"Hessenliga kann ich mir nicht mehr vorstellen"
Gruppenliga Frankfurt Ost: Seligenstadts Jan Hertrich feiert Comeback
An den Tag seiner Verletzung erinnert sich Jan Hertrich noch ganz genau. Es passierte im letzten Heimspiel seiner Sportfreunde Seligenstadt in der letzten Saison gegen Viktoria Griesheim. "Das hab ich leider noch genau vor Augen. Es war zwei, drei Minuten vor Schluss ein Zweikampf in unserer Hälfte. Ich wollte meinem Gegenspieler den Ball wegspitzeln, verdrehe dabei main Bein und dann komme ich sehr dumm auf. Es hat sehr, sehr weh getan", so der 25-Jährige, der zuvor noch nie etwas am Knie gehabt hat. "Nach einer Stunde kühlen und Behandlung war es gar nicht mehr so schlimm. Es war das letzte Heimspiel und wir wollten mit der Mannschaft im Clubhaus noch ein paar Bierchen trinke, aber meine Physiotherapeutin hat mir dann doch ins Gewissen geredet und ins Krankenhaus geschickt. Was natürlich im Endeffekt die richtige Entscheidung war."
Am Ende stand die Diagnose Kreuzbandriss. Schon vorher hatte sich Hertrich aufgrund einer "Misskommunikation" für einen Wechsel zur SG Bruchköbel entschlossen. "Prinzipiell wäre ich gar nicht weggegangen. Aber es war lange nicht klar, ob es runter geht oder nicht. Bevor ich gar nichts habe, bin ich dann nach Bruchköbel gegangen." Doch bei seinem neuen Verein lief es aber gleich zu Beginn überhaupt nicht. "Ich habe unter anderen Vorraussetzungen zugesagt. Die Zielsetzung war eine andere. Dann sind der Trainer und der Sportliche Leiter zurückgetreten, wegen denen ich gekommen bin." So stand bereits im Oktober seine Rückkehr nach Seligenstadt fest, wo er zuvor "seit dem Seniorenbereich" gespielt hat. In der Jugend ist Hertrich für seinen Heimatverein Germania Klein-Krotzenburg, die SG Rosenhöhe und in der A-Jugend für die TS Ober-Roden aufgelaufen.
"Gruppenliga oder Verbandsliga reichen mir"
Seit Samstag hat die lange Leidenszeit also ein Ende und Hertrich ist zurück im Trikot der Sportfreunde. "Es war auf jeden Fall cool", beschreibt er seine Rückkehr auf den Platz. "Vorher hatte ich das Gefühl, dass ich über 90 Minuten ran muss, weil wir Personalprobleme hatten. Die 15 Minuten haben aber voll und ganz gereicht." Jetzt gilt es für den Lehramtsstudenten, der in Darmstadt auf seinen Abschluss für die Fächer Chemie und Sport hinarbeitet, erstmal wieder richtig fit zu werden. "Das ist das Primärziel. Das Jahr nach einer so schweren Verletzung ist immer etwas schwierig, aber ich möchte so schnell wie möglich wieder an meine Leistung anknüpfen und der Mannschaft helfen."
Diese Hilfe können die Sportfreunde auch gut gebrauchen. Denn mit der bisherigen Saison "sind wir eher nicht zufrieden. Gegen die vermeintlich guten Mannschaften haben wir gut gespielt und gegen die vermeintlich schlechteren verloren", beschreibt Hertrich das Auf und Ab. "Wir versuchen, noch nach oben zu rutschen. Platz neun ist nicht das Ziel." Seine Position sieht er dabei im Mittelfeld. "In der Hessenliga habe ich immer Außenverteidiger gespielt, aber jetzt eher auf der 'Sechs' oder weiter vorne", so der Allrounder, der mit Seligenstadt aus der Verbandsliga aufgestiegen war und die letzten vier Spielzeiten in Hessens höchster Spielklasse gekickt hat.
Eine Liga, die mittlerweile für ihn aber nicht mehr in Frage kommt. "Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht noch einmal vorstellen, Hessenliga zu spielen. Der Aufwand ist einfach sehr, sehr hoch dafür, dass man dann Samstags zwei, drei Stunden nach Nordhessen fährt. Das sind dann auch nicht immer die Highlight-Spiele. Die Hessenliga ist nich so attraktiv momentan. Da müssten schon mehrere Faktoren zusammenkommen, dass ich da nochmal spiele. Die Gruppenliga oder Verbandsliga reichen mir ehrlich gesagt aus." Und wer weiß. Vielleicht kann Hertrich den Sportfreunden künftig soweit helfen, dass zumindest der Sprung eine Liga höher wieder gelingt. Dann würde sich auch für ihn der Kreis schließen.

