Türk Gücü Friedbergs Traum Realität

Hessenliga: Aufstieg 30 Jahre nach Gründung

27. Juli 2018, 06:57 Uhr

Trainer Mustafa Fil jubelt mit Alit Usic. Foto: Steffen Turban

30 Jahre nach der Vereinsgründung im Jahr 1988 ist für Türk Gücü Friedberg ein Traum zur Realität geworden. Erstmals schlägt mit den Kreisstädtern ein türkischstämmiger Verein in der Hessenliga auf.

Bis 2012 führte der Klub ein Schattendasein im Fußball-Kreis Friedberg und hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Ambitionen auf den Sprung in den höherklassigen Fußball gehegt. Das änderte sich nach der erstmaligen Meisterschaft in der Kreisoberliga Friedberg und dem damit verbundenen Aufstieg in die Gruppenliga Frankfurt West. Auch 2012/13 waren die Friedberger Türken nicht zu stoppen und wurden erneut Meister. Durch den Durchmarsch landete der Klub im Sommer 2013 erstmals in der Verbandsliga Süd. Konnten die Friedberger im ersten Jahr die Klasse auf Rang elf noch halten, erwies sich die Liga in der folgenden Saison als eine Nummer zu groß und der Verein musste im Sommer 2015 den bitteren Gang zurück in die Gruppenliga antreten.

2015 erfolgte auch der Spielstättenwechsel, denn Türk Gücü spielte bis dato auf der nicht umzäunten Sportanlage in Friedberg-Ossenheim, dessen Rasenplatz sich vor allem im Herbst und Winter kaum von einem Rübenacker unterschied. Die Umkleidekabinen befanden sich einige hundert Meter vom Sportplatz entfernt. Da der Verein von der Stadt Friedberg keine andere Sportanlage zugewiesen bekam, entschloss sich die Vereinsführung zum Umzug nach Ober-Rosbach.

Auf dem Sportfeld Eisenkrain haben die Friedberger mittlerweile eine neue Heimat gefunden mit einem Rasen- und Kunstrasenplatz. Nach dem damaligen Rückschlag unternahm der Verein mit Klubchef Ramazan Kaplan und der neuen Sportlichen Leitung unter Gökhan Satir und Geschäftsführer Sinan Karanfil einen Kraftakt, um den direkten Wiederaufstieg zu realisieren. Dieser gelang 2015/16 mit der Gruppenliga-Meisterschaft vor der Usinger TSG. In der ausgeglichenen Verbandsliga Süd geriet TGF 2016/17 in akute Abstiegsgefahr, die vom neuen Trainerteam Mustafa Fil und Gültekin Cagritekin gebannt werden konnte.

"Wir hatten schon im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg eine sehr gute Mannschaft zusammengestellt und viele prophezeiten uns den Durchmarsch. Man hat gesehen, wie schnell das gehen kann, dass man unten drin steckt. Seitdem das Trainerteam geholt wurde, ist die Entwicklung sehr positiv. Sie machen sehr gute Arbeit. Dabei versuchen wir von Seiten des Vorstandes und des Spielausschusses alles in die Wege zu leiten, damit sie eine schlagkräftige Truppe haben", rekapituliert Satir die Entwicklung.

"Hessenliga eine Mammutaufgabe"

Zum Ablauf der vergangenen Saison war Wunsch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Die Friedberger wurden Vizemeister und sicherten sich im letzten Aufstiegsrundenspiel vor der tollen Kulisse von 1700 Zuschauern mit dem 2:1-Sieg gegen den FSV Fernwald den Aufstieg. "Der Verein ist mit 30 Jahren generell noch sehr jung. Die Hessenliga wird eine Mammutaufgabe werden. Stück für Stück wird sich das Umfeld verbessern. Wir sind schon gut organisiert gewesen. Ich sehe das bis auf die wenigen langen Auswärtsfahrten nicht als Problem", merkt Gökhan Satir zum Thema Organisation in der Hessenliga an.

Sportlich ist das Ziel für die Premierensaison auch aufgrund der umfangreichen Personaländerungen klar definiert: "Wir wollen in der Hessenliga bleiben. Es ist für den ganzen Klub ein großes Abenteuer", sagt Satir.

Ob sich die Friedberger auch etablieren können? "Das müssen wir abwarten. Momentan ist die Euphorie sehr groß. Es werden Rückschläge und schwierige Zeiten kommen. Wir müssen weiter gemeinsam gut arbeiten und dann ist der Ligaerhalt möglich", fügt der Sportliche Leiter hinzu. Dabei setzen die Friedberger auf junge Spieler. Neben Younes Bahssou (Borussia Fulda) und Sebastian Bartel (TSV Lehnerz) kamen eine ganze Reihe von Talenten aus U19-Teams der Rhein-Main-Region.

"Die Jugend ist die Zukunft. Wenn sie geduldig bleiben und mitziehen, haben sie das Potenzial, um in dieser Liga zu spielen", ist Satir angetan. "Über Bahssou und Bartel brauchen wir nicht viel zu sagen. Das sind gestandene Leute, sie sollen den jungen Spielern helfen. Wir haben aber auch mit Florian Decise und Jonatan Tesfaldet Spieler mit reichlich Erfahrung. Die Mischung macht es aus. Ob die Mischung gut ist, werden wir am Ende der Saison sehen", so das Schlusswort Satirs.

Autor: Pedro Acebes

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