Makengos Eklat sorgt bei Seitel für ganz viele Emotionen
Hessenliga: Steinbachs Sieg gerät etwas ins Abseits
Jean Bosco Makengo (links, hier gegen den TSV Lehnerz) sorgte für einen selten gesehenen Eklat. Archivfoto: Charlie Rolff
Für Aufregen sorgte aber vor allem eine Aktion direkt vor der Pause: Jean Bosco Makengo, Griesheims Rechtsaußen, verließ mitten während des Geschehens den Platz, zog sein Trikot aus, trat eine Wasserkiste auf die Tartanbahn und saß anschließend wortlos auf der Auswechselbank. Verletzt war er nicht, er schien ganz einfach mit der allgemeinen Situation unzufrieden und ließ im Besonderen seine Mannschaftskameraden im Stich. Schiedsrichter Christoph Rübe (Vellmar) entschuldigte sich beinahe für die Gelbe Karte, die er ihm noch unter die Nase strecken musste.
Was in Makengo gefahren ist, konnte nicht sofort aufgeklärt werden, auf Fragen seines Trainer Peter Seitel reagierte er auf der Bank kauernd nicht mehr – wo er auch noch nach Abpfiff saß. Ein Betreuer der Viktoria fasste die Situation aber treffend zusammen: "Und da muss sich niemand mehr wundern, dass wir absteigen." Es sprach für Seitel, dass er in einem solch wichtigen Spiel schnell einen persönlichen Haken unter die Geschichte machte und Makengo mit seinen Gefühlen allein ließ – zumindest vorerst. Dass Petr Kvaca die allgemeine Unruhe nicht zu nutzen wusste, passte hingegen in die Situation des SVS, denn wenige Sekunden nach Makengos Eklat konnte er den Ball am langen Pfosten nicht über die Linie drücken (45.).
Doch während Griesheim auch in der Pause nicht den Schalter fand, der nötig gewesen wäre, um aus Steinbach Zählbares mitzunehmen – Seitel, den das in Durchgang mehrfach verbal auf die Palme brachte, ihn aber irgendwann voerst resignieren ließ –, hatte der SVS deutlich mehr Willen und auch spielerische Möglichkeiten: Klasse, wie das 1:0 mit zwei Seitenwechseln eingeleitet wurde und Kvaca mit einem herrlichen Distanzschuss an den Pfosten Florian Münkel zum Toreschießen einlud (51.). Und weil Torjäger Pascal Stork, der erstmals wieder von Anfang an auflief, zweimal den Ausgleich verpasste, durfte Markus Schaub das 2:0 nach einer Ecke Marcel Ludwigs erzielen (64.).
Seitel macht Ärger Luft
Die eigentlich beruhigende Führung ließ die Viktoria plötzlich aufwachen: Der eingewechselte Ahmet Caglar bediente Samir El Fahfouy, der den Anschluss herstellte und Pedro Araujo da Silva eine Minute später den Ausgleich verpasste (70.). Ludwig machte später den Deckel für Steinbach drauf, was Trainer Petr Paliatka ein vergnügliches Strahlen abringen konnte: "Die Jungs haben sich das einfach verdient, aber wir wollen das jetzt nicht an die große Glocke hängen." Aber dennoch war er froh, wie sein Team noch zueinander steht – beim Blick wenige Meter weiter bei sich zerfleischenden Griesheimern.
Denn deren Auftritt war mit Ausnahme von maximal zehn Minuten erschreckend, was Seitel nach seiner Phase der Resignation zum verbalen Ausbruch brachte. Auszüge seiner lautstarken Tiraden in Richtung gähnender Leere gefällig? "Es ist skandalös, was die Spieler hier an einer Respektlosigkeit gegenüber dem Trainer im letzten halben Jahr gezeigt haben" oder "gut, dass die ganze Scheiße in drei Wochen vorbei ist" oder "wie ich hier verarscht wurde, obwohl ich den Jungs auch noch Geld besorgt habe" oder "die besten Whats-App der letzten fünf Monate der Spieler wegen Absagen poste ich mal" oder "ich mache seit 30 Jahren Fußball, mir hat noch nie einer ein Trikot vor die Füße geschmissen". Es sei aus ihm herausgebrochen, sagte er nach Abpfiff, stand aber bedingungslos zu seinen Worten und nahm auch zu Makengos Aktion Stellung: "Er hat nichts mehr zu mir gesagt, ich habe ihn in den vergangenen Wochen wohl zu hart kritisiert."
Was den hochemotionalen Seitel aber auch beschäftigte? Die Schiedsrichter-Ansetzung. Nach dem 0:2, als Seitel einen klaren Abstoß statt einer Ecke wahrgenommen hatte, legte er los und nur wenige Minuten später bei einer strittigen Abseitsentscheidung nach. Dass Rübe für den OSC Vellmar und damit größten Konkurrenten Griesheims um den Klassenerhalt pfeife, konnte und wollte Seitel nicht nachvollziehen. Aber Seitel konstatierte nachher fast versöhnlich: "Dass die beiden Dinger von Pascal die größten Chancen seit Weihnachten für uns waren, sagt alles. Das war heute ohnehin der Abstieg."
Die Statistik:
SV Steinbach: Motzkus – F. Wiegand, T. Wiegand (46. Bott), Trabert, Ristevski – Schaub, Paliatka – Ludwig, M. Wiegand, Kvaca – Münkel.
SC Viktoria Griesheim: Sejdovic – Muhl, Schumacher, Walter, Aranjo da Silva – El Fahfouy, Kim (59. Caglar) – Makengo (46. Lampert), Vranesevic, Salii – Stork.
Schiedsrichter: Christoph Rübe (OSC Vellmar).
Zuschauer: 110.
Tore: 1:0 Florian Münkel (51.), 2:0 Markus Schaub (64.), 2:1 Amir El Fahfouhy (69.), 3:1 Marcel Ludwig (83.).


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