SV Pars erweist sich als "keine normale Kreisliga-Mannschaft"
Kreispokal-Halbfinale: Seligenstadt zieht erst in der Nachspielzeit ins Finale ein
SV Pars Neu-Isenburg - Sportfreunde Seligenstadt 2:3 (1:0)
Seligenstadts Trainer Lars Schmidt nahm die Sache ernst und brachte seine Stammelf auf dem Kunstrasenplatz in Zeppelinheim. Der Coach hatte schon im Vorfeld des Spiels vor der Stärke des Tabellenführers der Kreisliga A Offenbach gewarnt: "Das ist keine normale Kreisliga-Mannschaft". Und das bestätigte sich dann auch, denn der vermeintliche Underdog lief mit zahlreichen Akteuren auf, die locker zwei bis drei Klassen höher mitspielen könnten. So beispielsweise der in der Hinrunde noch bei Hessenliga-Aufsteiger Viktoria Urberach, davor beim SC Hessen Dreieich spielende Stürmer Güner Özdamar. Oder der mittlerweile 38-jährige Islam Ispir, einst unter anderem bei Kickers Offenbach und dem FSV Frankfurt aktiv. "Meine Warnung hat sich zu 100 Prozent bewahrheitet. Ich habe vor dem Spiel darauf hingewiesen, dass wir sehen müssen, dass wir richtig in das Spiel reinkommen. Pars hat überragende Fußballer drin und sie sind marschiert, solange sie noch Kraft hatten. Einige dieser Spieler habe ich schon selbst trainiert. Das ist keine Kreisliga-Mannschaft oder sonstwas, sondern eine fußballerisch ganz starke Truppe. Jetzt sind wir froh, dass wir nach 94 Minuten weiter sind", stellte der Sportfreunde-Coach noch einmal klar, dass der erst seit 2014 am Spielbetrieb teilnehmende Klub mit persischen Wurzeln ein durchaus ernstzunehmender Gegner war.
Hervorgegangen aus einer Betriebssportmannschaft, wird Pars von Sasan Tabib trainiert, dem Trainer von Rot-Weiss Frankfurt in der Saison 2011/12. Der Trainer des Außenseiters zeigte sich nach der Partie wenig überrascht von der Leistung seines Teams: "Ich wusste, dass es ein knappes Spiel wird und genauso habe ich es mir vorgestellt. Wenn dann geht es mit ein oder zwei Toren für Seligenstadt aus". Von Beginn an wollte der Hessenligist zeigen, wer am Ende des Abends eine Runde weiterziehen sollte. Die sich bietenden Chancen zu Beginn durch Torjäger Dalmeida, der knapp am Tor vorbei schoss oder durch Tobias Leis, der den Ball nach einer Flanke von Patrick Hofmann über das Tor jagte, nachdem Dalmeida die Kugel verpasst hatte, blieben ungenutzt. Auf der Gegenseite reklamierten die Pars-Anhänger unter den 90 Zuschauern in der 25. Minute eine vermeintliche Notbremse von Sven Kunisch, der im Zweikampf mit Özdamar den Angreifer zweimal blocken konnte und beim dritten Mal am Bein traf. Der Stürmer ließ sich jedoch nicht fallen, sondern spielte weiter und setzte den Ball dann links am Tor vorbei. Vier Minuten vor der Pause spielte dann Arif Öztas einen langen Ball in die Tiefe und Hatem Erdem hatte Glück, dass ihm der Ball in den Lauf fiel.
Leis bringt die Sportfreunde nach vorne
Der Pars-Spieler nahm den Ball direkt und brachte den A-Ligisten dadurch mit 1:0 in Führung. In der Nachspielzeit verhinderte Pars-Keeper Arif Arifi, auch ein ehemaliger Hessenliga-Torwart mit einem Reflex bei einem Kunisch-Kopfball den Ausgleich. Nach dem Seitenwechsel schwang bei den Sportfreunden früh eine Portion Frust mit, denn der vier Klassen höher spielende Hessenligist wollte hier nicht die Segel streichen. Der eingewechselte Philipp Hochstein versenkte nach exakt einer Stunde einen Ball in die Tiefe zum verdienten Ausgleich. Acht Minuten danach hatten die Schmidt-Schützlinge das Spiel gedreht. Hillmann bediente Leis mit einem Querpass und Seligenstadt führte mit 2:1 (68.). Hochstein in der 84. Minute mit einem Pfostenschuss hätte den Deckel drauf machen können. Doch in der Nachspielzeit wurde es dramatisch. Efkan Erdem kam im Sechzehner in der zweiten Minute der Nachspielzeit zu Fall, da musste man nicht Elfmeter geben, sagten beide befreundeten Trainer nachher unisono. Schiedsrichter Ioan-Paul Barbu aus Frankfurt tat es aber und Arif Öztas verwandelte zum 2:2-Ausgleich (90./+2). Sollte es hier eine Verlängerung geben? Mitnichten! Denn mit der letzten Aktion des Spiels brachte Hoffmann den Ball noch einmal herein, Efkan Erdem wollte klären und traf ins eigene Tor (90./+4).
Der Genickschlag für einen ungewöhnlichen A-Ligisten, der dem Hessenligisten alles abverlangte. "Das Schiedsrichter-Gespann hatte einige unglückliche Situationen. Den Elfmeter, den wir bekommen haben in der 92., den habe ich auch nicht gesehen. Das muss man nicht immer geben. In der ersten Halbzeit habe ich eine Notbremse gesehen, aber so ist das Spiel. Wenn es mit 2:2 in die Verlängerung geht, wäre es am passendsten gewesen", meinte Tabib, der sich über das 2:3 ärgerte: "Wir können die Situation zwei Mal klären und machen es nicht. Stattdessen reklamieren wir auf Ball im Aus, statt die Situation zu klären". Der Klub, der parallel auch am DFB-Spielbetrieb im Futsal teilnimmt und dort bis in das Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft vordrang (0:11 gegen die Hamburg Panthers), hat gute Chancen auf den Aufstieg in die Kreisoberliga Offenbach: "Wir haben mit dem Kreispokal und dem Futsal eine tolle Saison gehabt. Da haben wir einiges erreicht. Wir müssen aufpassen, dass wir in der Meisterschaft das entspannt zu Ende zu spielen. Das wird nicht leicht, denn wir spielen noch gegen die Mannschaften, die oben sind. Das sollte das Ziel sein", gab der Trainer zu Protokoll. Lars Schmidt haderte mit der Elfmeterentscheidung: "Das ist die Frage, ob ich da einen Elfmeter gebe. Er hat ihn gegeben und da waren wir etwas konsterniert. Dann war es mit der letzten Aktion glücklich, das 3:2 gemacht zu haben. Da hatten wir uns schon ein bisschen auf die Verlängerung eingestellt".
Stenogramm:
SV Pars Neu-Isenburg: Arifi; A.Öztas, Ispir, G.Öztas, Albayrak, Özdamar, Belegu (58. Tayebi), H.Erdem (74. Brunnhardt), Puls, E.Erdem, Salili (83. Hensel) - Trainer: Sasan Tabib.
Sportfreunde Seligenstadt: Duschner; Krist, Leis (83. Löbig), Hilser, Hertrich, Dalmeida (46. Hochstein), Hofmann, Piarulli, Mladenovic, Hillmann (77. Salii), Kunisch - Trainer: Lars Schmidt.
Schiedsrichter: Paul-Ioan Barbu (Frankfurt). Zuschauer: 90.
Tore: 1:0 Hatem Erdem (41.), 1:1 Philipp Hochstein (60.), 1:2 Tobias Leis (68.), 2:2 Gökhan Öztas (90.+2/Foulelfmeter), 2:3 Efkan Erdem (90.+4/Eigentor).

