff

Nein, heute sollte es noch nicht soweit sein. Trotz der – zumindest bedingten – Schützenhilfe des SV 07 Eschwege, der 1:1 gegen Hessen Kassel II spielte, konnte der SV Steinbach den Verbandsliga-Titel nicht eintüten. Das 0:0 im heimischen Mühlengrund gegen den 1. FC Schwalmstadt war zu wenig.

Das Szenario nach Abpfiff glich etwas den legendär bangen Minuten des FC Schalke 04 anno 2001. Denn das Spiel in Eschwege lief zehn Minuten länger als das in Steinbach. Doch Matthias Kreiselmeyer, Abteilungsleiter Eschweges, konnte an SVS-Funktionär Berthold Helmke lediglich „drückende Überlegeheit“ und „einen Pfostenschuss“ seiner Nullsiebener übermitteln. Der herbeigesehnte Siegtreffer Eschweges fiel nicht.

Und so musste sich Steinbach auch ein wenig an die eigene Nase fassen, schließlich hätte ein Tor genügt. Dass dies nicht fiel, war unterm Strich allerdings absolut okay. Schwalmstadt, selbst noch mit Kassel in den Kampf um Platz zwei verstrickt, begegnete den Gastgebern jederzeit auf Augenhöhe und verbuchte sogar die besseren Torchancen. In Halbzeit eins verpassten Serkan Erdem (12.), Sefa Cetinkaya (18.) und Steven Preuß (38.) die Führung, weil sie nicht zielstrebig genug agierten. Nach dem Seitenwechsel stand SVS-Keeper im Mittelpunkt, der gegen Jannis Lerch (74.) und den nur eingewechselten Senkrechtstarter Leon Lindenthal (85.) jeweils glänzend reagierte.

„Ich denke, dass das Ergebnis in Ordnung geht. Wir haben für diese Temperaturen ein sehr intensives Spiel gesehen, in dem deutlich wurde, dass beide Mannschaften zu Recht oben dabei sind“, fällte FCS-Trainer Hans Schweigert sein Urteil. Denn Schweigert vergaß nicht, dass auch Steinbach einige gute Gelegenheiten hatte. Allerdings ließ fast immer der letzte Pass zu wünschen übrig, sodass sich Sacir Nikocevic nur zweimal auszeichnen musste. Einmal bei Marcel Ludwigs Versuch in der 12. Minute, den er über die Latte lenkte. Das andere Mal bei Julian Rohdes Freistoß, der sich herrlich ins Eck zu drehen schien, der Keeper aber doch noch die Finger an das Spielgerät bekam (72.).

Michael Wiegand spekuliert auf feucht-fröhliche Heimfahrt

Als „erwartet guten Gegner“ bezeichnete Steinbachs Coach „Kalle“ Müller Schwalmstadt und war besonders von der körperlichen Präsenz angetan. Deswegen konnte er auch gut mit dem torlosen Remis leben, zumal er nicht damit gerechnet hätte, dass Eschwege Schützenhilfe leistet. Den einen fehlenden Punkt, so ist sich Müller sicher, werde über kurz oder lang noch auf das Konto des SVS wandern.

Möglichkeit Nummer eins ergibt sich am kommenden Samstag in Willingen (18 Uhr). Steinbachs „Sechser“Michael Wiegand könnte sich schlimmere Orte vorstellen, um den Deckel drauf zu machen. „Das wäre sicherlich eine gute Heimfahrt“, sagt er schmunzelnd und lässt auch in seinem Resümee zum Spiel gegen Schwalmstadt durchblicken, dass das 0:0 ein sehr gutes Ergebnis für Steinbach gewesen sei.

Was trotz höheren Ballbesitzanteilen fehlte, konnte Wiegand nur schwerlich ausmachen. Klar war: Im Steinbacher Spiel fehlte der letzte Zug zum Tor, die Außen waren nicht so agil wie sonst, erst der spät gekommene Publikumsliebling Sascha Schleinig sorgte für richtig Betrieb. Seine beste Aktion mündete im Freistoß Rohdes. Doch im Gegensatz zum Hinspiel, ließ sich Nikocevic nicht von ihm überlisten.

Die Statistik:

Steinbach: Motzkus – Bott, Terentew, Trabert, F. Wiegand – M. Wiegand, Paliatka – Kvaca (85. van Leeuwen), Rohde, Ludwig (70. Schleinig) – Münkel.
Schalmstadt: Nikocevic – R. Seck, Lerch, F. Seck, Kutzner – Wolf, Gerstung, Preuß, Lutz (81. Huber) – Erdem (62. Lindenthal), Cetinkaya.
Schiedsrichter: Jan Lübberstedt (Neuhof). Zuschauer: 250.

Autor: Johannes Götze