Rot-Weiss-Wirbelsturm ebbt nach der Pause ab

Hessenliga: Cimen-Elf siegt 4:2 beim Spitzenspiel in Dreieich

04. Mai 2017, 01:04 Uhr

Jeremy Lundy (rechts) jubelt mit dem zweifachen Torschützen Cem Kara. Foto: Mithat Gürser.

Die SG Rot-Weiss Frankfurt ist im Nachholspiel der Hessenliga am Mittwochabend beim SC Hessen Dreieich in der ersten Hälfte wie ein Wirbelsturm über den Platz gefegt. Die Gäste vom Brentanobad spielten in der ersten Hälfte ganz groß auf und führten zur Halbzeit bereits deutlich mit 4:0. Nach einem Platzverweis gegen die Platzherren ging die zweite Hälfte aber klar an die "Hessen". Der Wirbelsturm der "Roten" ebbte ab, für die Bommer-Truppe reichte es aber nur noch zu einer Resultatsverbesserung auf 2:4.

Wer sich trotz des Dauerregens eine Karte für dieses Spiel gekauft hatte, erlebte einen denkwürdigen Maiabend mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten. Gespielt wurde im Sportpark Dreieich auf dem kleineren Kunstrasenplatz und das sollte sich für die Frankfurter keineswegs als Nachteil erweisen. Eine Anlaufphase benötigte keines der beiden Teams, sofort ging es energisch und beherzt zur Sache. Die Gäste waren präsenter und gedankenschneller und das sollte sich schon bald im Zwischenergebnis widerspiegeln. Nach einem langen Abschlag von Takidis profitierte Cem Kara von einem groben Abspielfehler des Dreieichers Denis Talijan und brachte die "Roten" mit einem Schuss aus 18 Metern, der vom Innenpfosten ins Tor sprang, früh mit 1:0 in Führung (9.). In der Folge wurde das Spiel der Frankfurter kaum langsamer, die offensive Dreierreihe um Patrick Barnes, Varol Akgöz und Cem Kara agierte enorm beweglich und quirlig. Über die Außenpositionen wurde das Spiel gefährlich nach vorne getragen. So war es Andre Fliess, der zwei Dreieicher narrte und vom linken Strafraumrand abzog und dessen Schuss diagonal im rechten Eck zum 2:0 für Rot-Weiss einschlug (23.). Alban Lekajs Schuss an das Außennetz war das einzige, was Dreieich in dieser Phase dagegenstellen konnte. Routinier Youssef Mokhtari wurde bei den Hausherren schmerzlich vermisst.

Der Offensivwirbel der "Roten" mutierte nach einer halben Stunde zu einem echten Wirbelsturm. Varol Akgöz traf nach einer Balleroberung von Tim Fliess den Pfosten. Den Abpraller netzte Cem Kara aus 16 Metern flach zum 3:0 ein (34.). Dann musste Hessen Dreieich nach 40 Minuten mit einem Spieler weniger auskommen, denn der dienstälteste Dreieicher Spieler Danny Klein wurde mit der Gelb-Roten Karte des Feldes verwiesen. Patrick Barnes machte aus halbrechter Position mit einem Schuss aus acht Metern zum 4:0 die unfassbar gute Halbzeit von Rot-Weiss perfekt (44.). In der gezeigten Verfassung der Gäste drohte Dreieich in Unterzahl ein Debakel, doch es sollte anders kommen. "Wir haben in der ersten Hälfte eine tolle Auswärtspartie abgeliefert. Ich hatte etwas Bedenken wegen dem engen Platz, wir wollten aber mit Mut und Risiko von hinten rausspielen. Wir haben das klasse gemacht und verdient mit 4:0 zur Halbzeit geführt. Was aber in der zweiten Halbzeit passiert ist, das ist für mich unerklärlich", war Rot-Weiss-Trainer Daniyel Cimen über die erste Hälfte genauso begeistert, wie der Coach über die zweiten 45 Minuten entsetzt war. Denn plötzlich waren es die Hausherren, die in Unterzahl rasant nach vorne spielten und nach einer Flanke von Abassin Alikhil durch Loris Weiss auf 1:4 heran kamen (48.).

Cimen: "Haben sicher geglaubten Sieg noch arg gefährdet"

Dreieich spielte nun kompromisslos nach vorne, der Rot-Weiss-Wirbelsturm war abgeebbt. Die Ereignisse auf Frankfurter Seite beruhigten sich, die Platzherren drängten auf weitere Treffer, die ihnen trotz bester Torchancen zunächst nicht gelangen. Alikhil traf per Freistoß die Latte, der für Khaibar Amani eingewechselte Kroate Tino Lagator scheiterte an Takidis und zielte dann etwas später knapp links am Tor vorbei. Zwischendurch hätte es durchaus auch Elfmeter auf der Gegenseite an Cem Kara geben können, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm. "Wir haben den sicher geglaubten Sieg gegen zehn Mann noch arg gefährdet, das macht mich sauer. Das müssen wir analysieren. Insgesamt sind wir mit dem Spiel aber sehr zufrieden", freute sich Cimen über den Auswärtscoup. SCHD-Trainer Rudi Bommer gab Cimen recht: "Das war ein verdienter Sieg für Frankfurt. Wir waren in der ersten Hälfte nicht auf dem Platz. Rot-Weiss hat mit uns gemacht, was sie wollten. Wir sind immer nur hinterher gelaufen. Unser eigenes Spiel war nicht vorhanden und dazu haben wir krasse Patzer gemacht. Da war es schwierig, Zugriff auf die Mannschaft zu bekommen. In der Halbzeit haben wir das korrigiert und dann haben wir etwas gestaffelter im Zentrum gespielt. Wir haben eine bessere zweite Halbzeit gespielt, in der wir mehr Möglichkeiten hatten. So hätten wir das Ergebnis kaschieren können. Das wäre aber vom Spielverlauf unverdient gewesen und somit geht die Partie ganz klar an Rot-Weiss".

Die Frankfurter rückten dem Spitzenduo Hessen Dreieich und Eintracht Stadtallendorf bis auf einen Punkt auf die Pelle. Ärgerlich aus Sicht von Daniyel Cimen, war aber die vermeintliche Ergebniskosmetik zum 2:4-Endstand in der zweiten Minute der Nachspielzeit. RW-Torhüter Ioannis Takidis verlor den Ball in aller Lässigkeit an Tino Lagator, der ins leere Tor einschob. Dieser Patzer kostet den direkten Vergleich mit den "Hessen", den die Frankfurter sonst gewonnen hätten. Nun fällt dieser Remis aus und die Tordifferenz würde im Falle der Punktgleichheit am Ende der Runde herangezogen werden. "Das ist natürlich sehr ärgerlich. Aber Takidis hat uns in dieser Saison schon viele Punkte gewonnen, wir stellen ihn jetzt nicht an den Pranger", nahm Cimen den Tormann in Schutz. / pac

Die Statistik:

SC Hessen Dreieich: Paul - Kohl, Lekaj, Henrich, Alikhil, Amani (43. Lagator), Klein, Talijan, Dudda (85. Fiorentino), Weiss, Opper - Trainer: Rudi Bommer.
SG Rot-Weiss Frankfurt: Takidis - Topcagic, Tim Fliess (90. Demir), Mus, Andre Fliess (87. Scholten), Akgöz, Barnes, Lundy, Pospischil, Abdul, Kara (75. Freund) - Trainer: Daniyel Cimen.

Schiedsrichter: Joshua Herbert (Nüsttal).
Zuschauer: 385.
Tore: 0:1 Cem Kara (9.), 0:2 Andre Fliess (23.), 0:3 Cem Kara (34.), 0:4 Patrick Barnes (44.), 1:4 Loris Weiss (48.), 2:4 Tino Lagator (90+2.).
Gelb-Rote Karte: Danny Klein (Dreieich, 40.).

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