Seligenstadt denkt über Rückzug aus Hessenliga nach

RW Darmstadt oder Kelsterbach könnten profitieren

07. April 2017, 11:08 Uhr

Duelle wie das von Michele Piarulli (rechts) gegen den Lehnerzer Angreifer Marcel Trägler könnte es ab der kommenden Saison nicht mehr geben. Foto: Charlie Rolff

Das wäre ein echter Hammer: Wie Trainer Lars Schmidt bestätigt, spielen die Sportfreunde Seligenstadt mit dem Gedanken, sich aus der Hessenliga zurückzuziehen und in der kommenden Spielzeit in der Gruppenliga an den Start zu gehen.

"Der Verein prüft momentan, ob es Sinn ergibt, weiter in der Hessenliga zu spielen", sagt Schmidt, der verrät, dass es natürlich um das Thema Finanzen geht. "Der Verein hat jede Menge Ausgaben, aber aufgrund der Liga kaum Einnahmen. Du bekommst kein großes Geld von der Liga und auch die Zuschauerzahlen halten sich in Grenzen. Da muss sich ein Verein natürlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellen", erklärt Schmidt. "Wenn du beispielsweise in der Gruppenliga startest, hast du geringere Ausgaben, aber im Vergleich zur Hessenliga vielleicht die gleichen Einnahmen durch Zuschauer. Der Verein muss es letztlich abwägen."

Ein weiterer Aspekt sei die immer größer werdende finanzielle Kluft innerhalb der Hessenliga. "Mit Vereinen wie Hessen Dreieich, Borussia Fulda oder Lehnerz können wir einfach nicht mithalten und wir könnten aufgrund der Auflagen auch nie in die Regionalliga aufsteigen. Mehr als gesichertes Mittelfeld ist für uns nicht drin", erläutert der Coach, der seine persönliche Zukunft nicht von der Spielklasse abhängig machen wird. "Ich werde die Entscheidung mittragen", sagt Schmidt.

Bereits seit der Winterpause prüfe der Verein, wie es über den Sommer hinaus weitergehen wird. Die Mannschaft sei bereits zum Restrundenstart von den Vereinsverantwortlichen über die Gedankengänge innerhalb des Clubs informiert worden. "Die Spieler haben das sehr professionell aufgenommen und lassen sich davon keineswegs auf dem Platz beeinflussen", findet Schmidt lobende Worte für seine Spieler. Wann eine endgültige Entscheidung fällt, ist derzeit unklar.

Erklären die Sportfreunde bis zum 15. Mai Verbandsfußballwart Jürgen Radeck offiziell den Rückzug in die Gruppenliga, dann werden sie am Saisonende an das Tabellenende gesetzt und sind erster Absteiger. Schaffen die hessischen Vertreter - insbesondere Teutonia Watzenborn-Steinberg und Kickers Offenbach - darüber hinaus den Klassenerhalt in der Regionalliga, steigen nur zwei Mannschaften sportlich aus der Hessenliga ab. In diesem Fall hätten auch RW Darmstadt und Viktoria Kelsterbach noch Chancen auf den Klassenerhalt. Erklärt sich Seligenstadt erst nach dieser Frist Radeck, würde aus den Aufstiegsspielen zur Hessenliga aufgefüllt werden. Profitieren könnten dann beispielsweise der VfB Ginsheim oder der FV Bad Vilbel die aktuell Platz zwei und drei in der Verbandsliga Süd einnehmen.

Autor: Max Lesser