Pokalknaller: Türk Gücü Hanau wirft Nidda raus

Hessenpokal: Im Elfmeterschießen nach 0:3-Rückstand!

30. August 2017, 23:31 Uhr

Türk Gücü Hanau hatte in diesem unfassbaren Pokalfight am Ende die Nase vorne. Foto: Pedro Acebes

In einem Wahnsinns-Pokalabend hat Ost-Gruppenligist Türk Gücü Hanau den klassenhöheren Süd-Verbandsligisten SC Viktoria Nidda am Mittwochabend aus dem Hessenpokal geworfen. Die Mannschaft von Trainer Blerim Petrovci holte dabei einen scheinbar aussichtslosen 0:3-Rückstand auf, erzwang mit dem 3:3 in der fünften Minute der Nachspielzeit die Verlängerung und setzte dem Wahnsinn mit dem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen die Krone auf.

Türk Gücü Hanau - SC Viktoria Nidda 3:3 nach Verlängerung (3:3/0:1), 5:4 im Elfmeterschießen

Viktoria Nidda sah im Spiel der zweiten Runde des Hessenpokals nach 77 Minuten mit einer 3:0-Führung wie der sichere Sieger aus und war bis dahin auf dem Hartplatz der Rudi-Völler-Sportanlage in Hanau-Lamboy die klar bessere Mannschaft. Die meisten der knapp 200 Zuschauer, die sich hinter zwei simplen Absperrbändern positionierten, hatten da den Glauben an den aktuellen Tabellenführer der Gruppenliga Frankfurt Ost verloren. Denn der Verbandsligist hatte in einer recht zähen ersten Hälfte durch den Treffer von Noah Michel mit 1:0 geführt (27.) und den Einzug in die lukrative 3. Runde des Hessenpokals durch den Kopfball von Jonathan Jung auf Freistoßflanke von Kapitän Sven Diedrich zum 2:0 (66.) und den Dropkick des Spielführers zum 3:0 (77.) scheinbar schon eingetütet. Und weil der Büdinger Kreisvertreter das vierte Tor verpasste, wurde es nach dem Anschlusstreffer von Abdullahnan Acikel zum 1:3 (79.) plötzlich wieder spannend. Die Türken witterten angetrieben von der südländischen Begeisterung ihres Publikums Morgenluft und nach dem 2:3 von Dominik König war endgültig wieder alles offen (83.).

Schiedsrichter Dennis Meinhardt aus Fulda zeigte dann drei Minuten Nachspielzeit an, tatsächlich zog sich der Nachschlag aber bis in die fünfte Minute weiter. Mit der letzten Aktion des Spiels brachte Alessandro Fröb den letzten Freistoß in den Strafraum, Hanaus mit nach vorne geeilter Torhüter Muhammed Tok verlängerte per Kopf zu Kapitän Tim Müller, der tatsächlich den wie verrückt umjubelten Ausgleichstreffer markierte (90./+5). "Wir haben 75 bis 80 Minuten ein überragend gutes Spiel gemacht und waren auf diesem Hartplatz die klar bessere Mannschaft. Taktisch und in den Zweikämpfen waren wir besser und wir haben gezeigt, dass wir zurecht eine Klasse höher spielen. Wir hätten das 4:0 machen müssen, aber nach dem 3:1 kamen die Emotionen dazu und wir haben das Spiel nach dem 3:0 schon runtergefahren", analysierte Niddas Trainer Carsten Weber die Wende der Partie.

Blerim Petrovci: "Wir wollten nicht aufgeben"

Wobei Weber felsenfest der Meinung war, dass der Schiedsrichter die Partie schon vorher hätte beenden müssen: "Wir bekommen drei Minuten Nachspielzeit angezeigt und wir kriegen in der 95. den Ausgleich. Diese Minute hätte gar nicht mehr gespielt werden dürfen". Die Gastgeber erzwangen mit viel Leidenschaft die Verlängerung, was TGH-Trainer Blerim Petrovci begeisterte: "Ich habe nie den Glauben an meine Mannschaft verloren, weil ich weiß, was diese Truppe drauf hat. Nach dem 0:3 war eine leichte Enttäuschung da, aber wir wollten nicht aufgeben. Das 1:3 war entscheidend für unser Comeback, mit dem 2:3 kamen wir ins Rollen und mit dem Selbstvertrauen konnten wir ausgleichen. Zu Beginn waren wir zu ängstlich und hatten zu viel Respekt. Danach haben wir eine überragende Leistung gezeigt und diese 120 Minuten haben uns alles abverlangt", meinte der überglückliche Petrovci. Denn in der zusätzlichen Spielzeit fielen keine Tore, wobei Niddas Noah Michel mit der letzten Aktion in der Verlängerung den Gästen die Elfmeterlotterie hätte ersparen können.

Er köpfte aber freistehend am Tor vorbei. Im Elfmeterschießen trafen neun von zehn Schützen, nur Niddas Kapitän Sven Diedrich scheiterte an Hanaus Torhüter Muhammed Tok. So brannte ein tosender Jubel auf, als Ali Karan den entscheidenden Elfmeter zum 5:4 für Türk Gücü Hanau verwandelte. Die Hanauer können nun in der 3. Runde auf einen vermeintlich großen Gegner hoffen, während die Enttäuschung bei Viktoria Nidda greifbar war. "Wir haben eine gute Verlängerung gespielt und wieder Struktur bekommen und in der 120. Minute eine 1000-prozentige gehabt. Im Elfmeterschießen war es ein Glücksspiel und wir müssen aus diesem Spiel lernen", konstatierte Weber. Blerim Petrovci blickte schon mal nach vorne: "Es war unser Ziel, uns für die dritte Runde zu qualifizieren und nun wünschen wir uns einen großen Gegner wie Kickers Offenbach. Wer es aber letztlich wird, ist egal".

Die Statistik:

Türk Gücü Hanau: Tok - Kaya (70. Sungun), Shima, Karan, Acikel, Bayin (58. Saletnik), König, Fröb, Müller, Korkmaz, Cimen (81. Kciku) - Trainer: Blerim Petrovci.
SC Viktoria Nidda: Kuhl - Kneifl (74. Filges), Meinzer, Biber, Jo.Jung, Schwalm (82. Ja.Jung), Diedrich, Sommer (86. Heck), Michel, Lüdke, Wagner - Trainer: Carsten Weber.

Schiedsrichter: Dennis Meinhardt (Fulda).
Zuschauer: 200.
Tore: 0:1 Noah Michel (27.), 0:2 Jonathan Jung (66.), 0:3 Sven Diederich (77.), 1:3 Abdullahhan Acikel (79.), 2:3 Dominik König (83.), 3:3 Tim Müller (90./+5).
Elfmeterschießen: Hanaus Muhammed Tok hält gegen Niddas Sven Diedrich, 1:0 Dominik König, 1:1 Noah Michel, 2:1 Volkan Sungun, 2:2 Jan Lüdke, 3:2 Tim Müller, 3:3 Maximilian Heck, 4:3 Adrian Saletnik, 4:4 Semun Biber, 5:4 Ali Karan.

Autor: Pedro Acebes

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