Bad Vilbel geht im sechsten Versuch leer aus
Hessenliga: 1:2-Niederlage gegen Hessen Kassel
Finstere Miene nach der sechsten Niederlage in Folge: Bad Vilbels Trainer Amir Mustafic. Foto: Steffen Turban
Die Gäste erwischten am Niddasportfeld einen Blitzstart und gingen sehr früh in Führung. Eine Hereingabe von der rechten Seite schob KSV-Stürmer Jon Mogge zum 1:0 ein (3.). Kassel war in der Anfangsphase klar tonangebend und hätte nach weiteren Torchancen schon nach fünf Minuten deutlicher vorne liegen können. FV-Torhüter Sadra Sememy bewahrte die Gastgeber gegen Marco Dawid vor einem höheren Rückstand. Nachdem die Wetterauer zu Beginn kalt erwischt wurden und mit dem 0:1 recht gut bedient waren, fingen sie sich in der Folgephase etwas. Dennoch kam der KSV immer wieder zu guten Möglichkeiten, beispielsweise traf Mogge in der 22. Minute den Pfosten.
Erst nach 24 Minuten kamen die Vilbeler nach einem Eckball zu mehreren klaren Einschussmöglichkeiten. Doch die Sturmreihe sowie Kapitän Knauer bekam den Ball aus kürzester Distanz nicht im Tor unter. Ob Unvermögen oder fehlende Qualität, die Abschlussschwäche verfolgt die Grün-Weißen schon seit Wochen. Vor 405 Zuschauern, davon über 100 Gästefans aus Nordhessen, nahm Hessen Kassel die knappe Führung mit in die Kabine. "Wir haben ein intensives Spiel gesehen mit einem Gegner, der fußballerisch viel auf den Platz gebracht hat", analysierte KSV-Trainer Tobias Cramer in der Nachbetrachtung und ergänzte: "Die Ballzirkulation bei Bad Vilbel ist sehr gut. Es fehlt vielleicht etwas das Spielglück."
Lobeshymnen, die Heimtrainer Amir Mustafic langsam nicht mehr hören kann, denn im zweiten Durchgang zogen die Gäste weiter das Tempo an, reklamierten erst einen Elfmeter an Mogge, dann verzog der Stürmer freistehend über das Tor und Vilbel kassierte wie in der Vorwoche ein Standardtor. Nach einer Ecke von links köpfte Ingmar Merle zum 2:0 für Kassel ein (66.). Der KSV, der von einem abgegrenzten Ultrablock lautstark unterstützt wurde, befand sich jetzt auf der Siegerstraße.
Kurzzeitige Spielunterbrechung
Doch dann gab es Probleme mit jenen fanatischen Anhängern. Die eingesetzten Schwenkfahnen behinderten die Arbeit des Linienrichters. Schiedsrichter Patrick Haustein aus Buseck unterbrach die Partie kurz. "Ich habe das wohl missverstanden und bin statt zur Security direkt zu den Fans gegangen", räumte Bad Vilbels Kapitän Thorben Knauer hinterher ein. Jedenfalls fanden die Ultras das nicht so lustig und es kam zu einer kurzzeitigen tumultartigen Situation zwischen KSV-Fans und FV-Spielern. Eigentlich wäre in diesem Fall eher der Kassel-Kapitän die geeignete Person gewesen, um zu deeskalieren. Nachdem sich die Gemüter wieder abgekühlt hatten, ging es in die Schlussphase der Partie. Bad Vilbel kam durch den Flachschuss von Kristijan Bejic auf 1:2 heran (81.) und der Ex-Alzenauer hätte danach sogar ausgleichen können. Kassel setzte bei einem Konter in Gestalt von Adrian Bravo Sanchez den Ball noch an den Pfosten und brachte den Auswärtssieg dann über die Zeit. "Ich muss an der Chancenverwertung ansetzen, die wir besser nutzen müssen, um das Spiel noch ruhiger runterspielen zu können. Durch den Stellungsfehler beim 1:2 schnupperte Bad Vilbel am Unentschieden. Wichtig sind die drei Punkte, damit das Kasseler Umfeld wieder ruhiger wird", konstatierte Cramer.
Mustafic sprach die taktische Änderung an, denn statt mit der üblichen Dreierkette operierten die Brunnenstädter mit der Viererkette. "Nach drei Minuten war ich wegen der Unsicherheiten schon unzufrieden, aber so früh wechsele ich nicht den Plan. Gegen Kassel so früh zurückzulegen ist nicht so einfach. Wir hätten in der einen Szene den Ausgleich machen müssen. Leider bekommen wir wie in Waldgirmes ein Standardtor. Nach dem 0:2 sind wir zurückgekommen und hatten danach die Ausgleichschance. Mit 2:2 wären wir gegen Kassel sehr zufrieden gewesen. Ich würde uns noch nicht abschreiben, weil wir in keinem Spiel unterlegen waren", will Mustafic die Flinte noch nicht ins Korn werfen.
Die Statistik:
FV Bad Vilbel: Sememy - Ono, Aslan (46. Emmel), Alik, Huwa (7. Sabic) - Tilger (67. Maksumic), Knauer, Grüter - Bejic, Knell, Bauscher.
KSV Hessen Kassel: Hartmann - Brandner, Allmeroth, Häuser, Najjer - Brill - Bravo Sanchez, Schwechel (82. Baumgarten), Merle, Dawid - Mogge (90. Unzicker).
Schiedsrichter: Patrick Haustein (Buseck).
Zuschauer: 405.
Tore: 0:1 Jon Mogge (3.), 0:2 Ingmar Merle (66.), 1:2 Kristijan Bejic (81.).

