Brendel: "Das fühlt sich blöd an"

Hessenliga: Unglücklicher SCB kommt über 1:1 in Alzenau nicht hinaus

05. Dezember 2015, 16:00 Uhr

Marcel Trägler verschoss einen Foulelfmeter.

Auch in Unterfranken war es nichts mit dem ersten Auswärtssieg dieser Saison für den SC Borussia Fulda: Die Schützlinge von Thomas Brendel mussten sich mit einem 1:1 (0:1) bei Bayern Alzenau begnügen. Ein Unentschieden, dass ob der Vielzahl an Fuldaer Möglichkeiten als bitter anzusehen ist. Dennoch mussten die Osthessen aufgrund eines Spielverlaufs mit Pleiten, Pech und Pannen fast noch mit dem Punkt zufrieden sein.

"Ich weiß nicht, ob ich zufrieden bin oder nicht nach diesem Spiel. Es fühlt sich irgendwie blöd an", war sich Borussen-Coach Thomas Brendel nach Abpfiff nicht ganz sicher, wie er die eigenartige Partie bewerten soll. Auf der einen Seite konnte man im Lager der Gäste eigentlich nur mit dem Kopf schütteln, wie es der SCB fertig brachte, bei einem Chancenverhältnis von 15:2 lediglich einen Treffer zu erzielen. Auf der anderen Seite erlitten die Fuldaer während der 90 Minuten mehrfach mentale Rückschläge, nach denen man erst mal einen Punkt holen muss.

Die Borussen starteten stark in die Partie, hatten die Hoheit im Mittelfeld für sich gepachtet und kombinierten sich immer wieder über außen gefällig durch. Gerade Linksverteidiger Felix Beck machte ein Riesenspiel, war kaum als Teil der Viererkette auszumachen, weil er so oft in der Offensive agierte. Die Alzenauer dagegen, die gerade in der Defensive in dieser Saison zu den schwächsten Teams der Liga gehören, agierten völlig verunsichert.

So entstanden schnell die ersten Möglichkeiten für die Borussen, die aber immer wieder an Ricardo Döbert im unterfränkischen Kasten oder ihrem eigenen Unvermögen scheiterten. Die besten von sechs, sieben dicken Möglichkeiten in der ersten halben Stunde vergaben Matija Poredski, der einen Trägler-Freistoß an den Pfosten leitete (27.) und eine Minute später Ingmar Merle, der frei vor Döbert seinen Schuss zu ungenau platzierte. Diese Fahrlässigkeit sollte sich in der 37. Minute rächen: Nach einem Freistoß des Alzenauer Spielertrainers Jochen Seitz riss der im eigenen Strafraum abermals unglücklich agierende Poredski Boutakhrit um, den fälligen Strafstoß - also die erste Alzenauer Chance - verwandelte Marco Fritscher zum 1:0.

"Wir hatten schon viel Glück", musste auch Seitz gestehen, der allerdings zu Bedenken gab, "dass das Spiel vielleicht anders im zweiten Durchgang verläuft, wenn Nico Koukalias kurz nach der Pause das 2:0 macht." In besagter 49. Minute hatten die Unterfranken die einzige Chance aus dem Spiel heraus, danach drückten nur noch die Borussen. Die überboten sich allerdings in slapstickreifen Aktionen: Erst verschoss Marcel Trägler einen Elfmeter, den er selbst herausgeholt hatte (59.), wobei Brendel befand, "dass Marcel nicht gut im Spiel war und vielleicht gut daran getan hätte, wenn er den Ball einem anderen überlassen hätte." Vier Minuten später drückte Nikola Milankovic eine Freistoßflanke von Beck am langen Pfosten ins Tor. Bitter: Der Serbe stand im Abseits, und der Ball wäre wohl auch ohne sein Zutun ins Netz gegangen.

"So wie das läuft, wird das heute nichts mehr", schwante Martin Hohmann nach diesen kuriosen Szenen schon Schlimmes, doch der Sportliche Leiter des SCB wurde eines besseren belehrt, als zunächst Cino Schwab gut den Ball im Halbfeld erkämpfte und Ingmar Merle sich aus 20 Metern mal ein Herz fasste und traumhaft in den Winkel traf (70.). Auch danach stand Alzenau unter Dauerbeschuss, unter anderem wurde Jonathan Müllers Schuss auf der Linie geklärt, doch der Ball sollte an diesem Tag auf einfachem Wege nicht ins Tor. Bitter, dass sich Sasa Dimitrijevic dann auch noch die Rote Karte holte, als er den schwer aufzuhaltenden Philipp Beinenz bei einem Alzenauer Konter von hinten umsäbelte. So kam Neuzugang Benjamin Fuß nach seiner langen Knieverletzung in der Schlussphase noch zu seinem Debüt im Fuldaer Dress und schaukelte am Ende wenigstens noch das 1:1 mit über die Bühne.

"Man merkt, dass wir einen top Charakter haben und die Köpfe nie runter gehen", hob Thomas Brendel deshalb nicht zu Unrecht hervor. Martin Hohmann pflichtete bei, "dass wir spielerisch wieder gut unterwegs sind und uns die Chancen herausspielen. Aber es bleibt dabei: Es fehlt der letzte Punch vorne drin, die Stürmer müssen einfach zielstrebiger agieren." Beide hoffen schließlich, "dass der Ärger über die verschenkten zwei Punkte der Bedeutung des Punktgewinns am Ende der Saison weicht."

Alzenau: Döbert; Kallina, Seitz, Ulbricht, Boutakhrit - Steigerwald - Beinenz, Grünewald, Fritscher (83. Alexander), Koukalias - Kresovic (75. Wissel).
Fulda: Wolf; Dimitrijevic, Schad, Milankovic, Beck - Jaksch, Schwab - Trägler (61. J. Müller), Pomnitz (88. Fuß), Merle - Poredski (90.+3 Schirmer).
Schiedsrichter: Volker Höpp (Ranstadt). Zuschauer: 300. Tore: 1:0 Marco Fritscher (38., Foulelfmeter), 1:1 Ingmar Merle (70.). Besonderes Vorkommnis: Marcel Trägler (Fulda) scheitert mit Foulelfmeter an Ricardo Döbert (59.). Rote Karte: Sasa Dimitrijevic (Fulda) wegen groben Foulspiels (87.).

Autor: Christian Halling

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