Lars Schmidt verlässt Seligenstadt

Hessenliga: Thomas Marton verantwortlich

15. Mai 2017, 13:58 Uhr

Seligenstadts Coach Lars Schmidt verlässt den Verein. Foto: Patrick Scheiber

Nachdem die Sportfreunde aus Seligenstadt den Rückzug aus der Hessenliga in die Gruppenliga Ost bekannt gegeben haben, stellt sich der Verein um Abteilungsleiter Sven Kittler neu auf: Während Hessenliga-Coach Lars Schmidt den Verein verlassen wird, übernimmt Thomas Marton - derzeitiger Übungsleiter der Reservemannschaft - das Kommando an der Seitenlinie.

Für Lars Schmidt ist es nicht das erste Mal, mit einem Verein einen Ligarückzug zu erleben. Vor sechs Jahren führte der Ex-Profi die TGM Jügesheim in die Hessenliga und wurde in der Saison 2013/2014 Meister. Aufgrund finanzieller Probleme verzichtete der Verein damals allerdings auf sein Aufstiegsrecht in die Regionalliga Südwest und trat 2014/15 in der siebtklassigen Gruppenliga an. "Damals waren es vereinsinterne Querelen, jetzt ist die Situation anders: Die Diskussionen um den Ligaverbleib wurden in Seliegenstadt schon seit Januar geführt. Letztendlich ist es die Entscheidung des Vereins. Es wird immer schwerer, Ehrenamtliche zu finden. Manfred Deutschbein, der kürzlich verstorben ist, hat auch sehr viel für den Verein getan. Mit tun einfach die Jungs leid, weil ich unabhängig von der Entscheidung meine Mannschaftsplanung vorangetrieben habe", sagt Schmidt. Um seine sportliche Zukunft macht er sich keine großen Sorgen, weil "ich immer am besten damit gefahren bin, wenn ich mir keine großen Gedanken gemacht habe. Ich lasse alles auf mich zukommen."

"Lars Schmidt wäre sogar zu Gesprächen bereit gewesen, er wollte aber Thomas Marton nicht dessen Reservemannschaft wegnehmen, weil der sie aufgebaut hat", sagt Abteilungsleiter Sven Kittler, und weiter: "Ich kenne Lars schon ewig. Er ist ein fairer Sportsmann, mit dem ich schon viel zusammen erlebt habe, bevor er als Trainer zu uns gekommen ist. Vielleicht nimmt er sich ja mal eine Auszeit im kommenden Jahr." Zur weiteren Zugehörigkeit in Sachen Spielerverbleib laufen derzeit Gespräche mit Tobias Leis, Christoph Stefani, Patrick Hofmann und Philipp Hochstein. "Wenn wir zwei von den vier Spielern halten könnten, wäre das schon super. Dann stellen wir in der Gruppenliga eine Spitzenmannschaft und sind vermutlich schon wieder recht schnell höherklassig. Dem Thomas will ich auf jeden Fall eine ordentliche Mannschaft zur Verfügung stellen", gibt sich Kittler optimistisch.

Gründe für den Rückzug

Den Kader betreffend sieht Kittler keinen Zusammenhang zum Rückzug aus der Hessenliga: "Aufgrund der finanziellen Situation wäre ein Großteil sowieso gegangen. Wären wir in der Hessenliga geblieben, hätten wir den Etat auch drastisch kürzen müssen. Die finanzielle Belastung wurde einfach zu hoch. Wenn Du nach jedem Sponsor schauen und auf jeden Euro achten musst, nur um im Rennen zu bleiben, dann belastet das und macht mittelfristig keinen so großen Spaß mehr, obwohl wir das noch im nächsten Jahr hätten stemmen können."

Die Gründe für den Ligarückzug fasst Seligenstadts Chef auch noch einmal zusammen: "Die Verantwortung ist aktuell geld- und arbeitstechnisch auf zwei bis drei Köpfe verteilt. Ich kann und will nicht ununterbrochen nur mit wenigen anderen investieren und schuften. Auf unserer gestrigen finalen Besprechung habe ich gesagt, dass wir gerne weitermachen können, wenn mir jemand 50-60 Tausend Euro hier und jetzt auf den Tisch legt. Zuzüglich der Werbeeinnahmen hätte das dann wieder gepasst, ist aber auch bei 200 Zuschauern im Schnitt mittelfristig zu kurz gesprungen."

Bemerkenswert war laut Kittler die Solidarität sowohl von Vereinen aus der Hessenliga als auch aus der hiesigen Region: Kittler zeigte sich "beeindruckt vom Hessenligisten TSV Lehnerz aus dem osthessischen Raum, zu denen wir einen Super-Kontakt haben, nicht nur, weil wir im Sponsering verpartnert sind. Sie fragten uns, ob sie weiterhelfen können, eventuell mit Spieler-Tauschgeschäften. Auch Regionalligist Kickers Offenbach hat uns angeboten, deren A-Jugendspieler bei uns zu parken. Das galt aber nur für den Hessenliga-Verbleib."

Autor: Christoph Weß

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