"Asches" Laufbahn

Platzsprecher statt Torjäger

Boris Aschenbrücker hört nach 31 Jahren auf

23. Juli 2020, 08:19 Uhr

Ob Boris Aschenbrücker bei der künftigen Abschiedsfeier eine Schampusdusche bekommt? Die ehemaligen Mitspieler des RSV Petersberg werden sich sicherlich nicht lumpen lassen. Foto: Charlie Rolff

Nach 31 Jahren im Trikot des RSV Petersberg hat Boris Aschenbrücker Schluss gemacht mit dem „großen“ Fußball. Man wird ihn vermissen: den Torjäger, aber vor allem den in all den Jahren immer sauberen und fairen Sportsmann.

Hinter Aschenbrücker liegt eine Karriere mit vielen Höhen, aber auch etlichen Rückschlägen. Zwei Leistenoperationen, ein Anriss des Kreuzbandes, ein Milzriss (erlitten im September 2006 beim Spiel beim VfL Kassel, die Milz musste entfernt werden) und nicht zuletzt die böse Aktion des Korbacher Spielers Yüksel K., der ihn am Boden liegend in einem Rausch von Gewalt brutal gegen den Kopf trat und ihm mehrere Brüche im Gesicht sowie eine lange Pause einbrachte. Aschenbrücker hatte eine bewegte Laufbahn.

„Natürlich gab es diese Rückschläge, aber es hat mir immer Spaß bereitet. Auch weil das die Ausnahmen waren. Man muss außerdem sagen: In all den Jahren war nicht ein einziges Jahr beim RSV dabei, in dem es innerhalb der Mannschaft nicht funktioniert hat. Das waren durchweg klasse Truppen. Wir hatten nie irgendwelche Pflegefälle im Team, sondern immer viele Vereinsheimer“, so der 36-Jährige, der mit „Vereinsheimer“ die Art von Spielern meint, die nach dem Training und dem Spiel noch gemeinsam die Zeit verbringen. „Das Drumherum in Petersberg passt einfach. Ich denke an Leute wie Wigbert Mahr. Der lebt den Verein. So etwas hat mir schon immer imponiert.“

Und so steht auch längst fest, dass „Asche“ dem RSV nicht den Rücken kehren wird. „Wir werden schon eine vernünftige Aufgabe für mich finden“, sagt Aschenbrücker und fügt lachend hinzu: „Ab und an Platzsprecher oder den ein oder anderen Grill- oder Thekendienst werde ich garantiert machen. Das haben wir als Spieler schon gerne getan, wenn wir mal nicht spielen konnten“, schildert der ehemalige Stürmer, der sich gerne anders von der Fußballbühne verabschiedet hätte. Corona verwehrte ihm aber einen Abschied auf dem Feld.

„Klar hätte ich gerne ein letztes Spiel erlebt und danach ein bisschen gefeiert. Aber das holen wir bestimmt anders nach. Schade ist der Saisonabbruch besonders, weil ich mir sicher bin, dass wir eine super Rückrunde gespielt hätten. Ich persönlich hatte unter Jürgen Krawczyk meinen Fitnesshöchststand – und das mit 36 Jahren. Wir waren gnadenlos fit und hätten noch einiges an Boden gut gemacht“, ist Aschenbrücker überzeugt.

Nur ein Angebot war verlockend

Gezuckt hat „Asche“ indes nur ein einziges Mal, als es um Angebote anderer Vereine ging. „Normalerweise habe ich bereits frühzeitig überall abgesagt, als es in den vergangenen Jahren Nachfragen in Richtung des Spielertraineramtes gab. Einmal musste ich allerdings ein, zwei Nächte über ein Angebot schlafen. Nach Gesprächen mit dem TSV Lehnerz habe ich einen kurzen Moment tatsächlich über einen Wechsel nachgedacht“, gibt Aschenbrücker zu, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Dienstjubiläum bei Tegut feiert, wo er als Teamleiter in der Logistik tätig ist.

Was den Fußball angeht, bleiben rückblickend jede Menge unvergessene Erinnerungen: „Highlights waren immer die Spiele in Willingen. Dort sind wir jahrelang auch immer zum Skispringen hingefahren und haben danach im Willinger Sporthäuschen übernachtet. Da waren schon etliche herrliche Tage mit dabei“, erklärt die RSV-Ikone schmunzelnd und erinnert sich gerne an die Zeiten mit Teamkollegen wie Alex Lembcke oder Heiko Rützel zurück: „Da waren wir jung und haben gefeiert was das Zeug hielt. Auch Leute wie Nico Reith oder Patrick Stupp waren immer dabei. Das war schon klasse.“

Bleibt nur noch die Frage, wo man Aschenbrücker in Zukunft auf dem Sportplatz antrifft? „In Petersberg. Ich werde sehr oft bei den Spielen vor Ort sein und mich außerdem bei den Alten Herren fit halten, regelmäßig joggen gehen und auch öfter Tennis spielen gehen.“

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